Fußballpionierin Renate Breß ist gestorben: Sie archivierte die Geschichte des Frauenfußballs

Noch 2025 erzählte sie den BVB-Frauen von ihrer Spielerinnenkarriere

Frau steht am Rande eines Fußballplatzes
Fußballpionierin Renate Breß – hier im vergangenen Dezember bei den BVB-Frauen –  ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger

Von Susanne Schulte

Die Fußballpionierin Renate Breß ist jetzt im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Nordstädterin spielte nicht nur im ersten Dortmunder Frauenfußballverein Fortuna Dortmund 55 und zwei Jahre später in der ersten nicht-offiziellen Frauen-Nationalmannschaft, sie sammelte auch viele, viele Zeitungsberichte über die Spiele dieses Nationalteam, das in Stadien vor allem in Süddeutschland, aber auch im Ausland antrat.

In den 1950er Jahren fanden Fußball spielende Frauen keinen Platz  

Dieses Archiv begeisterte immer wieder ihre Gäste. Vor allem die, die sie besuchten, um für Berichte, Bücher und Dokumentationen über die Anfänge des deutschen Frauenfußballs zu recherchieren.

Eine große Gruppen von Menschen stellt sich zum Gruppenbild auf
Mit dem Team der BVB-Frauen ließ sich Renate Breß samt Trikot  gerne ablichten. Foto: Susanne Schulte für Nordstadtblogger

Noch im vergangenen Dezember trat Renate Breß im Hoeschpark gegen den Ball und spielte ihn Pastor Ekkehard Brach zu, einem erklärten Frauenfußball-Anhänger.

Breß war der Einladung des BVB gefolgt, den Frauen der ersten Mannschaft, die zurzeit im Hoeschpark ihr Trainingszentrum haben, etwas über ihre aktive Zeit zu erzählen und über die Schwierigkeiten der Fußballerinnen in den 1950er Jahren, einen Platz nutzen zu dürfen. Ekkehard Brach hatte sie zu diesem Termin begleitet.

Große Erfolge mit der ersten inoffiziellen Frauennationalmannschaft

Die BVB-Spielerinnen erfuhren von Breß, dass der DFB 1955 den Frauenfußball verboten hatte, Vereinen drohte, die ihre Plätze dennoch zur Verfügung stellten, den Sportgroschen zu streichen.

Repro: Leopold Achilles

Vor allem faszinierten die Sportlerinnen die Alben mit den gesammelten Zeitungsausschnitten über die fast zehn Jahre dauernde Tournee der Frauennationalmannschaft.

Über dieses Archiv hatte nordstadtblogger 2022 einen Artikel veröffentlicht, der auch dem Herausgeber der Zeitschrift FFußball – dem Frauenfußball-Magazin – so gut gefiel, dass er ihn nachdruckte.

Zeitungsberichte waren respektvoller als die Kommentare der Fernsehmoderatoren

Renate Breß ist in der Nordstadt groß geworden und hat ihr Leben hier verbracht. Sie ist den Nachbar*innen vor allem bekannt als Kioskbetreiberin und Kneipenwirtin an der Seite ihres Mannes. Manch eine*r sah sie später auch im Fernsehen, als man über Frauenfußball in Sportsendungen redete.

Renate Breß als junge Spielerin. Foto: Susanne Schulte

Doch waren dort die Kommentare und Ansprachen bei Weitem weniger respektvoll, als die Zeitungsberichte der Sportreporter aus den 1950er und 1960er Jahren. Hier wurde zwar über Locken und Zöpfe gelästert, aber die Leistung gewürdigt.

Im März feierte Renate Breß mit ihren Dortmunder Fußballfreundinnen ihren Geburtstag. Morgen wird sie beigesetzt. Die Traueransprache hält Pfarrer Ekkehard Brach.

Renate Breß und ihre Begeisterung für den Fußball werden nicht vergessen sein. Ihr Spielerinnenpass liegt schon seit einiger Zeit im Deutschen Fußballmuseum und ist in einer Vitrine ausgestellt. 


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