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Dortmund hat nun fünf Kulturkitas – sie leisten Beiträge für Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit

Daniela Schneckenburger überreichte die Auszeichnungen der fünf Einrichtungen. Fotos: Claus Stille

Fünf Dortmunder Kindertagesstätten unterschiedlicher Träger dürfen sich nun offiziell „Kulturkita“ nennen. Ein Jahr haben die FABIDO-Familienzentren Lange Straße und Lünener Straße, das Familienzentrum Bartoldus (Träger: Kath. Kitas östl. Ruhrgebiet), die Kita der DSW21 (Träger: AWO) und die FABIDO-Kita Hugo-Sickmann-Straße daraufhin gearbeitet. Die Kitas hatten sich einem Zertifizierungsverfahren durch das Kulturbüro gestellt. Alle Kriterien wurden erfüllt.

Die Zertifizierung zur Kulturkita gehört zum Gesamtkonzept „Kulturelle Bildung in Dortmund“

VertreterInnen des Familienzentrums Lange Straße nehmen die Auszeichnungen entgegen.

Daniela Schneckenburger, Stadträtin für Schule, Jugend und Familie, überreichte in der Bibliothek „Weitwinkel“ im Dortmunder U die Auszeichnungen der fünf Einrichtungen an zu Recht stolze Vertreterinnen.

Zu den Urkunden erhielten sie Plaketten, Sticker und jeweils eine Kamera, welche auch für Unterwasseraufnahmen geeignet ist. 

Die fünf ausgezeichneten Kitas haben an der Entwicklung des Teilkonzepts der Kulturkitas ebenso mitgearbeitet wie das Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg, das Erzieherinnen und Erzieher ausbildet. Die Zertifizierung zur Kulturkita gehört zum Kommunalen Gesamtkonzept „Kulturelle Bildung in Dortmund“.  

Ziel ist es, Kindertageseinrichtungen in ihrer kulturellen Bildungsarbeit zu stärken, Kooperationen mit kulturellen Lernorten zu fördern und verbindliche Strukturen zu schaffen. Das Konzept richtet sich an Kitas, die Interesse haben, ihre Arbeit im musisch-ästhetischen Bereich weiterzuentwickeln. 

Schneckenburger: Kulturkitas tragen zu Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit bei 

Daniela Schneckenburger mit VertreterInnen des Familienzentrums FABIDO Lünener Straße.

Stadträtin Schneckenburger hob hervor, dass es für Kinder sehr wichtig sei, sich selbst auszudrücken und dabei mit unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. Schon immer sei in den Kindertagesstätten viel gezeichnet und gemalt worden. Kreativität bei Kindern zu fördern sei von hoher Bedeutung. Ebenso, dafür zu sorgen, dass Kinder von den Kultureinrichtungen der Stadt profitieren. 

Was auch heiße, Kultureinrichtungen für Kinder zu öffnen. Aus Untersuchungen wisse man, dass es Kinder in der Stadt gebe, die sehr eingegrenzt in ihrem Stadtquartier lebten. Was insbesondere in der Nordstadt der Fall sei. Sie hätten „kaum die Chance, diese imaginäre Grenze der Bahnlinie zu überwinden“. Insofern hätten sie freilich auch wenig Zugang zu Kultureinrichtungen. 

Die Zusammenarbeit mit Musikschulen und Theatern, mit Museen, aber auch mit KünstlerInnen sei wichtig, damit die Kinder auch diese andere Welt, „die kulturelle Welt der Stadt Dortmund“, erfahren können. Damit Kinder die Chance hätten Neues zu entdecken. Weil diese Möglichkeiten der Entdeckung zunächst einmal nicht über die Welt der Eltern zu ihnen gelange. 

Martina Bracke: Aus den einzelnen Kulturkitas schlägt einem viel Motivation entgegen

Jörg Loose (AWO-Bereichsleiter Kinder, Jugend, Familie), Hans-Peter Palloks und Claudia Friedrichs (Leiter und stellv. Leiterin der AWO-Kita DSW21.

Gerade für Kitas sei es eine hervorragende Aufgabe, diese Lücke schließen zu helfen. Die Kulturkitas trügen damit bei zur Chancengleichheit und zur Chancengerechtigkeit und zur gleichberechtigten Teilhabe sowie dazu, wichtige Potentiale bei den Kindern entfalten zu helfen. 

Daniela Schneckenburger dankte daher allen MitarbeiterInnen der nunmehrigen Kulturkitas für das phantasievoll ins Werk gesetzte Engagement.

Martina Bracke, Referentin für Kulturelle Bildung im Kulturbüro, merkte ergänzend an: Wenn man diese einzelnen fünf Kitas betrete, beeindrucke einen, „wie viel Motivation einem da echt entgegenschlägt“. 

Bei jedem Besuch könne man wieder etwas Neues entdecken, was sich zusätzlich entwickelt hätte. Bracke wies darauf hin, dass es in puncto Kulturkitas in drei Jahren ein Re-Zertifzierung geben werde – heißt, es wird überprüft, ob die dafür geltenden Bedingungen noch entsprochen wird.

VertreterInnen der ausgezeichneten Kulturkitas berichteten über die gemachten Erfahrungen

Die einzelnen VertreterInnen der mit dem Titel „Kulturkita“ ausgezeichneten Einrichtungen berichten von ihrer Arbeit und den dabei im Laufe eines Jahres  gemachten Erfahrungen. Der Leiter der AWO-Kita DSW21, Hans-Peter Palloks, strich den Austausch mit den anderen Kitas als die eigene Arbeit befruchtend heraus. Dieser habe noch einmal „zu einem neuen Schub geführt“. 

Eine Vertreterin der Kita des Familienzentrums Lünener Straße in der Nordstadt arbeitet schon länger mit ganz vielen KünstlerInnen zusammen. So werde, sagte sie, einfach der Kita-Alltag „bunter mitgestaltet“. So gelänge es auch Sprachbarrieren zu überwinden. Über die Zertifizierung freue man sich. Neue Ideen stünden bereits auf der Agenda.

Das KinderKunstHaus Hugolino (FABIDO) in der Hugo-Sickmann-Straße konnte mit einer kleinen Anekdote aufwarten: Einmal hätte ein Junge zu ihnen gesagt: „Boah, ich werd‘ heut‘ kein Künstler mehr.“ Ihm fehlten einfach bestimmte Materialien, Holz und Lacke etwa – denn er wollte ein großes Schiff bauen. Dadurch sei man zusammen mit Kindern und den Eltern darauf gekommen, was man brauche: Bestimmte Farben und Materialien. Und Menschen, die sie mitnähmen. 

Ein Konzept wurde zusammen mit den Kindern erarbeitet und einen in Hombruch ansässigen Künstler habe man ebenfalls aufgetan. Der sei sehr begeistert gewesen. Seit 25 Jahren habe der bereits gewartet, dass sich mal jemand diesbezüglich bei ihm meldet. Ganze tolle Projekte seien dann aufgezogen worden. Die Vertreterin zitierte Pablo Picasso: „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“

Anstrengungen wurden als bereichernd und kulturelle Bildung als ungemein wichtig bewertet

Daniala Schneckenburger überreicht Barbara Lindemann vom Forum Bartoldus das Kulturkita-Zertifikat.

Kürzlich habe man „Peter und der Wolf“ aufgeführt. Und gestaunt darüber, was die Kinder da geschaffen haben. Nicht nur die Requisiten hätten die selber gebaut, sondern gar das Stück umgeschrieben. Sie hätten mit dieser Inszenierung aus dem Herzen gesprochen und die Eltern am Ende der Aufführung vor Rührung geweint.

Auch die anwesenden Verantwortlichen von der Einrichtung Lange Straße empfanden die Anstrengungen, Kulturkita zu werden, als bereichernd und kulturelle Bildung für ungemein wichtig. Die nun erhaltene Plakette werde das in ihrer Einrichtung auch den Eltern gegenüber gebührend herausstellen und würdigen, sowie die Mitarbeiterinnen motivieren.

Barbara Lindemann vom katholischen Familienzentrum Bartoldus aus dem Unionviertel, dem Kreativ-Quartier, sagte, sie hätten schon länger in Sachen Kreativität, ästhetische und kulturelle Bildung auf der Basis des Ansatzes „Das Kind hat hundert Sprachen, 99 davon werden ihm geraubt“ (Reggio-Pädagogik) gearbeitet. Lindemann lobte die Vernetzung und Kooperation zwischen den Kulturkitas, da darüber neue Impulse ausgelöst würden.

Neue Kitas können sich noch bis zum 14. Juli 2019 um das Zertifikat „Kulturkita“ für das nächste Jahr bewerben

Martina Bracke informierte abschließend vor der Übergabe der Zertifikate, Plaketten und Anstecker an die Vertreter der Kulturkitas  darüber, dass sich noch bis zum 14. Juli 2019 neue Kindertagesstätten für das nächste Jahr um das Zertifikat „Kulturkita“ bewerben können.

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