
Wer als normale:r Besucher:in ins Rathaus kommt, kann jetzt die Wendeltreppe in die zweite Etage hochgehen und trifft dort auf eine Reihe von ernst dreinblickenden Männern: die Dortmunder Oberbürgermeister. Der gegenwärtige Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) hatte diese Bildgalerie eröffnet. Dabei kam es zu Unmut zwischen ihm und seinem Amtsvorgänger.
Kalouti: „Eine respektvolle Art, den Menschen zu gedenken“
Ohne viel Brimborium hängen sie also da: Alle Dortmunder Oberbürgermeister seit 1945. Seit dem Ende der Nazi-Herrschaft. Die ersten von ihnen wurden noch von der britischen Besatzungsmacht ernannt, dann vom Stadtrat gewählt und ab 1999 direkt von den Dortmunder:innen.

Alexander Kalouti erklärte in seiner Ansprache, weshalb ihm diese Galerie so wichtig ist. In seiner Zeit im bayerischen Wirtschaftsministerium, wo er für den FDP-Wirtschaftsminister gearbeitet hat, „gab es einen langen Gang“ und dort hingen alle bayerischen Wirtschaftsminister seit 1945.
Das sei „eine respektvolle Art, den Menschen zu gedenken“, die die Stadt durch Krisenzeiten getragen und Dortmund gestaltet haben. Für alle Bürger:innen sei diese Galerie ein besonderer Ort, denn jede:r Bürger:in habe eine persönliche Geschichte mit „ihrem“ oder „seinem“ Oberbürgermeister.
Der Galerie ging ein kleiner, aber Monate andauernder Disput zwischen dem Oberbürgermeister Kalouti und seiner Verwaltung voraus, da Kaloutis Auftrag, die Bilder aufzuhängen, lange nicht nachgegangen wurde, wie die Ruhr Nachrichten berichteten. Doch jetzt hängt sie und Kalouti freute sich sichtlich über diesen Erfolg.
Alle Dortmunder Oberbürgermeister auf der zweiten Etage im Rathaus
Dann verlas der Oberbürgermeister die Namen aller bisherigen Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, die sich grob in drei Gruppen teilen lassen: Zum einen sind da die Oberbürgermeister, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von den britischen Besatzungsmächten eingesetzt wurden. Das sind: Hermann Ostrop (CDU, 1946), Wilhelm Hansemann (SPD, 1946) und Herbert Scholtissek (CDU, 1946). Bei diesen würdigte Kalouti besonders ihr Engagement in der Nachkriegszeit und den Wiederaufbau Dortmunds, für den sie sich eingesetzt hatten.

Die zweite Gruppe könnten die Sozialdemokraten genannt werden: Fritz Henßler (SPD, 1946–1953), Dietrich Keuning (SPD, 1954–1969), Heinrich Sondermann (SPD, 1969-1973) und Günter Samtlebe (SPD, 1973–1999). Hier hob Kalouti die Entwicklung der Dortmunder Wirtschaft, der Universitätslandschaft und die Meisterung des Strukturwandels hervor.
Das Besondere dabei: Die ehrenamtlichen Oberbürgermeister bis 1999 waren nicht die Chefs der Verwaltung, sondern der jeweilige hauptamtliche Oberstadtdirektor. Die ehrenamtlichen Oberbürgermeister wurden bis 1999 vom Stadtrat gewählt, saßen diesem vor und erfüllten repräsentative Aufgaben. Verwaltungsentscheidungen konnten sie nicht treffen.
In der Gegenwart angekommen und nach dem Inkrafttreten einer neuen NRW-Gemeindeordnung gingen die Kompetenzen des vormaligen Ovberstadtdirektors auf den Oberbürgermeister über, der jetzt auch direkt von den Dortmunder:innen gewählt wird. Zwei von den vieren hängen auch schon an der Wand: Gerhard Langemeyer (SPD, 1999–2009) und Ullrich Sierau (SPD, 2009–2020). Bei diesen erinnerte Kalouti an deren Leistungen, Dortmund in die Gegenwart zu führen und Projekte wie den Phoenix-See zu realisieren sowie an ein großes Engagement gegen Rechtsextremismus.
Missstimmung zwischen Alt-OB Westphal und Neu-OB Kalouti
Die Spannung stieg während Kaloutis Rede. Denn ein Bild fehlte: das Bild seines direkten Amtsvorgängers, Thomas Westphal (SPD, 2020–2025). Den beiden wird kein besonders gutes Verhältnis nachgesagt, doch würden sie sich hier zur Eröffnung vielleicht zu einer gemeinsamen Geste entscheiden und Westphals Bild als Zeichen des einjährigen Amtswechsels gemeinsam aufhängen. Es kam etwas anders.

Als Kalouti in seiner Aufzählung beim Namen Thomas Westphal anlangte, würdigte er nicht etwa Thomas Westphals Verdienste, Kalouti erklärte stattdessen, die Leerstelle an der Wand. Denn Westphal habe kein abschließendes Urteil zum Konzept getroffen. Er könne sich aber hier vom Konzept überzeugen, meinte Kalouti. Wenn das der Fall ist, würden alle Oberbürgermeister von 1945 bis 2025 dort hängen, so der Oberbürgermeister.
Alt-OB Thomas Westphal rief während Kaloutis Anmerkungen dazwischen und sagte, dass er das so nie gesagt habe, brachte den Neu-OB damit kurz ins Straucheln, der aber dann auf das Schlussplädoyer seiner Rede zusteuerte. „In einer Zeit, in der die politischen Ränder rechts und links erstarken“, müsse sich die politische Mitte zusammenraufen. Die Bildgalerie sei ein Stück „gute, deutsche Geschichte“, an dem sich die Dortmunder Politik ein Beispiel nehmen könne. „Das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, beschloss Kalouti seine Rede.
Ein Ratsbeschluss gegen die Bildergalerie?
Danach wurde ein gemeinsames Foto der noch lebenden und anwesenden Oberbürgermeister und deren Angehörigen geschossen. Westphal und Kalouti lächelten routiniert in die Kamera, das Ganze wirkte dennoch verkrampft. Die beiden zischelten sich etwas zu, was aber nicht verständlich war.

Nach dem Foto erklärte Thomas Westphal, was er gegen die Galerie hat. Erstens hätte er sich ein gemeinsames Vorgehen von Rat und Oberbürgermeister gewünscht. Zudem soll es einen Ratsbeschluss gegeben haben, der eine solche Galerie verhindert. Der Grund soll damals gewesen sein, einen Personenkult zu verhindern. Wann genau der Beschluss gefasst wurde, konnte bisher nicht nachvollzogen werden.
Anwesende Ratsvertreter:innen zeigten grundsätzliche Sympathie für die Idee des Oberbürgermeisters, kritisierten aber – ähnlich wie Westphal –, dass er die Entscheidung über den Stadtrat hinweg getroffen habe. Ferner finde eine Gleichsetzung von Oberbürgermeistern vor 1999 und nach 1999 statt, obwohl diese ganz andere Rollen und Kompetenzen hatten.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

