Bilder zeigen das letzte halbe Jahr vor dem Abriss der Westfalenhütte

Das war einmal: Sonderausstellung im Hoeschmuseum zeigt Fotos der Stahlproduktion

 Ralf Neuhaus durfte und darf als Mitarbeiter der Firma Thyssenkrupp Steel, einst Hoesch, auf dem Werksgelände Fotografieren. Das linke Foto zeigt eine glühende Bramme, das rechte das Walzgerüst der Warmbreitbandstraße.
Ralf Neuhaus durfte und darf als Mitarbeiter der Firma Thyssenkrupp Steel, einst Hoesch, auf dem Werksgelände fotografieren. Das linke Foto zeigt eine glühende Bramme, das rechte das Walzgerüst der Warmbreitbandstraße. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Von Susanne Schulte

In Zeiten wie diesen müssen sich Museumsleiter:innen und ihre Teams einiges einfallen lassen, um die Gäste in ihre Hallen zu bekommen. Im Hoeschmuseum an der Eberhardstraße 12 hatten und haben sie immer gute Ideen. Am Sonntag (6. Februar 2022) eröffnet Leiterin Isolde Parussel mit Dr. Karl Lauschke, dem Vorsitzenden des Fördervereins, die Fotoausstellung „20 Jahre danach“. Die Bilder, die gezeigt werden, hat der Fotograf Ralf Neuhaus auf der Westfalenhütte gemacht, bevor die Flüssig- und Warmstahlproduktion im Frühjahr 2001 stillstand und chinesische Arbeiter 2002 die Anlagen abbauten, um sie später in ihrem Heimatland wieder aufzubauen.

Der Fotograf arbeitet seit fast 30 Jahren auf der Westfalenhütte

Diese Aufschrift hing bis letztes Jahr in einer der großen, leeren Hallen parallel zur Bahnstrecke. Das Gelände wurde geräumt. Dort sollen Wohnhäuser gebaut werden.
Diese Aufschrift hing bis letztes Jahr in einer der großen, leeren Hallen parallel zur Bahnstrecke. Das Gelände wurde geräumt. Dort sollen Wohnhäuser gebaut werden. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Hochofenabstiche und glühende Brammen auf der Warmbreitbandstraße sind auf den Fotos genauso zu sehen wie die Produktion des letzten Coils. So hat die Ausstellung auch den Untertitel „Zum Ende der Flüssigphase der Westfalenhütte“.

Neuhaus ist Maschinenbauingenieur, arbeitet seit fast 30 Jahren auf der Westfalenhütte, heute bei Thyssenkrupp Steel Europe, damals bei Hoesch. In seinem Arbeitsvertrag stehe noch die Hoesch  AG als Arbeitgeberin, sagt er. So bekam er auch die Erlaubnis des Vorstands, auf dem Werksgelände zu fotografieren.

Andere Bilder vom ihm wurden bereits in den Ausstellung „Missing Steel“ und „StahlBeton“ ebenfalls in den Räumen an der Eberhardstraße gezeigt. Er fotografierte den Betrieb im letzten halben Jahr vor dem Abbau der Anlagen analog, digitalisierte die Bilder später – ohne sie zu bearbeiten -, und präsentiert sie jetzt auf Stahlblech an den Wänden des Museums.

Auch die Sprengung der Sinteranlage ist in einer Bilderserie zu sehen

 Fotograf Ralf Neuhaus sitzt unter dem Foto „Hochofen 4 - Brennen der Ofensau“ und wünscht sich wie Isolde Parussel und Dr. Karl Lauschke, dass viele Besucher:innen sich die Ausstellung angucken.
Fotograf Ralf Neuhaus sitzt unter dem Foto „Hochofen 4 – Brennen der Ofensau“ und wünscht sich wie Isolde Parussel und Dr. Karl Lauschke, dass viele Besucher:innen sich die Ausstellung angucken. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Beim Pressetermin betonte Karl Lauschke, dass das Museum durch Ausstellungen lebe, die neben der Dauerausstellung immer einen Besuch wert seien, so die Erfahrungen der vergangenen 16 Jahre seit der Eröffnung. Die Fotos hätten schon im letzten Jahr aufgehängt werden sollen, so Isolde Parussel, aber die Schutzvorschriften zur Pandemie hätten das verhindert.

So sind es eben 21 Jahre danach, und nicht, wie der Titel sagt, 20 Jahre. Doch da der Abriss auf dem Gelände noch weitere Jahre gedauert hätte käme es darauf ja auch nicht so an. Ralf Neuhaus hat zudem auch Fotos von der Sprengung der Sinteranlage aus 2003 und des Kohlenturms der Kokerei Kaiserstuhl aus 2014 aufgehängt. Insgesamt wählte er 43 aus seinem umfangreichen Archiv von mehreren 1000 Bildern aus.

Besucher:innen müssen in diesen Zeiten auf Führungen verzichten

Im Hoeschmuseum an der Eberhardstraße wird die Ausstellung am Sonntag, 6. Februar, eröffnet - ohne Reden, aber mit vielen Überraschungen.
Im Hoeschmuseum an der Eberhardstraße wird die Ausstellung am Sonntag, 6. Februar, eröffnet – ohne Reden, aber mit vielen Überraschungen. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Am Sonntag, 6. Februar, ist nun die Eröffnung. Ab 10 Uhr dürfen die Gäste kommen. Da nicht mehr als 35 Personen zur selben Zeit im Haus sein dürfen, kann es passieren, dass Besucher:innen draußen warten müssen. Die Ehrenamtlichen des Fördervereins schenken Heißgetränke aus, die rund ums Streikfeuer getrunken werden können.

In den Räumen lässt der Musiker und Geräuschesammler Richard Ortmann Tonbeiträge hören und der Autor Thorsten Trelenberg liest seine Texte vor. Wer möchte, kommt mit dem Fotografen Ralf Neuhaus ins Gespräch. Es gelten die 2G-Regeln. Alle Gäste müssen eine FFP2-Maske tragen. Der Eintritt ist kostenlos.

Die Öffnungszeiten des Museums sind sonntags von 10 bis 17 Uhr, dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr und am Donnerstag 9 bis 17 Uhr. Bis zum 27. März kann die Ausstellung besichtigt werden. Isolde Parussel ist zuversichtlich, dass die Besucher:innen kommen. Auch wenn Führungen zurzeit nicht angeboten werden, so sagt sie, kämen an den Öffnungstagen doch immer wieder Einzelpersonen, die sich Dauer- und Sonderausstellungen ansehen würden.

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