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Der ISB setzt ein Zeichen gegen prekäre Beschäftigung und entfristet 37 SchulsozialarbeiterInnen in Dortmund

Tania Heidbreder (v.l.) und und Bettina Langenau (v.r.) präsentieren die Anstellungsverträge. Foto: Stephan Schuetze

Tania Heidbreder (v.l.) und und Bettina Langenau (v.r.) präsentieren die Anstellungsverträge. Foto: Stephan Schuetze

Es ist ein starkes Zeichen an die Beschäftigten, aber noch ein Schritt auf eigenes Risiko: Die Interessengemeinschaft der Dortmunder Beschäftigungsträger e.V. (ISB) hat die Arbeitsverträge ihrer aktuell 37 SchulsozialarbeiterInnen entfristet. Andere TrägerInnen – darunter unter anderem Diakonie, Caritas und die AWO-Tochter Dobeq, diskutieren diesen Schritt. Das Problem: Außer der Zusage des Landes, dass es weitergehen soll und die Städte weiter Geld bekommen, gibt es für die Träger noch nichts schriftlich.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat eine Finanzierung bis 2021 in Aussicht gestellt

Nachdem der Bund die Finanzierung 2014 eingestellt hatte, sprang das Land zu Zeiten der rot-grünen Vorgängerregierung ein: mit je 47,7 Millionen Euro in den Jahren 2015 bis 2018.

Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann will sich nun in Berlin dafür starkmachen, dass der Bund die Finanzierung ab 2019 wieder übernimmt. Vorsorglich hat das Land jedoch schon für 2019 und 2020 eine Verpflichtungsermächtigung über jeweils 47,7 Millionen Euro vorgesehen. In der mittelfristigen Finanzplanung sind zudem Mittel in der selben Höhe für 2021 eingeplant.

Vom Erhalt der Finanzierung soll auch die Stadt Dortmund weiterhin profitieren: Bisher wurden Landesmittel aus dem Programm „Soziale Arbeit an Schulen“ rund 2,66 Millionen Euro pro Jahr bewilligt.Zurzeit sind 188 SchulsozialarbeiterInnen an 87 Dortmunder Schulen beschäftigt. Die Finanzierung wird bei 39 SozialarbeiterInnen vom Land NRW sichergestellt, 50 werden von der Stadt Dortmund finanziert.

Kommunalpolitik ist mit der Neuauflage noch nicht befasst – ISB entfristet trotzdem

Andreas Koch (Grünbau)

Andreas Koch ist Geschäftsführer von Grünbau und Vorstand des ISB. Foto: Alex Völkel

In Dortmund ist die Kommunalpolitik noch nicht mit der Neuauflage befasst. „Bislang haben das Land NRW und die Stadt Dortmund die Gelder zur Verfügung gestellt. Wir setzen darauf, dass diese wichtige Arbeit auch weiterhin einen Finanzierungsrahmen finden wird“, sagt ISB-Vorstand Andreas Koch. Der ISB e.V. ist der größte Anstellungsträger für Schulsozialarbeit in Dortmund.

Seit Jahren kämpfen die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen um ihre bis dato stets befristeten Arbeitsverträge. Dies hat nun ein Ende! Schulsozialarbeit bedeutet intensive Beziehungsarbeit; mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen ist dies kaum zu leisten.

„Die Probleme an Schulen nehmen stetig zu. Unsere Schulsozialarbeiterinnen und  Schulsozialarbeiter haben in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Wir gehen nun in die Verantwortung und bieten unseren 37 Schulsozialarbeiterinnen und –arbeitern, eine sichere Perspektive“ betont Bettina Langenau, die die ISBGeschäftsstelle leitet.

Kleine Feierstunde für die nun entfristeten SozialarbeiterInnen des ISB

In einem feierlichen Rahmen wurden alle Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter zur Unterzeichnung der unbefristeten Arbeitsverträge an einen Tisch geholt. Nach der offiziellen Unterzeichnung der Verträge gab es eine kleine interne Feier „Als Dankeschön an unsere Kolleginnen und Kollegen der Schulsozialarbeit, die trotz prekärer Arbeitsverträge unermüdlich ihre Arbeit an Schulen geleistet haben“ so Langenau.

HINTERGRUND: Der ISB in Dortmund

  • Die Interessengemeinschaft Sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen (ISB e.V.) wurde 1991 als Zusammenschluss lokaler Qualifizierungs- und Beschäftigungsträger gegründet. Seit 2002 arbeitet die Trägerkooperation als eingetragener Verein in und für Dortmund.
  • Sein Ziel ist die Förderung, Qualifizierung und Beschäftigung von Menschen mit schwierigen Zugangsvoraussetzungen zum Arbeitsmarkt aber auch Hilfen für Jugendliche im Übergang Schule-Beruf sowie im Bereich der Jugendhilfe (z.B. im Themenbereich Schulabsentismus).
  • Hier bündelt der Verein seine fachliche Kompetenz als Interessengemeinschaft für 19 soziale Trägerorganisationen in Dortmund.

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2 Gedanken über “Der ISB setzt ein Zeichen gegen prekäre Beschäftigung und entfristet 37 SchulsozialarbeiterInnen in Dortmund

  1. Grünen-Fraktion

    Schulsozialarbeit – GRÜNE begrüßen teilweise Entfristung der Stellen und fordern weitere Schritte

    Die GRÜNEN im Rat begrüßen, dass die Interessengemeinschaft Sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen (ISB) inzwischen 37 von 81 Schulsozialarbeiter*innen-Stellen entfristet hat.

    Saziye Altundal-Köse, Ratsmitglied der GRÜNEN und Vorsitzende des Schulausschusses:
    „Das ist eine gute Nachricht – für die Stelleinhaber*innen, für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Schulen. Der ISB hat damit den ersten, richtigen und mutigen Schritt gemacht. Es braucht aber noch weitere Schritte. Wir setzen uns dafür ein, dass alle 81 Stellen entfristet werden. Dazu braucht es endlich auch ein politisches Signal. Wir sehen hier vor allem das Land und den Bund in der Pflicht. Solange das nicht passiert. muss die Stadt klar stellen, dass sie den kommunalen Anteil der Finanzierung der Stellen auch weiterhin übernimmt. Das gibt die Sicherheit für eine Entfristung weiterer Stellen.“

    Der ISB ist mit der Durchführung der Schulsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabegesetzes an den Dortmunder Schulen beauftragt worden. Die Finanzierung der 81 Stellen der Schulsozialarbeit war in den letzten Jahren zum Teil vom Land übernommen worden. Die Stadt muss in jedem Jahr zusätzlich 1,9 Millionen Euro Gelder dafür bereitstellen.

    Die Verwaltung hatte im letzten Schulausschuss auf Anfrage der GRÜNEN klargestellt, dass die ständige Befristung der Stellen dazu geführt hat, dass einige der bisherigen Sozialarbeiter*innen inzwischen ihre Stellen verlassen, weil ihnen eine langfristige Perspektive fehlt. Gleichzeitig ist es zunehmend schwieriger, die Stellen neu zu besetzen. Dies führt laut Verwaltung zu negativen Folgewirkungen, wie z. B. der Destabilisierung der seit Jahren guten Netzwerkstrukturen in der Dortmunder Bildungslandschaft und zu Beziehungsabbrüchen zu Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und deren Familien.

    Saziye Altundal-Köse: „Dabei ist allen klar, dass die Stellen der Schulsozialarbeit auf Dauer notwendig sind. Bund und Land hätten längst mit einer dauerhaften und ausreichenden Finanzierung die Entfristung aller 81 Stellen sicherstellen müssen. Die Teilfinanzierung des Landes reicht nicht und ist erneut befristet. Die Landesregierung fällt damit hinter ihre Versprechen vor der Wahl zurück. Gleichzeitig waren wir sehr erstaunt, dass SPD und CDU unseren Antrag zum Haushalt 2018 abgelehnt haben, den notwendigen städtischen Teil der Finanzierung in die Finanzplanung zu übernehmen. Zumindest das muss nun schnellstens passieren. Die Stadt muss klar sagen: Die Stellen müssen und werden dauerhaft bleiben.“

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