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Fragwürdige Kunstaktion zum Holocaust-Gedenken: Pflasterstein-Stelen am Kubaşık-Mahnmal und der Bittermark

Erst nach Hinweisen wurde auch die zweite Stele in der Bittermark entdeckt.

Erst nach Hinweisen wurde auch die zweite Stele in der Bittermark entdeckt. Fotos: Polizei Dortmund

Eine fragwürdige Guerilla-Kunstaktion zum Gedenken an den Holocaust hat Stadt und Polizei beschäftigt. Lag zunächst der Verdacht nahe, es handele sich um eine Aktion der Neonazis, kristallisierte sich im Nachgang heraus, dass es eine Kunstaktion zum Gedenken an den Holoaust sein sollte. Nicht nur in Dortmund, sondern auch in Köln und Hagen gab es solche Stelen.

„Jedem das Seine“ und „6 Mio.“
auf schornsteinartigem Gebilde 

Vor allem die „Schornsteinartige Form“, der Aufdruck „6 Millionen“ und die Parole „Jedem das Seine“ – ein Satz, der auf dem Tor zum Konzentrationslager Buchenwald stand – riefen Polizei und Staatsschutz auf den Plan.

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Diese ermittelten wegen des Verdachts der Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, was sich jedoch nicht erhärtete.

Zunächst war eine der Stelen neben dem Mahnmal für das NSU-Opfer Mehmet Kubaşık an der Mallinckrodtstraße in der Nordstadt gemeldet worden. „Das macht einen nachdenklich und regt zu Spekulationen an“, kommentierte OB Ullrich Sierau die wenig ansprechend gestalteten Stelen.

Offenbar waren diese bereits vor einer Woche – von einer bislang unbekannten Gruppe – aufgestellt worden. Denn an anderen Orten waren in den Säulen Zettel deponiert, auf denen erst der Gedenk-Charakter der Aktion zu erkennen war. In der Nordstadt waren diese Zettel nicht (mehr) auffindbar oder vergriffen.

Erinnerung an Holocaust: „Das Geschehene darf niemals vergessen werden.“

Erst auf Hinweis wurde eine nahezu identische „Stele“ in der Bittermark entdeckt, wo es ebenfalls ein Mahnmal zur Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis kurz vor Ende des 2. Weltkriegs gibt.

Sowohl in Dortmund, Hagen als auch in Köln wurden die Stelen entfernt, nachdem die Polizei Spuren gesichert und dokumentiert hatte. Insgesamt hatte die Gruppe nach eigenen Angaben an zwölf Orten diese Installationen aufgestellt.

Diese Bekennerschreiben steckten in den Pflasterstein-Stelen. Fotos: Polizei

Diese Schreiben steckten in den Pflasterstein-Stelen, um auf den Sinn der Aktion aufmerksam zu machen.

Die Bekenner-Schreiben auf orangenem Papier waren in fehlerhaftem Deutsch verfasst. Wortwahl und Fehler sowie fehlende Satzzeichen erinnern an Fehler aus einem Übersetzungsprogramm. 

Zudem wurden u.a. die Worte Konzentrationslager und Auschwitz falsch geschrieben. Dennoch wurde die Botschaft – wenn auch nicht an den Stelen, aber zumindest auf den „Beipackzetteln“ – deutlich. Dort heißt es: „Das Geschehene darf niemals vergessen werden.“

 

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