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Die Dachbegrünung soll in Dortmund als Klimaschutz Normalität bei Neubauten und Dacherneuerungen werden

Auf vielen gewerblichen Neubauten in Dortmund ist eine Dachbegrünung schon berücksichtigt.

Von Gerd Wüsthoff

Eine Dachbegrünung nützt dem Mikroklima in der Stadt, zum Beispiel gegen hohe Temperaturen, am Tag und in der Nacht, und verhindert auch bei zunehmenden Starkregenfällen die Überforderung der städtischen Kanalisation. Am 16. November 2017 beschloss der Rat der Stadt Dortmund, sich der rasanten Klimaveränderung mit einem richtungsweisenden Beschluss zu stellen.

Eine Dachbegrünung für jedes Haus bis 15° Dachneigung ist Klimaanpassung und Klimaschutz

Der Rat hat beschlossen, die Bauverordnung für Flachdachbauten so zu verändern, dass zukünftig eine Dachbegrünung bis 15° Flachdachneigung zwingend vorzunehmen ist. Der Ratsbeschluss für Dachbegrünung ist nicht nur für Neubauten gedacht, sondern richtet sich auch gezielt an Neubedachungen für Altbauten.

Interessenten erhalten im dlze (Dienstleiszungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz) in der Berswordthalle an der Kleppingstaße (Zugang auch über den Friedensplatz) umfassende Auskunft. Eine Dachbegrünung für steilere Dächer, als 15°, ist technisch möglich. So können mit entsprechender rutschsicherer Unterkonstruktion Dächer bis 45° extensiv begrünt werden.

Um nicht nur dem Pariser Klimaschutzabkommen gerecht zu werden, aus dem die USA unverständlicher Weise ausgestiegen sind, sondern auch um das Kleinklima der Stadt nachhaltig positiv zu verbessern, sind Dachbegrünungen ein sinnvolles Hilfsmittel. Begrünte Flächen verhindern die übermäßige Aufheizung eines Hauses. Ein unbegrüntes Dach hingegen strahlt seine aufgenommene Wärme an die umgebenden Häuser oder die Luft wieder ab.

Dachbegrünung soll bei Neubauten und anderen Baumaßnahmen verpflichtend werden

Ludger Wilde, Katharina Kavermann, Ralf Poppensieker, Joachim Müller und Michael Leischer stellten die Begrünungsinitiative vor. Fotos (2): Wüsthoff

Dadurch heizt sich das städtische Kleinklima im schlimmsten Fall soweit auf, dass es einen singulären Starkregenvorfall nur über der Stadt auslösen kann. Ein Beispiel hierfür ist Tokio, wo auf Grund der Aufheizung sich immer wieder Starkregenfälle alleine über der Stadt entwickeln. „Eine extensive Dachbegrünung soll bei Neubauten und genehmigungspflichtigen Baumaßmahmen verpflichtend werden“, sagt Ludger Wilde, Dezernent für Umwelt, Planen und Wohnen.

Starkregenvorfälle überfordern aber die Kanalisation. Die Kommunen können nicht schnell genug Abwasserrohre verbauen, welche diese Regenmengen abführen können. Dies war im letzten Starkregenvorfall vor nicht allzu langer Zeit zu beobachten, als Wasserfontänen aus der Kanalisation emporschossen, Straßen bis zu 50 Zentimeter geflutet und für BürgerInnen gefährlich wurden.

Obgleich dieser Starkregen großflächig auftrat, zeigt er doch das Problem signifikant an. Rohre mit immer größerem Querschnitt können nicht die Lösung sein – sie belasten nicht nur den Stadthaushalt, sondern sind in der Bauphase ein Verkehrshindernis und Lärm- und Staubbelästigung. Und wie groß sollen die Durchmesser am Ende werden, um die zu erwartenden Wassermassen abzuführen?

Dachbegrünung verhindert Überhitzung im Sommer und das Auskühlen im Winter

„Begrünte Dachflächen verbessern zum Einen durch ihre geringere Wärme-Abstrahlung das Mikroklima im Bebauungsgebiet – es wird eindeutig kühler dadurch im Sommer“,  sagt Michael Leischner, Abteilungsleiter Klima, Luft und Lärm, und führt weiter aus: „Eine Dachbegrünung absorbiert Regenwasser, welches dann auch langsamer, weniger die Kanalisation belastend, abfließt. Durch die Verdunstung wird zudem bei Sonneneinstrahlung die Luft gekühlt.“

Durch eine solche natürliche Klimaanlage wird nicht nur weniger Energie für eventuell vorhandene Haus-Klimaanlagen oder Ventilatoren benötigt (Energie- und Kosteneinsparung), sondern auch die Wärme in Büros und Wohnungen im Sommer gesenkt.

„Ein weiterer positiver Effekt ist, dass im Winter ein begrüntes Dach das Haus weniger auskühlen lässt, wodurch wieder weniger Heizkosten entstehen, inklusive des positiven Nebeneffektes von weniger Emissionen und Rohstoffverbrauch“, führt Joachim Müller, Energieberater im dlze, Umweltamt, aus.

Aktiver Klimaschutz, Wärmedämmung, geringere Kosten und Wohnwertsteigerung bei Altbauten

Die Dachbegrünung wie hier vor dem Umweltamt Dortmund, in den Obergeschossen des Orchesterzentrum in der Brückstraße, reduziert die Hitzeabstrahlung auf die umliegenden Gebäude massiv.

Durch die neue Dachbegrünungsverordnung der Stadt Dortmund sollen auch Eigentümer von Altbauten angesprochen werden, welche eine Neubedachung vornehmen müssen oder wollen. Ihnen bietet die Stadt eine ab 50 Prozent geringere Abwassergebühr an, wenn das Dach begrünt wird.

Im dlze erhalten interessierte AltbaubesitzerInnen und potentielle Bauherren, welche einen Neubau mit Flachdach planen, ebenfalls Auskunft über die möglichen Fördermittel, welche für die Dachbegrünung in Anspruch genommen werden können.

Dachbegrünungen haben nicht nur einen klimatechnischen Effekt, der am Tag Temperaturen senken hilft, Energieeinspareffekte hat, sondern es werden ebenfalls Arbeits- und Wohnbedingungen verbessert. Dachbegrünungen helfen auch gegen tropische Nächte mit 20 Grad Celsius und mehr, welche sich schlafraubend und ermattend für den nächsten Arbeitstag auswirken.

Mit der Dachbegrünung senkten sich die Temperaturen signifikant

Michael Leischner führte am Beispiel der Dachbegrünung des Umweltamtes, im Gebäude des Orchesterzentrum Dortmund vor, welche positiven Auswirkung die nachträgliche Dachbegrünung hat. Diese nachträgliche Begrünung fand auf Betreiben der Angestellten und in Absprache mit dem Eigentümer statt. Ohne Dachbegrünung maßen die Techniker des Hauses eine Temperatur von 50 Grad Celsius, welche auf die umliegenden Gebäudeteile ausstrahlte.

Mit der Dachbegrünung senkten sich die Temperaturen signifikant und wirkten sich positiv auf das Arbeitsklima insoweit aus, dass die Aufheizung bei direkter Sonneneinstrahlung und allgemein hoher Außentemperatur im erträglichen Rahmen bleibt.

Kontakt zum Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz „dlze“:

  • Standort: Berswordt Halle / Stadthaus, Eingang Kleppingstaße 37, 44135 Dortmund
  • e-mail: dlze@stadtdo.de
  • web-Adresse: www.dlze.dortmund.de
  • Telefon: (0231) 50-2 52 81
  • Öffnungszeiten:
    Dienstag: 9 -12 Uhr, 14 – 16 Uhr
    Mittwoch: 9 -12 Uhr, 14 – 16 Uhr
    Donnerstag: 14 – 18 Uhr
    und nach Terminvereinbarung

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