Nordstadtblogger

Die (Nord-) Stadt stellt sich Neonazis entgegen

1.Mai-Demo des DGB für soziale Gerechtigkeit und gegen Rechtsextremismus in Dortmund. Foto: Alex Völkel

Zuletzt setzte die Stadtgesellschaft am 1.Mai ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Foto: Alex Völkel

Farbenfroh, laut und friedlich – so soll Protest gegen Neonazis sein: Vor dem Kultur- und Veranstaltungszentrum „Langer August“ in der Braunschweiger Straße zeigten Nordstadt-Bewohner, Antifaschisten und Kulturtreibende den sechs (!) Teilnehmern der Wahlkampf-Kundgebung von „pro Deutschland“ die Rote Karte.

Farbenfroher Protest gegen braunen Wahlkampf-Spuk in der Nordstadt

Langer August - Protest gegen pro Deutschland

Langer August – Protest gegen pro Deutschland

Pro Deutschland wollte in der Nordstadt gegen Zuwanderung und Islamisierung hetzen – die Nordstadtblogger berichteten bereits. Allerdings bauten sie ihre Plakatständer gar nicht erst auf. Sie lieferten sich stattdessen einen akustischen Kleinkrieg mit den Demonstranten auf der Gegenseite. Sie waren um ein vielfaches zahlreicher, lauter und kreativer in ihrem Protest. Denn gerade die Nutzerinnen und Nutzer des Zentrums nicht unbeantwortet lassen:  Denn zu den Nutzern und Mietern gehört unter anderem die VVN und das Kommunikationscentrum Ruhr (KCR) – das älteste Schwulenzentrum Deutschlands. Sie setzten auch optisch am Haus Zeichen gegen Rechtsextremismus, Hetze und Homophobie.

Aber auch Kommunalpolitiker wie Nordstadt-Bezirksbürgermeister Siegfried Böcker (SPD), fanden klare Worte gegen den „Wahlkampf-Zirkus“ von „pro Deutschland“. „Es kann doch nicht sein, dass dass die hierherkommen und hetzen“, so Böcker. „Ich danke daher den Anwohnerinnen und Anwohnern, dass sie sich zur Wehr setzen und pro Deutschland nicht zum Zug kommen lassen.“ Allerdings genossen auch diese die Aktion: Ihr Ziel war schließlich Provokation und Aufmerksamkeit. Dies ist ihnen gelungen. Nach weniger als zwei Stunden war der braune Spuk vorbei. Nur die nicht nur sprichwörtlich braune Scheiße blieb. Die Polizeipferde hatten die Braunschweiger Straße großflächig zugekotet. Ein Ärgernis für die einen, ein politisches Statement für die anderen…

Allerdings ist das nur ein Vorgeschmack auf das, was sich die ganze Woche und vor allem am Samstag in Dortmund tut.

Rund 450 Neonazis kamen am 1. Mai nach Dortmund. Foto: Alex Völkel

Rund 450 Neonazis kamen am 1. Mai nach Dortmund. Foto: Alex Völkel

Neonazi-Aufmarsch am Samstag

Am Samstag findet der nächste Aufmarsch der Neonazis statt, zu der die Partei „Die Rechte“ angemeldet hat. Es ist die „Nachfolgeveranstaltung“ zum braunen „Antikriegstag“. Im vergangenen Jahr war dieser erfolgreich verboten worden. Zuvor war der „Nationale Wiederstand Dortmund“ (NWDO) verboten worden. Ihre führende Köpfe werden am Samstag  – unterstützt von „Freien Nationalisten“ demonstrieren. „Ihr Motto: Gegen Organisationsverbote – Für Meinungsfreiheit“. Nach bisherigen Informationen wird die Demo im Gerichtsviertel beginnen und am Südbad enden. Die genauen Details – ebenso wie die Details zu den zahlreichen Gegendemos und Veranstaltungen – wird die Polizei am Freitag mitteilen (Bericht dazu ist unten verlinkt). Hintergründe zur Rechten Szene und ihren Aktivitäten in Dortmund gibt es auf „Blick nach Rechts“ (alle Links am Ende des Artikels)

Fünftägiges Friedensfest des DGB

Dagegen hat sich, wie in den Vorjahren, viel Protest organisiert.  „Wir kritisieren, dass Neonazis immer wieder den Antikriegstag, den 1. September,  für ihre verlogene und verbrecherische braune Ideologie instrumentalisieren“, kritisiert Willi Hoffmeister. Er gehört zu den Organisatoren des Friedens-Festivals des DGB auf der Katharinenstraße (gegenüber dem Hauptbahnhof Dortmund) sschons eit Montag einladen. Noch bis Freitag gibt es hier täglich von 17 bis 20 Uhr Programm, Diskussionen, Gespräche und Kultur. Am Montag bestritt der DGB das Programm, am Dienstag die IG Metall, Mittwoch die NGG und Donnerstag ver-di. Freitag ist der Tag der Initiativen: So planen das Bündnis Dortmund gegen Rechts und das Dortmunder Friedensforum mit Unterstützung von IPPNW DO, Christinnen und Christen für den Frieden, DFG-VK NRW und VVN-BdA DO das umfangreiche Programm – ihr Motto: Motto: „Nie wieder Faschismus! Nein zum Krieg!“. Um 18 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion.

Blockadetraining von „Dortmund stellt sich quer“

Am Donnerstag lädt das Bündnis „Dortmund stellt sich quer“ um 18 Uhr auf die Wiese gegenüber dem Hauptbahnhof (City-Ausgang) ein. Alle Interessierten sind dort zu einem öffentlichen Blockade-Training ein. Sie wollen zeigen, wie man sich geqltfrei und erfolgreich den Neonazis in den Weg stellen kann.

Am Samstag zahlreiche Aktionen von und für „Dortmund nazifrei“

1.Mai-Demo des DGB für soziale Gerechtigkeit und gegen Rechtsextremismus in Dortmund. Foto: Alex Völkel1.Mai-Demo des DGB für soziale Gerechtigkeit und gegen Rechtsextremismus in Dortmund. Foto: Alex Völkel

Alle gesellschaftlichen Gruppen sind zum Protest aufgerufen. Foto: Alex Völkel

„Dortmund wird sich am kommenden Samstag – und wenn notwendig eine Woche später noch einmal – den von den Nazis angemeldeten Umzügen kraftvoll entgegen stellen. Die breite demokratische Protestbewegung wartet derzeit darauf, dass die Routen der rechtsextremen Aufzüge bekannt gegeben werden, um auch die eigenen Planungen abschließen zu können“. betont Oberbürgermeister Ullrich Sierau. „Aber wo auch immer – wir werden die Nazis stellen und ihnen zeigen, dass der menschenverachtende Rechtsextremismus in unserer Stadt nichts zu suchen hat. Stadt und Bürgerschaft müssen immer wieder von neuem zeigen: Dortmund ist eine Stadt der Vielfalt, Toleranz und Demokratie.“

Sierau gehört zu den Erstunterzeichnern des diesjährigen Aufrufs des Bündnisses ‚Dortmund nazifrei’. Darin heißt es unter anderem: „Als Demokratinnen und Demokraten sehen wir uns in der Pflicht, diesen Aufmarsch (der Partei ‚Die Rechte’) entschlossen zu verhindern und den Nazi-Horden den Weg friedlich zu blockieren. Dabei verzichten wir ausdrücklich auf gewaltsame Aktionen jeder Art gegen Menschen und Sachen. Wir wollen friedlich für Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt eintreten und verhindern, dass Nazis ihren Rassismus und ihre menschenverachtende Ideologie auf unseren Straßen artikulieren können.“ Dem Bündnis gehören zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, aus der Wirtschaft, der Kultur, Gewerkschaften, Kirchen und Sozialverbänden an.

Friedlicher Protest aus der Mitte der Gesellschaft

Ebenso ruft der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechts dazu auf, friedliche Demonstrationen gegen den rechten Aufmarsch am kommenden Samstag zu unterstützen: „Dortmund ist unsere Stadt. Es ist die Stadt der hier lebenden Zivilgesellschaft und ihrer Institutionen. Dortmund ist, trotz immer wiederholter Parolen, nicht die Stadt von Nazis und anderen Ewiggestrigen. Deshalb rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger auf, … den Feinden unserer freiheitlichen, demokratischen Ordnung deutlich und in großer Zahl zu zeigen, dass wir sie und ihre unmenschlichen Parolen, dass wir Hass und Gewalt in unserer Stadt nicht dulden.“ Dem Arbeitskreis gehören Gewerkschaften, Parteien und Jugendverbände, Bildungseinrichtungen, Sozialverbände und Kirchen an.

Zum vierten Mal Friedensfest auf dem Dorstfelder Wilhelmplatz

Muted Noise

Die Dortmunder Band Muted Noise spielt auf dem Friedensfest auf dem Dorstfelder Wilhelmplatz.

Unter dem Motto „Für Dortmund. Gegen Nazis.“ findet am Samstag, 31. August, zum vierten Mal in Folge das große Friedensfest auf dem Dorstfelder Wilhelmplatz statt. Die Stadt Dortmund setzt damit bewusst einen starken Schlusspunkt hinter die zahlreichen Protestaktionen des Tages. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen. Rechtsextreme allerdings haben keinen Zutritt. Das regelt eine „Hausordnung“.

Gegen 19 Uhr eröffnen Oberbürgermeister Ullrich Sierau und weitere Gäste in einer Talkrunde das Friedensfest offiziell. Durch das Programm führt Klaus Lenser, der seit Jahren auch die Gedenkfeier an der Bittermark moderiert.

Bis etwa 22.30 Uhr gibt es Musik unterschiedlicher Stilrichtungen.  Muted Noise (ca. 17.30 Uhr), der Jugendkonzertchor der Chorakademie (ca. 18.10 Uhr), das Duo Soleil Levant (ca. 18.30 Uhr), die Gruppen Le Bonbolong (ca. 19.35 Uhr) und Double Crush Syndrome (ca. 21 Uhr) versprechen ein abwechselungsreiches Programm.

Konzert der ‚Dortmunder Musiker gegen Rechts’

Ein besonderer Leckerbissen ist der Auftritt der ‚Dortmunder Musiker gegen Rechts’ kurz nach 20 Uhr. Viele bekannte und unbekannte Bands, Sänger und Musiker engagieren sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Gemeinsam zeigen sie, dass Rassismus und rechtsextremen Ideologien kein Raum gegeben werden darf.
Bei dem Projekt wirkten in den letzten beiden Jahren rund 30 Künstler mit und es werden immer mehr. Sie alle wollen ein Zeichen für mehr Toleranz und Demokratie setzen und mit ihrem Engagement zum Nachdenken anregen.

 

Mehr Informationen zum Aufmarsch der Neonazis gibt es auf der Internetseite „Blick nach Rechts“:

http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/braune-aktionswoche-in-dortmund

http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/nachfolgeveranstaltung-zum-braunen-antikriegstag

Friedens-Festival Flyer

 DETAILS ZUM DEMOGESCHEHEN

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