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Schließung des Freibads Stockheide im Sommer: erheblicher Widerstand aus Politik und Zivilgesellschaft

Ab dem heutigen Freitag öffnet das Freibad Stockheide. Fotos: Alex Völkel

Mehrheitlich beschlossen: das Freibad Stockheide soll in diesem Jahr voraussichtlich nicht öffnen. Foto: Alex Völkel

Seit 2005 setzt sich der Freundeskreis Hoeschpark für die Attraktivierung und Weiterentwicklung des grünen Fleckchens nahe dem Borsigplatz und des Freibades Stockheide ein. Während der Verein in der Parkanlage sowie bezüglich Etablierung von Veranstaltungen und der Akquise von Sportvereinen Erfolge sieht, stünde „dies bei dem über die Grenzen des Stadtteils hinaus beliebten Stockheide-Bad nach wie vor aus“, so dessen Vorstand. Worum es dem Interessenzusammenschluss geht: die – mittelfristig – befürchtete, vollständige Schließung des Bades zu verhindern. Die Dortmunder Grünen haben ihre Unterstützung für den Erhalt des feucht-freulichen Vergnügens in der Nordstadt signalisiert, konnten sich aber im Sportausschuss des Stadtrats aber nicht durchsetzen.

Hoeschpark: Ob und wann das Freibad Stockheide öffnet, bleibt zunächst offen

Erstaunen und Entrüstung beim Freundeskreis Hoeschpark: In dieser Woche hat der Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit gegen die Simmen der Grünen, Linken und Piraten beschlossen, das Freibad Stockheide 2021 nicht zu öffnen und zunächst die Ergebnisse des Bäderkonzeptes abzuwarten, das derzeit im Kontext des Masterplans Sport entwickelt wird. Das letzte Wort wird der Dortmunder Stadtrat am 11. Februar haben. ___STEADY_PAYWALL___

„Es ist zu befürchten, dass diese Schließung Anlass für eine dauerhafte Einstellung des Badbetriebes sein wird. Dabei mangelt es nicht an Geld für einen Weiterbetrieb 2021: Im Wirtschaftsplan der Sport- und Freizeitbetriebe sind die erforderlichen Mittel für technische Instandsetzung sowie die laufenden Personal- und Sachaufwendungen eingestellt“, heißt es in einer ersten Stellungnahme des Vereins.

Es mangele nicht an Plänen und Konzepten zur Sanierung und Weiterentwicklung des Bades, so der Freundeskreis. Was fehle, das sei ein politischer Grundsatzbeschluss und ein klarer Fahrplan. Dies habe gleichsam zu einer Hängepartie geführt. Konsequenz: dass man sich von Jahr zu Jahr hangele – mit kleineren Reparaturen und Verbesserungen (z.B. neue Eingangs- und Kassenbereiche), einer Verkürzung der Öffnungszeiten und dadurch zurückgehender Besucher*innenzahlen. Somit schwebe seit Jahren das Damokles-Schwert einer Schließung über dem Freibad.

Grüne, Linke und Piraten wollen die Zukunft des beliebten Freibades in der Nordstadt sichern

Im Sinne der vielen Besucher*innen des Bades aus einem Einzugsgebiet von über 100.000 Menschen fordert der Freundeskreis daher, die weitere Öffnung der Becken und Wiesen am Rande des Hoeschparks in diesem Sommer sicherzustellen. Dazu soll „die Sanierung und Weiterentwicklung des Bades“ als Vorgabe in das Bäderkonzept aufgenommen und mit einem verbindlichen Zeitplan in Angriff genommen werden.

Doch die politischen Signale stehen schlecht. Gegen ein SPD/CDU-Votum haben jüngst etwa die Dortmunder Grünen in der Angelegenheit Schiffbruch erlitten. Das war vorgestern, 19. Januar, im Freizeitausschuss, wo ihr vorgelegter Grundsatzbeschluss scheiterte, den Erhalt des Freibads Stockheide durch Berücksichtigung im Bäderkonzept zu sichern. Anders als beispielsweise in der Bezirksvertretung der Innenstadt-Nord reichen die Stimmen von Grünen, Linken und Piraten dort halt nicht.

Was die strittige Angelgenheit in Sachen Stockheide betrifft, ist die Position der Grünen unmissverständlich: „Der grundsätzliche Wille, das Bad im Norden zu erhalten, ist für uns eine Prämisse für das Bäderkonzept“, erklärte Katrin Lögering von den Grünen im Sportausschuss. Das heißt: Ohne Stockheide in der sommerlichen Wasservergnügungsstrategie der Stadt Dortmund zu verankern, geht das für die Grünen im Grunde gar nicht mehr.

 

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7 Gedanken über “Schließung des Freibads Stockheide im Sommer: erheblicher Widerstand aus Politik und Zivilgesellschaft

  1. Sonja Lemke

    Die Ergebnisse des Bäderkonzept sind nicht relevant für das Bad, denn ist komplett denkmalgeschützt. Das heißt egal, was sich das Konzept ausdenkt, das Bad wird nicht dementsprechen umgebaut werden können. Es wird im Grundsatz das gleiche Bad bleiben müssen, nur eben grundlegend saniert.

    Diesen Sommer sind weniger Besucher*innen zu erwarten und da wäre es auch ok das Bad zu schließen – wenn diese Zeit direkt genutzt würde mit der Sanierung anzufangen. Stattdessen wird wieder gewartet, selbst kleinere Reparaturen wird es mit der Schließung nicht geben (um es zu Öffnen müssten das Bad erstmal wieder verkehrssicher gemacht werden).

    So verfällt das Bad weiter und damit ein Stück Nordstadt und die Interessen der Bewohner*innen der Nordstadt sind -mal wieder- egal.

  2. Cornelia Wimmer

    Unsere Kinder sind oft zu dick. Dem gelte es abzuhelfen. So Einigkeit zwischen Frau Schneckenburger, Frau Zoerner und Herrn Dr. Renken im August 2018: https://www.nordstadtblogger.de/kinder-in-dortmund-sollen-gesuender-leben-stadt-setzt-auf-gesundheitsfoerderung-durch-fruehe-vorbeugung/
    Man kann ihnen nur zustimmen:
    „Es (Übergewicht, C.W.) hat (…) dauerhafte Auswirkungen auf unsere Lebensqualität und Lebenserwartung. Die Folgeerkrankungen sind weitgehend vermeidbar. Am erfolgreichsten, wenn durch einen gesunden Lebensstil, also gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung im Alltag, Übergewicht gar nicht erst entsteht. Wer bereits mit fünf oder sechs Jahren stark übergewichtig ist, hat es besonders schwer, das Gewicht wieder dauerhaft zu reduzieren.“ Wie wahr.
    Dann möge man das Freibad Stockheide wieder flottmachen. In einem Stadtteil, der so dicht bebaut und bewohnt ist wie die Nordstadt, so von lebensfeindlichen Verkehrsadern durchzogen, wo alles zugeparkt ist, hat man als junger Mensch nicht die Auswahl, wo und wie man „ausreichende Bewegung im Alltag“ herbekommen soll. Ein Schwimmbad, immerhin, wäre schon mal was.

  3. Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneter Volkan Baran: „Freibad Stockheide muss erhalten bleiben! Es erfüllt eine wichtige soziale Funktion innerhalb der Nordstadt!“ (PM) Beitrags Autor

    Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneter Volkan Baran: „Freibad Stockheide muss erhalten bleiben! Es erfüllt eine wichtige soziale Funktion innerhalb der Nordstadt!“

    Das Freibad Stockheide ist eine Institution in der Dortmunder Nordstadt. Im Sommer 1952 eröffnet, ist das einzige Freibad der Nordstadt noch heute ein beliebter Treffpunkt für Bewohnerinnen und Bewohner des nördlichen Stadtgebiets. Seit 2009 kämpft die SPD Dortmund immer wieder für einen Erhalt des Freibads Stockheide. Der SPD-Landtagsabgeordnete Volkan Baran berichtet dazu:

    „In meiner Zeit als Ratsherr habe ich für einen Erhalt gestritten, wiederholt Vorschläge für eine Sanierung gemacht und hatte zeitweise sogar einen Sponsor für ein Schwimmbecken gefunden. Doch immer wieder versucht die Verwaltung eine Schließung zu erwirken, anstatt die bereits bestehenden Beschlüsse umzusetzen. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass das Bad als Teil des Hoeschparks seit 69 Jahren ein fester Bestandteil der Sport- und Freizeitangebote im Stadtteil ist und ein wichtigen Teil seiner Lebensqualität ausmacht. Die veranschlagten Sanierungskosten sind in den vergangenen Jahren von 5,1 Mio. Euro auf 7 Mio. Euro angestiegen, da Baukosten in den letzten Jahren in die Höhe gegangen sind und sich die Reparaturbedarfe intensiviert haben.“

    Im Sportausschuss hat die SPD-Ratsfraktion wegen der Unklarheiten rund um Corona dafür gestimmt, das Bad für die Saison 2021 nicht zu öffnen. Anders als es im Ausschussprotokoll zu lesen ist, kämpft sie aber weiter für einen dauerhaften Erhalt des Bades.

    Volkan Baran betont abschließend:
    „Gerade in der dicht bebauten und bevölkerungsstarken Nordstadt staut sich im Sommer die Hitze, sodass ein Freibad auch für die kommenden Sommer wichtig ist. Eine dauerhafte Schließung wäre ein schwerer Verlust für die Nordstadt und ganz Dortmund, deshalb wird sich die Dortmunder Ratsfraktion – wie auch in der Vergangenheit- für einen dauerhaften Erhalt und eine Sanierung des Bades stark machen.“

    Hintergrund:

    Im noch nicht genehmigten Protokoll des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit vom 19.01.2021 war die Aussage von SPD-Ratsherr Torsten Heymann falsch wiedergeben worden. Er gab an, die Dortmunder Ratsfraktion können sich – Corona-bedingt –vorstellen das Freibad für die Saison 2021 nicht zu eröffnen, würde aber an einem dauerhaften Erhalt des Bades weiterhin festhalten.

  4. „Das Freibad Stockheide bleibt und soll im Sommer öffnen.“ - Nordstadt-SPD will den Erhalt des Freibads Stockheide im Hoeschpark (PM SPD Innenstadt-Nord)

    „Das Freibad Stockheide bleibt und soll im Sommer öffnen.“ – Nordstadt-SPD will den Erhalt des Freibads Stockheide im Hoeschpark

    Mit viel Aufwand wurde und wird der Hoeschpark als Naherholungsraum mit einem vielfältigen Angebot an sportlichen Möglichkeiten entwickelt. Für uns gehört ein Freibad mit in dieses Konzept für einen attraktiven Hoeschpark. Ein Ausflugs- und Aufenthaltsraum nicht nur für die Bewohner*innen der Nordstadt.

    Der aktuell Verwaltungsvorlage sieht vor im Rahmen eines Masterplans Sport bzw. Wassersport ein stadtweites Konzept für die Dortmunder Freibäder zu entwickeln. Soweit so gut. Dieser Masterplan soll dann auch festlegen, ob das Freibad Stockheide saniert werden soll. Eine Sanierung, die gemäß eines 2020 erstellten Gutachtens, 7 Millionen Euro kosten würde. Das Freibad ist denkmalgeschützt, doch seit 2009 wurde nie mehr Geld investiert, als für die Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig war.

    Gleichzeitig verweist die Verwaltungsvorlage darauf, dass die Schließung des Freibades Stockheide 2009 nur nicht umgesetzt wurde, da das Freibad Hardenberg zeitgleich saniert wurde und, dass eine Sanierung der Stockheide wegen des Denkmalschutzes die Attraktivität nur begrenzt steigern würde.

    Diese Vorlage ist eine Frechheit, denn bereits 2015 wurde im Rat beschlossen den Hoeschpark und das dazugehörige Freibad Stockheide zu sanieren und entsprechend einen attraktiven Naherholungsraum zu schaffen. Für die Sanierung wurden damals über 5 Millionen Euro veranschlagt und entsprechend eingeplant. Bisher ist allerdings nichts geschehen.

    Es liegt der Verdacht nahe, dass das Ergebnis eines Masterplan Sports für das Freibad Stockheide eigentlich schon feststeht. Da aber der Masterplan nicht rechtzeitig fertig wird, soll nun der Rat darüber befinden, ob in diesem Jahr das Freibad geöffnet werden soll, denn auch dies kostet ja Geld.

    Nicht mit uns!

    Wir werden in der Bezirksvertretung Nord dieser Vorlage nicht zustimmen und stattdessen den Erhalt der Stockheide sowie die Öffnung in diesem Jahr beantragen.

    Wir halten an der Entwicklung des Hoeschparkes und des Freibades Stockheide zu einem wertvollen und attraktiven Naherholungs- und Sportpark fest und wir erwarten, dass der Rat der Stadt Dortmund sich ebenfalls so entscheidet.

  5. Hans-Georg Schwinn

    Lieber Volkan,
    es freut mich, dass du dich weiterhin für die Sanierung des Freibads Stockheide einsetzt. Die Verwaltungsvorlage, kann man zurecht, wie es die Nordstadt-SPD tut, als Frechheit bezeichnen.
    Deine SPD-Parteifreunde im Sportausschuss hätten sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie dem Kernsatz des Grünen Antrags zugestimmt hätten:
    „Der Rat der Stadt Dortmund spricht sich grundsätzlich für den Erhalt des Freibads Stockheide aus. “
    Haben sie aber nicht. Und da nützen auch nachträgliche Korrekturen von Aussagen aus nicht genehmigten Protokollen nichts. Ich hoffe, die SPD korrigiert das spätestens in der nächsten Ratssitzung am 11. Februar.
    Und es würde mich sehr freuen, wenn du den SPD-Oberbürgermeister auch vom Sinn einer Sanierung überzeugen könntest. Viel Erfolg dabei.

  6. Almut Rybarsch-Tarry

    Es macht Hoffnung, das anscheinend ein großer Teil der Dortmunder Politik sich für den Erhalt des Freibades Stockheide einsetzt.
    Eine positive, endgültige Entscheidung dazu ist mehr als überfällig und wird seit Jahren von allen Nutzern des Bades, zu denen ich auch gehöre, dringend erwartet und eingefordert.
    Man hangelte sich bisher von einer Saison zur Nächsten, die Informationslage war immer wieder denkbar schlecht, bis kurz vor knapp war nicht zu erfahren, ob eine Öffnung erfolgen würde. Die Dortmunder Lokalpresse war hier auch nur selten hilfreich, eher fokussiert auf die „Vorzeigefreibäder“ Wellinghofen, Volksbad und Froschloch.
    Das mag eine subjektive Meinung sein und Sanierungsstaus/Finanzierungssorgen gibt es dort sicherlich auch. Allerdings ist mir ein derartiges, ständiges Tauziehen um Öffnung und vor allem Weiterbestand der genannten Bäder nicht bekannt.
    Als Nordstadtbewohner frage ich mich also zwangsläufig, ob das Problem in erster Linie einfach der Standort ist.

  7. Carola Hiby-Asianowaa

    Unglaublich und unverschämt, dass für den kinderreichsten Stadtteil die Schließung eines Freibades überhaupt nur in Betracht gezogen wird!! Anstatt Angebote zu schaffen oder mindestens zu erhalten und auszubauen, soll das wenige, was da ist, vernichtet werden. Eine unfassbare Ignoranz.

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