Nordstadtblogger

Ambitioniertes Projekt in der Nordstadt schafft bezahlbaren Wohnraum und überzeugt durch soziales Konzept

Nach mehr als zwei Jahren hat das Ordnungsamtsbüro in der ehemaligen Nordstadt-Apotheke eröffnet.

2017 hat das Ordnungsamtsbüro in der ehemaligen Nordstadt-Apotheke eröffnet. Die neu gegründete Viertelwerk gGmbH soll neue Eigentümerin des Gebäudes werden und die Wohnungen sanieren. Fotos (3): Alex Völkel

Im Zuge der Förderung bezahlbaren Wohnraums haben die Dortmunder Stadtverwaltung und die Viertelwerk gGmbH ein Wohnprojekt mit umfassendem Sozialkonzept initiiert. Es zeichnet sich vor allem durch die Integration des Einzelnen in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt aus. Denn, eine eigene Wohnung als Rückzugsort zu haben, sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen zu können – das ist für viele selbstverständlich, doch noch lange nicht für alle. Seit den 1990er Jahren engagiert sich die GrünBau gGmbH vorwiegend in der Nordstadt im Projektverbund mit der Stiftung Soziale Stadt und weiteren NetzwerkpartnerInnen für die soziale Stabilisierung und berufliche Qualifizierung arbeitssuchender BürgerInnen. 

Es geht darum, die Lebensqualität in der Nordstadt dauerhaft zu verbessern 

Stadtansicht Nordstadt Pauluskirche

Stadtansicht Nordstadt und Pauluskirche.

Nun will sie mit der eigens gegründeten Tochtergesellschaft, der Viertelwerk gGmbH, Immobilien erwerben, um bezahlbaren Wohnraum nebst sozialer Betreuung den Menschen zur Verfügung zu stellen, welche in besonderem Maße unter Wohnraumnot leiden. 

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An dieser Stelle kommt die Dortmunder Stadtverwaltung ins Spiel. Der Fachbereich Liegenschaften hat sich zur Aufgabe gesetzt, aktiv an der In-Wert-Setzung sogenannter Schrottimmobilien in der Nordstadt mitzuwirken. 

Sanierungsfähige Objekte sollen mit Hilfe externer sozialer Einrichtungen, wie z.B. der Viertelwerk gGmbH, als preiswerter Wohnraum wieder zur Verfügung gestellt werden. Damit soll Wohnraumnot einerseits sowie nicht vermietbarer Leerstand andererseits reduziert und die Lebensqualität in der Nordstadt nachhaltig verbessert werden. 

Menschen am Rande der Gesellschaft wieder die Teilhabe ermöglichen

Die Stadt hat das Ladenlokal der ehemaligen Apotheke am Nordmark gekauft.

Die Stadt hat die Immobilie am Nordmarkt Stück für Stück aufgekauft.

Die Stadt erwarb in den letzten Jahren Stück für Stück die Eigentumsanteile an den stark vernachlässigten Immobilien Nordmarkt 3 und Mallinckrodtstraße 55 bis 59. Die Viertelwerk gGmbH soll nun im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags Eigentümer der Häuser werden und diese von Grund auf sanieren. 

Auch die Einrichtung einer Kindertagesstätte ist vorgesehen. Die Ordnungspartnerschaften, welche im vergangenen Jahr in die Räumlichkeiten der ehemaligen Apotheke am Nordmarkt eingezogen sind, werden dort auch weiterhin als Ansprechpartner für die Anwohner zur Verfügung stehen und sich für Sicherheit und Ordnung im Quartier einsetzen. 

Anders als bei herkömmlichen Wohnungsbauvorhaben liegt der Fokus bei diesem Projekt vor allem auf der sozialen Komponente. Es geht dabei nicht allein darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – das Konzept geht weit darüber hinaus: Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen – unabhängig davon, ob sie zugewandert sind oder nicht – sollen aktiv in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integriert werden, damit auch sie perspektivisch für sich und ihre Familien selbständig sorgen können. 

Zahlreiche Förderinstrumente und Partner, um soziale Ziele zu erreichen

Polizeieinsatz in der Nordstadt. Vor dem Stehcafe Europa an der Mallinckrodtstraße

Der Gebäudekomplex in der Mallinckrodtstraße sorgte in der Vergangenheit des öfteren für Probleme. Foto: Klaus Hartmann

Hierzu will die Viertelwerk gGmbH auf zahlreiche Instrumente und Fördertöpfe von Bund, Land und Kommune zurückgreifen: Die Sanierung und anschließende jährliche Instandhaltung der Gebäude soll mit der öffentlich geförderten Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen und anderen Problemgruppen des Arbeitsmarkts kombiniert werden.

Das Jobcenter und die Stadt Dortmund sind dabei die wichtigsten Partner im Rahmen der kommunalen Arbeitsmarktstrategie. Finanzielle Unterstützung bietet hierfür das Modell Service Center lokale Arbeit, das Programm FAV (Förderung von Arbeitsverhältnissen) und das Landes- ESF-Programm ÖgB (öffentlich geförderte Beschäftigung). 

Durch das Aktionsprogramm „Hilfen in Wohnungsnotfällen“ vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales soll perspektivisch Fachpersonal für die Beratung und Unterstützung betroffener BewohnerInnen zur Seite stehen. Als weiteres wesentliches Instrument für eine erfolgreiche Integrationsstrategie für die BewohnerInnen ist die Unterstützung bei der Arbeitssuche vorgesehen. 

Umfangreiche Beratungs- und Betreuungsangebote in Gesundheits-, Familien- und Sozialfragen

Im Rahmen der ESF-Bundesprogramme BIWAQ (Bildung, Arbeit, Wirtschaft im Quartier) und ISA (Integration statt Ausgrenzung) werden hierbei qualifizierte Jobcoaches zum Einsatz kommen. Außerdem sollen im Rahmen des Betreuungskonzepts zugewanderten BewohnerInnen muttersprachliche Beratungen in Gesundheits-, Familien und Sozialfragen angeboten werden. 

Fördermittel hierfür kommen aus dem Landes-ESF-Projekt „Willkommen in der Nordstadt“. Auch Sprach- und Alphabetisierungsangebote durch Personal der GrünBau gGmbH sind vorgesehen. Darüber hinaus sollen den Kindern und Jugendlichen Spiel- , Sport und Tanzangebote sowie Lernförderungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dazu will die Viertelwerk gGmbH auf Finanzmittel aus dem Landesjugendplan des Landes NRW zurückgreifen. 

Breit aufgestellte Gemeinwesenarbeit animiert zu Folgeinvestitionen

Die Stadtverwaltung ist von diesem Konzept überzeugt. Nur mit einer solch breit aufgestellten Gemeinwesenarbeit kann nachhaltig in der Nordstadt etwas bewegt werden. Daher ist vorstellbar, dass derartige Kooperationen zukünftig auch bei anderen Problem-Immobilien in der Nordstadt zum Einsatz kommen. 

Ein willkommener Folgeeffekt: Die Eigentümerinnen und Eigentümer benachbarter Gebäude haben bereits in der Vergangenheit, nachdem Schrottimmobilien saniert wurden, häufig ebenso in ihren Bestand investiert und somit zur Aufwertung ihres Viertels beigetragen. 

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