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Bergbau in der Nordstadt: Die Siedlung am Kaiserstuhl – Gastbeitrag von Helmut Lierhaus

Ansichtskarte Zeche Kaiserstuhl

Ansichtskarte der Zeche Kaiserstuhl, Schacht I. Rechts in der Darstellung die Siedlung Am Kaiserstuhl. (Ansicht von Mündung Brunnenstraße/ Bornstraße). Poststempel: 29. November 1913.

Helmut Lierhaus, der ehemalige Sprecher des Mietervereins Dortmund, schreibt und bearbeitet im Altersruhestand Artikel im Online-Lexikon Wikipedia. Er erinnert an die 1975 abgerissene Bergarbeitersiedlung Am Kaiserstuhl gegenüber dem heutigen WEZ-Gelände.

Virtuelle Spurensuche fördert Bilder von der Zufahrt zu Tage

Am Kaiserstuhl 1 Lageplan

Am Kaiserstuhl 1 Lageplan

Wer sich mittels Google Street View und Google Earth auf eine Spurensuche begeben würde, würde auf der zur Zeit aktuellen Aufnahme aus dem Jahr 2008 links neben dem Büroausstatter Staples noch die Zufahrt der Straße Am Kaiserstuhl erkennen. Dahinter ist die Brache, auf der einmal eine kleine Bergarbeitersiedlung stand.

Heute ist die Straße zwischen Bornstraße und Ravensberger Straße als Gewerbegebiet Bornstraße Ost komplett überbaut und „eingezogen“. (LINK zu Streetview)

Auf der Süd-Nord-Wanderung machte der Ruhrbergbau für über 100 Jahre Station in der Nordstadt. Genauer gesagt, erschufen Kohle und Stahl erst den Arbeiterbezirk, dessen größte Gewerbegebiete neben Hafen und Westfalenhütte zwei ehemalige Zechenstandorte sind.

Zeche Westphalia wurde geschlossen und Anlagen auf Kaiserstuhl zusammengefasst

Im Gewerbegebiet Westfaliastraße förderte die Zeche Vereinigte Westphalia ab 1858 mit zwei Schächten Kohle und wurde 1860 an die Eisenbahn angeschlossen. Auf dem Betriebsgelände wurde zwei Jahre später eine Kokerei gebaut. Erhalten geblieben ist die 1924 in Betrieb genommene Waschkaue, in der sich heute das Künstlerhaus Dortmund befindet.

Die Schächte 3 und 4, später Kaiserstuhl I und II genannt, wurden an der Bornstraße „abgeteuft“ und gingen 1877 bzw. 1891 in Betrieb. Damit wurde die Förderung auf der Zeche Westphalia eingestellt und alle Betriebsanlagen zur Zeche Kaiserstuhl zusammengefasst.

Zeche wurde zum Kern des Bergwerkseigentums vom Hoesch

Einzelhandel, Handel, Nahversorgung in der Nordstadt

Das Westfalen-Einkaufszentrum liegt auf dem Areal.

Kaiserstuhl wurde 1899 zum Kern des Bergwerkseigentums der Eisen- und Stahlwerke Hoesch AG, zu der zunächst auch die Kokerei Kaiserstuhl II und zuletzt die Kokerei Kaiserstuhl III auf dem Gelände der Westfalenhütte gehörte.

Die Kokerei, erst 1992 errichtet, schon acht Jahre später stillgelegt und in einer spektakulären Aktion zerlegt und nach China verschifft wurde, wo sie 2006 wieder in Betrieb ging.

Auf dem Zechengelände entstand in den 1970er Jahren teilweise noch unter Einbeziehung aufgegebener Zechengebäude das Westfalen-Einkaufszentrum Dortmund (WEZ), das 2006 abgerissen und 2009 durch einen kompletten Neubau ersetzt wurde. Nordstädter werden sich auch noch an das seinerzeit spektakuläre Wellenbad Tropa Mare erinnern, das eine eigene Geschichte wert wäre.

Mehrere Nordstadt-Straßen erinnern an Bergbauvergangenheit

Am Kaiserstuhl 1 Fassade

Am Kaiserstuhl 1 Fassade aus: Bollerey/Hartmann, Wohnen im Revier – 99 Beispiele aus Dortmund, München 1975

Mehrere Straßennamen erinnern noch an die Bergbauvergangenheit: Glückauf-, Steiger-, Bergmann-, Schlägel-, Strecken- und Stollenstraße. Speziell für Bergbauangehörige wurden in der Nordstadt aber nur wenige Wohnungen gebaut.

Die Werkssiedlung Am Kaiserstuhl entstand 1891/92 zeitgleich mit Schacht Kaiserstuhl II und bestand zunächst aus 15 unverputzten Ziegelbauten für zwei und vier Familien.

Die Hoesch AG erweiterte die Siedlung 1905 um vier Beamtenwohnhäuser, deren Ziegelornamentierung aufwendiger gestaltet war.

Die Erschließungsstraße erhielt den Namen Am Kaiserstuhl. Nach Schließung der Zeche 1966 übernahm die Stadt Dortmund Gewerbeflächen und Siedlung.

Von den Häusern der Siedlung blieben nur die „Sieben Zwerge“ in der Lutherstraße

Screenshot WR

Screenshot – hier geht’s zum WR-Bericht

Durch den Ausbau der Bornstraße für die neue Stadtbahn nach Scharnhorst-Ost und den gestiegenen Autoverkehr wurde die Insellage der Wohnhäuser zwischen Maschinenfabrik Deutschland, Bahnstrecken und dem Städtischen Fuhrpark im Norden augenfälliger.

Für steinerne Zeitzeugen gab es in den 1970er Jahren auch keine Lobby und so wurden die Häuser für die geplante Betriebshoferweiterung dann auch Ende 1975 abgerissen.

Die Siedlungsfläche blieb indes noch lange eine Brache und wird erst seit wenigen Jahren im Rahmen des Gewerbegebiets Bornstraße Ost mit Verkaufsgewerbe bebaut.

Aus der Bergbauzeit der Nordstadt sind nur noch die 1936 für Führungskräfte der Zeche Kaiserstuhl II gebauten und als „Sieben Zwerge“ bekannten Zweifamilien-Häuser in der Lutherstraße, die 2005 privatisiert worden sind, erhalten geblieben.

Unter dem Link http://de.wikipedia.org/wiki/Siedlung_Am_Kaiserstuhl steht der Artikel, der von Wikipedia-Nutzern gerne ergänzt werden kann, insbesondere um weiteres Bildmaterial.

 

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