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„Bloody Carrie“ im Theater im Depot: Junges Ensemble der Kulturbrigaden interpretiert den Horrorklassiker ganz neu

Die Kulturbrigaden transportieren den Horrorklassiker „Carrie“ von Stephen King in die heutige Zeit. Fotos: Rada Radojcic

Die Kulturbrigaden transportieren den Horrorklassiker „Carrie“ von Stephen King in die heutige Zeit. Fotos: Rada Radojcic

Das Junge Ensemble der Kulturbrigaden präsentiert sein neues Stück im Theater im Depot in der Nordstadt. Unter der Regie von Rada Radojcic setzen die jungen Künstler*innen ihre ganz eigene Adaption des Horrorklassikers „Carrie“ von Stephen King um und transportieren den Stoff, der Hollywood bereits mehrfach als Filmvorlage diente, in die heutige Zeit. Doch während in der Traumfabrik die fantastischen Visionen Kings mittels Spezialeffekte und CGI umgesetzt werden können, stellen sie das Theater vor ganz andere Herausforderungen. Die blutige Premiere findet am kommenden Samstag, 25. Januar 2020, um 20 Uhr statt. 

Kulturbrigaden stehen für qualitativ hochwertige Arbeit mit geringsten technischen Mitteln

v.l. Daniel Kireth und Marek Kot vom Theater im Depot mit Regisseurin Rada Radojcic. Foto: Sascha Fijneman

v.l. Daniel Kireth und Marek Kot vom Theater im Depot mit Regisseurin Rada Radojcic. Foto: Sascha Fijneman

Die Idee die Geschichte des schüchternen Teenie-Mädchens, das unter der Fuchtel seiner religiös-fanatischen, herrschsüchtigen Mutter leidet, in der Schule als Außenseiterin gehänselt wird und in dem ungeahnte telekinetische Fähigkeiten schlummern, auf die Theaterbühne zu bringen, stammt von den jungen Darsteller*innen selbst. 

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Für die Umsetzung kann sich Marek Kot vom Theater im Depot niemand besseren vorstellen als die junge Regisseurin Rada Radojcic. Denn bei ihr würden den Zuschauer*innen immer wieder neue Realitäten offenbart, wobei deren anfängliche Schönheit meist einen doppelten Boden habe, der sich dem Publikum im Verlaufe der Vorführungen dramaturgisch erschließe.

„Dabei geht Rada eben nicht behutsam pädagogisch mit den jungen Darsteller*innen um, sondern die müssen handwerklich richtig ackern“, so Kot über die Arbeit der Regisseurin. Er würde sich jedesmal über die auf der Bühne entstehenden Bilder und die anspruchsvolle Dramaturgie freuen. Radojcic und ihr Ensemble würden hier qualitativ hochwertige Arbeit mit geringsten technischen Mitteln schaffen.

Offen und ehrlich: Protagonist*innen dürfen bei Radojcic richtig ackern

Helen Gierhake, die im letzten Jahr das Drehbuch für „Coraline“ verfasste, in der Rolle der Carrie.

Helen Gierhake, die im letzten Jahr das Drehbuch für „Coraline“ verfasste, in der Rolle der Carrie.

Die Regisseurin selbst versucht ihren Schützlingen immer nahe zu bringen, die Zeit, die sie jetzt haben, sinnvoll für die Schauspielerei zu nutzen, denn aus Erfahrung kann sie berichten, dass es mit fortschreitendem Alter und den zunehmenden Verpflichtungen im Lebensalltag immer schwieriger wird, am Ball zu bleiben.

„Ich sage den Jugendlichen immer: nehmt die Zeit und Erfahrung mit. Sie können durch die Beschäftigung am Theater so viel über ihren Körper, ihre Psyche und ihre eigenen Grenzen lernen“, mahnt Radojcic. So sehr sie ihre Protagonist*innen auch unterstützt, bleibt sie dennoch stets ehrlich in ihren Bewertungen und Urteilen.

So kann es auch schon mal vorkommen, dass eine Probe entnervt abgebrochen wird, wenn die Regisseurin nicht zufrieden mit ihnen ist. „Das ist für die Regie das Schlimmste was passieren kann, wenn man von den eigenen Darstellern gelangweilt ist“, so Radojcic offen und ehrlich. Aber in den meisten Fällen schockt die Kritik der Ausbilderin im ersten Moment. Später allerdings wandelt sich dieser Schock meist in positive Energie um und die Jugendlichen entwickeln neue Ideen, erfinden sich und ihr Spiel neu und schaffen es so, ihrer anspruchsvollen Mentorin gerecht zu werden.

Kunstblut und Telekinese erfordern Einfallsreichtum vom Ensemble

Dass sie schwierige Stücke umsetzen können, haben die Kulturbrigaden auch im letzten Jahr mit „Coraline“ bewiesen. Foto: Rada Radojcic

Dass sie schwierige Stücke umsetzen können, haben die Kulturbrigaden auch im letzten Jahr mit „Coraline“ bewiesen. Foto: Rada Radojcic

Carrie stellt die Theatermacher*innen vor mehrere Herausforderungen. Zum einen ist die Geschichte ziemlich blutig und Kunstblut ist verdammt teuer. Also mussten sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen und dabei berücksichtigen, dass das Kunstblut auch aus- und abwaschbar sein muss, denn anders als bei einer Filmproduktion mit großem Budget, steht jedes Kostüm den Kulturbrigaden nur in einfacher Ausführung zur Verfügung.

Die Kostüme müssen nach jeder Vorstellung gereinigt und wieder in den Anfangszustand versetzt werden. Nach längerem Tüfteln haben die Kulturbrigaden nun ihr ganz eigenes Kunstblutrezept kreiert, welches natürlich streng geheim bleiben muss.

Eine weitere Frage, mit der sich die jungen Künstler*innen befassen mussten war: Wie stellt man die medialen telekinetischen Kräfte des Mädchens auf der Theaterbühne dar? Neben körperlichen Bewegungen und Verrenkungen kann man Dinge beispielsweise durch dünne Nylonfäden quasi von selbst über die Bühne wandeln lassen.

Anspruchsvolle Rollen verlangen dem Ensemble alles ab

Hierbei muss aber sorgfältig auf die Beleuchtung geachtet werden, denn schnell passiert es, dass die dünnen Fäden reflektieren und die Illusion zunichte gemacht wird. Die Zuschauer*innen dürfen gespannt sein, mit welchem Einfallsreichtum und welcher künstlerischen Hingabe die Kulturbrigaden ihrer Vision der King-Geschichte Leben einhauchen und die passende Atmosphäre erzeugen.

Neben diesen produktionstechnischen Herausforderungen, verlangt das Stück auch den Darsteller*innen so einiges ab. Vor allem die Rolle von Carries unter dem Deckmantel des Glaubens unbarmherziger, dominanter Mutter hat es in sich. Ursprünglich wollte Regisseurin Radojcic sie daher auch mit einer erwachsenen, erfahrenen Schauspielerin besetzen, doch es kam anders.

Ihre eigene Nichte Dzaklina bekundete reges Interesse und nach anfänglicher Skepsis schaffte sie es, ihre Tante mit ihrer Rolleninterpretation für sich zu gewinnen. Sie ist mit gerade einmal 25 Jahren die älteste Darstellerin des Jungen Ensembles und bringt somit auch schon einiges an Erfahrung mit sich. Insgesamt sind rund zehn Mitglieder des Ensembles an der Umsetzung auf der Bühne beteiligt.

Carrie 4.0 – Die dramatische Dynamik des Cyber-Mobbings

In den sozialen Netzwerken entwickeln Spott und Häme oft eine unkontrollierbare Eigendynamik.

In den sozialen Netzwerken entwickeln Spott und Häme oft eine unkontrollierbare Eigendynamik.

Wie bei King spitzt sich auch die Theaterinszenierung auf den Höhepunkt und die Eskalation beim Schulball zu, nachdem Carrie zum Mobbingopfer ihrer Mitschüler*innen wurde. Hier wird am ehesten deutlich, wie die Geschichte in die heutige Zeit transportiert wird und die Regisseurin verspricht ein großes choreografisch inszeniertes Finale.

Denn Auslöser der Eskalation ist ein Video, das Carrie nackt unter der Dusche zeigt und von ihren Mitschüler*innen online verbreitet wird. Sie nutzen die Kanäle der neuen Medien, erstellen ein Bloody Carrie-Profil und verbreiten ihre Inhalte über die Social Media Netzwerke wie Facebook, Instagram und WhatsApp. Somit wird die hochaktuelle Thematik des Cyber-Mobbings aufgegriffen.

Um die verhängnisvolle Dynamik des Cyber-Mobbings zu veranschaulichen wird das Geschehen auf der Bühne mit diversen Videoeinspielungen, die beispielsweise Chatverläufe, Instagram-Profile oder Facebook-Posts zeigen, ergänzt. Diese machen deutlich, wie schnell sich die Inhalte verbreiten, wie sich Spott und Hohn verselbstständigen und eine Eigendynamik entwickeln, über die selbst die Urheber die Kontrolle und den Überblick verlieren und Carrie zu ungewolltem, bedenklichem Internetruhm verhelfen.

„Bloody Carrie“ wird für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen

Die Videoeinspielungen sind ein wichtiges Element für das Stück und werden auch als atmosphärische Verstärker während des Stücks genutzt. Ebenso ist die Musik von Dixon Ra darauf abgestimmt, Atmosphäre, Stimmung und Effekte auf der Bühne zu unterstützen und zu verstärken.

Bloody Carrie wird am kommenden Samstag, 25 Januar 2020, im Theater im Depot uraufgeführt. Die rund anderthalbstündige Vorführung wird um 20 Uhr beginnen. Der Eintritt zur Premiere kostet im Vorverkauf 16 Euro, ermäßigt acht Euro; an der Abendkasse 18 Euro, ermäßigt 10 Euro. Weitere Vorstellungstermine sind im Anhang des Artikels zu finden. Das Stück „Bloody Carrie“ wird für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen.

Da am selben Abend der erste Nachtflohmarkt 2020 im Depot stattfindet, werden die Theaterbesucher*innen gebeten, etwas mehr Zeit für die Anreise einzuplanen.

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Weitere Informationen:

Bloody Carrie-Produktion:

  • Regie: Rada Radojcic
  • Text und Video: Anna Marienfeld
  • Musik: Dixon Ra
  • Kostümassistenz: Vega Breitenstein
  • Choreografie: Leslie Hannemann

Weitere Vorstellungstermine:

  • Sonntag 26.01.2020 18 Uhr 
  • Freitag 14.02.2020 20 Uhr 
  • Samstag 15.02.2020 20 Uhr 
  • Eintritt: VVK 15 Euro / 8 Euro erm., AK 17 Euro / 10 Euro erm.
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