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Ein Grußwort zum Heiligen Abend: „Was für ein Jahr, was für ein Weihnachtsfest! Es bleibt alles anders…“

Eine volle Kirche wie beim Weihnachtsoratorium in der Reinoldikirche wird es dieses Jahr nicht geben.  Foto: Stephan Schuetze

Eine volle Kirche wie beim Weihnachtsoratorium gibt es 2020 nicht. Archivfoto: Stephan Schuetze

Was für ein Jahr, was für ein Weihnachtsfest! Die Überschrift in Anlehnung an Herbert Grönemeyer –bleibt alles anders – trifft es eigentlich ganz gut. So unsicher und chaotisch wie das Jahr begonnen hat, wird es aller Voraussicht nach auch zu Ende gehen.

Corona ist, entgegen allen Hoffnungen, noch nicht besiegt. Auch die Adventszeit war von diesem Thema überschattet. Und der Heilige Abend sieht, genau wie die Weihnachtsfeiertage, für viele von uns auf den ersten Blick völlig anders aus als sonst. Viele liebgewordene Traditionen können wir in diesem Jahr nicht wie in all den Jahren zuvor pflegen.

Der stellv. Superintendent Michael Stache. Foto: Stephan Schuetze

Der stellv. Superintendent Michael Stache. Foto: Schuetze

Ja sogar auf die wohlbekannten, über viele Jahrzehnte liebgewonnenen Gottesdienste in den Kirchen zu Heiligabend müssen wir verzichten. Es ist ein Gebot der Stunde, an dieser Stelle Verantwortung zu übernehmen und nicht dazu einzuladen, sich mit zahlreichen anderen Menschen zu treffen. Wir sind sicher, durch den Schutz vieler Menschen Gott mehr zu dienen, als wenn wir miteinander in großen Gruppen die Weihnachtsgeschichte hören und ‚Oh du fröhliche‘ singen, auch wenn dieser Verzicht gerade heute, am Heiligen Abend, sehr weh tut.

Ja, es war eine seltsame Adventszeit. Trotzdem haben sich die Menschen überall, in Politik und Verwaltung, in Handel und Gastronomie, in Medizin und Pflege, in Schulen und Kindergärten die aller größte Mühe gegeben, in dieser Zeit wenigstens überhaupt irgendetwas auf die Beine zu stellen. Auch wir, hauptamtliche Pfarrer*innen und ehrenamtliche Frauen und Männer in den Gemeinden – sind und waren mit viel Herzblut, Energie und guten Ideen unterwegs: digitale Formate, um den Menschen Advent und Weihnachten nach Hause in ihre Wohnstuben zu bringen, ‚Weihnachten in der Tüte‘ – Gebete, Lieder und geistliche Impulse ‚to go‘, damit man daheim in aller Ruhe und Andacht einen eigenen kleinen Gottesdienst feiern kann. Schließlich braucht es keine große Kirche, um Gott nahe zu sein.

Bis zum Ende des neuerlichen Lockdowns soll es in den Evangelischen Kirchen keine Gottesdienste geben. Archivfoto: Bruno Wittke

Ein wenig erinnert mich diese ganze Situation an den Einzug Jesu in Jerusalem, einen der zentralen Texte im Neuen Testament. Alle erwarten, dass der große König mit all seinen Insignien der Macht und mit großem Getöse in die Hauptstadt des Landes einzieht. So waren es die Leute gewohnt.

So war es bisher immer gewesen. Etwas anderes war kaum vorstellbar. Und dann kommt dieser arme Schlucker. Auf einem Esel kommt er ärmlich daher geritten. Er gibt sich so ganz anders als man es von einem König erwartet. Und doch hat dieser ärmliche Mann die Welt gehörig verändert, ihr eine neue Richtung gegeben, hin zu Gott.

Genauso ist es für mich auch mit diesem Advent und Weihnachten. Sie kommen auch ganz anders daher als wir es erwartet und erhofft haben. Aber vielleicht sind wir damit viel näher dran an dem, was Weihnachten und Advent eigentlich sein soll: Zeit für das Wesentliche. 

Gott kommt auf ganz unerwartete Weise in diese Welt. Das dürfen, ja das müssen wir feiern, auch in diesem verrückten Jahr, das so ganz anders ist, als wir es gekannt und erwartet hatten. Lassen wir uns von ihm überraschen und erstaunen. Es bleibt alles anders. Aber die Freude über die Geburt des kleinen Kindes, das noch immer dieser Welt eine gute Richtung weist, die ist uns sicher.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – auch und gerade in dieser ungewöhnlichen Zeit – ein schönes, segensreiches Weihnachtsfest.

Ihr Michael Stache
Ständig Stellvertretender Superintendent
im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund

 

 

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