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Charango – eine andere Art von Musik: Ausstellung, Live-Konzert, Festival und Tanz im Dietrich-Keuning-Haus

Freuen sich: (v.l.) Irene Stabel, Mena-de Köppen, Gaston Bejarano, Thekla Bichler, Levent Arslan, Berenice Becerril.

Von Gerd Wüsthoff

Das Charango ist ein kleines, zehnsaitiges Zupfinstrument und in Deutschland bislang kaum bekannt. Über 30 Jahre lang sammelte der Ulmer Walter Kässbohrer Charangos aus verschiedenen Regionen der Andengebiete in Südamerika, vornehmlich in Peru, dem Ursprungsland. Nun wird im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) am 7. April 2018, ab 17 Uhr (Einlass) ein ausgesuchter Teil dieser wertvollen und einzigartigen Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert. Internationale Künstler stellen das Charango an diesem Abend im DKH „live“ vor und präsentieren es in einer von Konzerten und Tanzdarbietungen umrahmten Ausstellung.

Südamerika ist mehr als Tango, Samba, Bossa Nova, Carmen Miranda mit „Tico Tico“ und Salsa

Lateinamerikanische Musik ist ein Sammelbegriff für die Tänze, Rhythmen und Stile der Musik, welche in lateinamerikanischen Ländern gespielt wird. Als stiltypisch werden meist die Musikformen angesehen, die gemeinhin mit der Musik aus Kuba verbunden werden, oder durch Hollywood Produktionen populär wurden.

Hier ist besonders Carmen Miranda und ihr „Tico Tico“ zu nennen. Diese Musik stellt zumeist eine Mischung aus spanischen melodiösen und afrikanischen rhythmischen Einflüssen. Dabei wird allzu oft vergessen, dass Lateinamerika eine besonders reiche indigene Musiktradition von den Indios hat. Diese Musik ist zumeist auf Flöten gespielt worden.

„Die reiche musikalische Tradition lateinamerikanischer Länder ist so vielfältig wie es Staaten und unterschiedliche Indianer-Gruppen gibt“, sagt Gaston Bejarano, von Inti Punchai. „Diese „anderen“ Einflüsse, welche die traditionelle Musik bestimmt hatten, sind beispielsweise in der Musik der Anden, in Bolivien und Peru etwa zu finden. Besonders hier sind vorkolumbianische Stilelemente vorhanden“, fügt Maria Mercedes Mena-de Köppen hinzu.

Die Charango-Musikinstrument ist eine Schöpfung der indianischen Ureinwohner

„Indianische Musiktradition und europäische, besonders die spanische Traditionen haben sich seit der Kolonisation des südlichen Teilkontinentes der beiden Amerikas hier zu etwas Neuem gebildet“, ergänzt Berenice Becerril von der kooperierenden Stadtteilschule. Ein weiteres und beliebtes Beispiel ist die Bossa Nova aus Brasilien mit Stilelementen des Jazz, sowie die argentinischen Cuarteto und Chamamé mit alpinen, italienischen und osteuropäischen Elementen.

Die Charango, das zehnsaitige fast halbkugelige, mandolinen große Musikinstrument ist eine Schöpfung der indianischen Ureinwohner. Ihnen war es in der Zeit der spanischen Kolonisation nicht nur verboten ihre Sprache zu sprechen, sondern auch ihre Musik und Tänze zu pflegen. Die Kolonialstadt Potosi im heutigen Bolivien gilt als der historisch nachgewiesene Ursprung des Charangos.

Menschen aus aller Welt kamen in dieser Stadt zusammen und brachten ihre Instrumente wie Gitarren, Vihuelas und Drehleiern mit. Der Klang der Charango spiegelt in gewisser Weise den Klang der indianischen Flöten wieder. Dabei bedient sich das Instrument der Form der spanischen Gitarre. Die indianischen Ureinwohner umgingen so geschickt den Repressalien ihrer Kolonialherren.

Gürteltiere waren einst der Klangkörper für die Charango-Instrumente

Ankündigungsplakat zum Charango-Abend mit der Charango von Gaston Bejarano. Fotos: Gerd Wüsthoff

Der Erfolg des kleinen Musikinstrumentes hatte allerdings fast eine ökologische Katastrophe in den ländlichen Regionen zur Folge. Der Klangkörper wurde dort ursprünglich aus den getrockneten Panzern, der nur in Südamerika heimischen, Gürteltiere gefertigt.

In den Städten hingegen wurden die Charangas von Beginn an ausschließlich aus Holz gefertigt – zumeist dem Holz von nicht mehr seefähigen spanischen Galeonen. Heute werden alle Klangkörper der professionellen Charangos ausschließlich aus Holz hergestellt.

Walter Kässbohrer, verheiratet mit einer Südamerikanerin, sammelte, liebevoll, über drei Jahrzehnte Charangos aus verschiedenen Regionen der südamerikanischen Anden. Ein ausgesuchter Teil diese Sammlung wird nun in einer Kooperation mit der Stadtteilschule, südamerikanischen Kultur- und Migrationsverbänden und dem Dietrich-Keuning-Haus (DKH) erstmalig als Teil eines besonderen Festivals am 7. April präsentiert.

Der Klang des Charangos ist breit gefächert und hat etwas von den Flöten der Inka, ist gefühlvoll, ursprünglich, auch melancholisch und fröhlich zugleich. Der Name des Charangos kommt von den beiden Wörtern „charanga“ (etwa Musik mit Blechinstrumenten) und „charanguero“ (roh, grob, ungehobelt), vielleicht unter Einkreuzung des Wortes „Chajhuancu“, das in Quechua, der ursprünglichen Sprache des Altiplanos, soviel wie „lärmend“ oder „aufrührerisch“ bedeutet.

Das Festival im DKH bietet einmalig am 7. April ein breites Spektrum aus der reichhaltigen Kultur Lateinamerikas, wobei es auch kulinarisches für das leibliche Wohl zu entdecken gibt. Die Mitwirkenden des Abends sind Francisco Alurralde – Solist aus La Paz, das Trio Punto Andino – Victor Beck / Schweiz, Inti Punchai mit Gaston Bejarano aus La Paz, das Dúo Zerua – Jarry Single und Alfredo Paredes und die Tanzgruppe Adebol aus Duisburg mit Maria Mercedes Mena-de Köppen und Irene Stabel. Nicht zu vergessen die erlesene Sammlung von Charangas, deren Klang das Festival bestimmen werden, von Walter Kässbohrer.

Mehr Informationen:

  • Veranstaltungsort: Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstraße 50-58, 44147 Dortmund
  • Beginn: 17 Uhr Einlass, Live-Konzert, Festival und Tanz ab 19 Uhr
  • Eintritt: VVK 8 Euro, Abendkasse 10 Euro
  • Vorverkauf: via e-Mail – inti.punchai@gmail.com oder telefonisch – 0160 468 90 38 oder 0172 772 21 64
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