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Das Jugendprojekt „Pottfiction“ geht in die sechste Runde: „Marmeladenglasmomente – Eine utopische Reise ins Innere“

Theater-Performance im öffentlichen Raum im Rahmen von „Pottfiction“ am Kinder- und Jugend. Foto: Theater DO

Von Ole Corneliussen

Das Jugendprojekt „Pottfiction“ geht ins sechste Jahr und hat sich Utopien und Dystopien als zentrales Thema ausgesucht. Die zehn TeilnehmerInnen am Dortmunder Kinder- und Jugendtheater (KJT) wollen daraus eine Theater-Performance im öffentlichen Raum machen. Unter dem klangvollen Titel „Marmeladenglasmomente – Eine utopische Reise ins Innere“ nehmen die jungen Künstler aktuelle Vorstellungen von der Welt ins Visier und fragen unter anderem danach, wieviel Angst vor Rassismus, Krieg und Klimakatastrophe ein Menschenleben vertragen kann.

 „Pottfiction“ bringt eine bunte Truppe aus Azubis, Studenten und Schülern zusammen

SchauspielerInnen des KJT-Jugendclubs in Hörde.

Sechs freie und städtische Theater aus dem Ruhrgebiet haben sich für pottfiction, das im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas „RUHR 2010“ entstand, zusammengeschlossen. Dazu zählen das Consol Theater Gelsenkirchen, HELIOS Theater Hamm, Junges Schauspielhaus Bochum, Theater Kohlenpott Herne, Theater Hagen und das Kinder- und Jugendtheater Dortmund.

Das Projekt wurde 2009 ins Leben gerufen und soll Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 23 dabei helfen, Zukunftsvisionen zu entwickeln und sich selber auszuprobieren. Der Höhepunkt ist das Sommercamp – in diesem Jahr in Herne Ende August. Hier arbeiten 90 bis 100 Jugendliche zehn Tage lang intensiv zusammen, unter anderem in Form von Workshops.

Miriam Michel, künstlerische Leitung am KJT, betont die Heterogenität der Mitwirkenden und lobt die gute Zusammenarbeit und hohe Einsatzbereitschaft: „Wir haben Azubis, Schüler und Studenten im Alter zwischen 16 und 22 Jahren dabei. Dass wir es trotz der unterschiedlichen Lebenssituationen schaffen, uns wöchentlich zu Proben zu Treffen zeigt die große Bereitschaft der DarstellerInnen. Sie schenken wirklich Vertrauen, Liebe und Ideen.“

Ziel: Zuschauern die Gleichzeitigkeit von Dystopie und Utopie aufzeigen

Die KünstlerInnen stellen Dystopie und Utopie mit unterschiedlichen performativen Mitteln dar.

Als sich die KünstlerInnen am KJT mit dem Jahresthema„Dystopie / Utopie“ auseinandersetzten, sind sie an der Dichotomie von Utopie und Dystopie hängengeblieben. „Wir haben versucht, uns auf Utopie oder Dystopie festzulegen, aber schnell bemerkt, dass jeder Utopie auch ein dystopischer Moment inne liegt. Das was ich für erstrebenswert halte, ist für andere ganz anders“, erklärt Lisa Maria Heigl, die andere künstlerische Leiterin des Projekts.

Mit „Marmeladenglasmomente“ sind schöne Momente gemeint, die man liebsten aufbewahren möchte, angelehnt an eine Szene aus dem Film „Die wilden Hühner“. Solche Momente und Utopien werden von den Mitwirkenden performativ dargestellt. So soll das Publikum dazu angeregt werden, nach seinen eigenen schönen Momenten, seinen eigenen Utopien zu fragen. Ziel ist es, die Gleichzeitigkeit von Dystopie und Utopie aufzuzeigen.

„Wie sieht eigentlich unsere Utopie heute aus, wie gestalten wir einen guten Ort? Ist die Utopie unserer Eltern, der Generation X, noch die Vorstellung von der Welt, in der wir leben wollen? Und kann aus Chaos nicht auch Neues wachsen?“ Das sind einige der Fragen, denen sich die Dramaturgin Lioba Sombetzki mit dem SchülerInnen-Ensemble für das Theater-Perfomance-Projekt im KJT stellen.

Von „Hipster-Choreographie“ über kollektive Tanzmomente und barocke Kammermusik

Die Werkschau wird im Freien stattfinden.

Im Detail erwartet die ZuschauerInnen eine vielfältige, meist körperliche, Performance im Freien, für die knapp ein Jahr hart gearbeitet wurde. Theaterexperimente, Choreografien, Texten aus Zeitungen und Bühnenstücken, vor allem bezugnehmend auf unsere Fantasie und unsere Gefühle, und ein Kammerkonzert mit Bratsche und Cello.

Außerdem soll das Publikum mit einbezogen werden. Dazu wird es in vier Gruppen eingeteilt und zu vier verschiedenen, utopischen Szenen geführt, um alle Darbietungen hautnah miterleben zu können.

Nach den Szenen gibt es eine „Hipster-Choreografie“, einen kollektiven Tanzmoment, angelehnt, an medienwirksame und perfekte Choreographien auf Youtube. Zum Auftakt wird es einen improvierten Moment mit nur fünf Regeln geben. Eine der Regeln ist beispielsweise, das Publikum intensiv anzustarren.  Ein „beklemmender und extremer Moment. Aber die Performance soll insgesamt ein schöner Moment sein, aber es gibt schon Dinge, die aus dem Schema rausbrechen. In allem Schönen liegt etwas Dystopisches“, unterstreicht Miriam Michel.

Mehr Informationen:

  • Das Stück findet vor dem Kinder- und Jugendtheater in der Sckellstraße 6a in Hörde statt.
  • Insgesamt ist eine Dauer von 75 Minuten für das Stück eingeplant.
  • Der Eintritt ist frei.
  • Die Werkschau findet am Samstag, dem 2. Juni 2018, um 20 Uhr statt.
  • Außerdem gibt es eine weitere Vorstellung Sonntag, 3. Juni 2018, um 18 Uhr,
  • Die eigentliche Premiere findet im Rahmen des „Pottfiction“ -Festivals Ende August in Herne statt.
  • www.theaterdo.de

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