Über HIV und Aids reden – jetzt erst recht!

„aidshilfe dortmund“ mit Aufklärungs- und Beratungsangeboten rund um den „Welt-Aids-Tag“

Bis zum 7. Dezember bietet die „aidshilfe dortmund“ Aufklärungs- und Beratungsveranstaltungen rund um den „Welt-Aids-Tag 2021“. Foto: pixabay

Aufgrund der Corona-Pandemie war der Zugang zu HIV-Test und -Beratung für viele Menschen stark eingeschränkt. Anlässlich des „Welt-Aids-Tags“ am heutigen 1. Dezember 2021 weist die „aidshilfe dortmund“ auf erweiterte Angebote zu Prävention, Test und Beratung in Dortmund hin. Trotz der aktuellen Bedingungen und vorbehaltlich der weiteren Entwicklungen hat die „aidshilfe dortmund“ auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen rund um den „Welt-Aids-Tag“ geplant.

Beratung- und Aufklärungsarbeit durch Pandemie stark beeinträchtigt

„In den letzten Monaten standen unsere Angebote aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt zur Verfügung“, so Michael Mantell, Vorstandsmitglied der Organisation. „Offene Sprechstunden oder Testungen ohne Termin waren nicht möglich. Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln verkomplizierten die Abläufe. Manche Menschen haben sicherlich auch aus Angst vor einer COVID-19-Infektion einen Besuch bei uns verschoben.“

Grafik: Pixabay

Viele Aufklärungsveranstaltungen in Schulen oder im schwulen Gesundheitsladen „pudelwohl“ hätten eingeschränkt werden müssen, besonders vulnerable Zielgruppen wie „Stricher“, Menschen aus Subsahara-Afrika oder Drogengebraucher:innen seien deutlich schlechter erreicht worden.

Gleichzeitig habe Corona aber auch neue Wege eröffnet: Es sei vieles ausprobiert worden, um Menschen, die auf die Angebote der Aidshilfe angewiesen sind, auch in der Pandemie zu erreichen. „Dazu zählen erweiterte Telefon- und online-Beratung, Video-Sprechstunden oder -Gruppentreffen, aufsuchende Angebote oder verstärktes Streetwork und die Propagierung von begleiteten Selbsttests“, führt Mantell weiter aus.

„Da waren wir sehr kreativ und innovativ und dabei hat es sich positiv bemerkbar gemacht, dass Aidshilfen schon immer sehr nah an und mit ihren Zielgruppen arbeiten und so niedrigschwellige Zugänge schaffen und aufrechterhalten konnten.“

Mit Kreativität und zahlreichen Innovationen durch die schwierige Zeit

Die aktuell vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Daten belegen einen leichten Rückgang der HIV-Neuinfektionen in 2020, der vermutlich sowohl auf eine pandemiebedingte Verminderung von Sexualkontakten zurückzuführen ist, als auch auf eine Abnahme von Testungen. Es sei daher davon auszugehen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen nach der Pandemie wieder ansteige.

2020 erhielten 97 Prozent aller Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion auch eine Therapie.
2020 erhielten 97 Prozent aller Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion auch eine Therapie. Grafik: Pixabay

Positiv wird konstatiert, dass im Jahr 2020 97 Prozent aller Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion auch eine Therapie erhielten. Diese sind in der Regel nicht mehr infektiös, können das Virus also nicht mehr weitertragen.

Das RKI fordert bundesweit, die Zugänge zu Test und Therapie weiter zu verbessern. „Wir werden vor der großen Herausforderung stehen, vermutlich steigenden HIV-Infektionszahlen wieder niedrigschwellige, zielgruppenorientierte Angebote entgegenzusetzen“, blickt Michael Mantell verhalten in die Zukunft.

Das bedeute eine Kraftanstrengung, bei der man aber auf bewährte Zugänge und neu entwickelte Instrumente zurückgreifen könne. Leider hätten durch die Pandemie auch zahlreiche Fundraising-Aktionen abgesagt werden müssen, die Spendeneinnahmen seien deutlich zurückgegangen.

„Wir bauen aber auf die Solidarität vieler Bürger:innen und sind zuversichtlich, diese Durststrecke im kommenden Jahr hinter uns lassen zu können. Allen Bürger:innen mit einem möglichen Risiko möchte ich noch sagen: Lassen Sie sich unbedingt testen, denn so werden Infektionsketten unterbrochen und die eigene Gesundheit erhalten – denn Menschen unter Therapie können ein normales Leben führen und geben das Virus nicht weiter!“, appelliert Mantell.

Veranstaltungen der „aidshilfe Dortmund“ zum „Welt-Aids-Tag “

Archivfoto: Laura Sommer für Nordstadtblogger.de

Trotz der aktuellen Bedingungen und vorbehaltlich der weiteren Entwicklungen hat die „aidshilfe dortmund“ auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen rund um den Welt-Aids-Tag geplant:

  • 1. und 2. Dezember, 10 bis 14 Uhr an der Technischen Universität Dortmund: HIV-Schnelltestaktion – anonym und kostenlos.
  • 1. Dezember, 18 bis 20:30 Uhr CAYA (Come As You Are) – Geselliges Backen und Empowerment für Frauen und nicht-binäre Personen im caféplus
  • 3. Dezember, ab 19 Uhr: Glühweinumtrunk und Vortrag/Diskussion mit Dr. Hower zu Neuerungen im Bereich HIV im caféplus
  • 5. Dezember, 12 bis 16 Uhr: WAT-Aktionstag in der MISSAD-Church (Brennaborstraße 10)
  • 6. Dezember, 18.30 bis 21 Uhr: Beratung und Test. Anonymer und kostenloser HIV-Schnelltest und STI-check für schwule/bisexuelle Männer im Gesundheitsladen pudelwohl
  • 7. Dezember, 18 Uhr: Vortrag und Diskussion: HIV und Schuld, online (Anmeldung unter info@pudelwohl-dortmund.de)

Die Fakten (aktuellste Daten zum Jahr 2020 vom Robert Koch-Institut):

In Deutschland

  • leben rund 91.400 Menschen mit HIV
  • infizierten sich in 2020 etwa 2.000 Menschen mit HIV (2019: 2.300); der Trend bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) ist dabei rückläufig, bei Drogenkonsument:innen sowie bei heterosexuellen Übertragungen weiterhin ansteigend
  • nehmen 97 Prozent der Menschen mit HIV-Diagnose HIV-Medikamente, 96 Prozent dieser Therapien verliefen erfolgreich (kaum Viruslast im Blut und damit auch nicht infektiös)
  • wissen noch immer ca. 9.500 Menschen nichts von ihrer Infektion und erhalten deswegen keine Behandlung
  • erkranken deswegen immer noch rund 1.000 Menschen pro Jahr an Aids oder einem schweren Immundefekt – obwohl es vermeidbar wäre
  • sind ca. 380 Menschen mit HIV gestorben

In NRW

  • leben rund 21.200 Menschen mit HIV
  • waren im Jahr 2020 440 Neuinfektionen zu verzeichnen (2019: 385) sowie rund 100 Todesfälle

In Dortmund

  • wurden beim RKI 48 Neudiagnosen im Jahr 2020 dokumentiert (2019: 50), in 2021 bislang 34
  • war die Zahl der Neudiagnosen in 2019, bei denen der Übertragungsweg „heterosexueller Kontakt“ angegeben wurden, mit zwölf Fällen außergewöhnlich hoch und im Vergleich zur Gruppe der MSM (acht Neudiagnosen) und Drogengebrauchenden (zwei Neudiagnosen) erstmalig am größten
  • leben nach eigenen Schätzungen knapp 1.000 Menschen mit HIV
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Weitere Informationen:

aidshilfe dortmund e.v.
Gnadenort 3 – 5, 44135 Dortmund
Telefon: 0231 1888770
Fax: 0231 1888769
E-Mail: info@aidshilfe-dortmund.de
www.aidshilfe-dortmund.de

www.pudelwohl-dortmund.de

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