Oscar Wildes Drama neu befragt: Eine junge Frau ringt im Studio um Selbstbestimmung

Das Schauspielhaus Dortmund eröffnet Spielzeit 2026/27

Zwei Schauspieler:innen auf der Bühne.
Mit „Salome“ eröffnet das Schauspiel Dortmund seine Spielzeit 2026/27. Foto: Birgit Hupfeld/ Theater Dortmund

Das Schauspielhaus Dortmund startet am Sonntag (20. September 2026) mit der Premiere von Oscar Wildes Drama „Salome“ im Studio in die neue Spielzeit. Die Neuinszenierung rückt dabei nicht die blutige Forderung nach dem Haupt des Johannes in den Vordergrund, sondern das Ringen der Hauptfigur um echte Wahrnehmung in einer patriarchalen Gesellschaft. Erzählt aus der reflektierenden Rückschau ihrer Mutter Herodias bricht der Abend gezielt mit tradierten Klischees über die vermeintliche Verführerin.

Das Stück bricht mit überlieferten Rollenbildern

Im Zentrum der Dortmunder Spielzeiteröffnung steht eine fundamentale Verschiebung der dramatischen Perspektive auf den antiken Stoff. Während die klassische Rezeption die Protagonistin primär als berechnende Femme fatale oder als sündige Heilige stilisierte, konzentriert sich die Regie auf Salomes Einsamkeit.

Alle Blicke der männlichen Herrscherfiguren sind ununterbrochen auf ihren Körper gerichtet, ohne dass jemand ihr Wesen begreift. Der berüchtigte Schleiertanz vor Tetrarch Herodes setzt zwar die verhängnisvolle Kette dramaturgischer Ereignisse in Gang, dient hier jedoch als Chiffre für Unterdrückung.

Das Konzept fragt nach den Ursachen dafür, dass die Wünsche der jungen Frau von ihrer Umwelt systematisch ignoriert werden. Es gehe vor allem darum, warum niemand sie wirklich sehe, betont das Produktionsteam im Vorfeld der Premiere.

Dadurch wandelt sich das historische Drama in eine zeitgenössische Studie über patriarchale Machtstrukturen und den mühsamen Kampf um Autonomie. Anstelle stereotyper Verführungsmuster thematisiert das Werk die seelischen Beschädigungen durch ständige fremde Zuschreibungen. Das Dortmunder Ensemble zeigt Salome als Mensch, der inmitten von Machtkalkülen um Anerkennung kämpft.

Ein dreiköpfiges Ensemble übernimmt wechselnde Figuren

Formal wählt die Produktion einen retrospektiven Ansatz, der die Handlung konsequent aus der Erinnerung von Salomes Mutter Herodias entfaltet. In den verlassenen Räumlichkeiten des Palastes durchlebt die Mutter jene fatale Nacht im Nachhinein Schritt für Schritt noch einmal. Rasche Zeitsprünge und eine sprunghafte Dramaturgie lassen die Konturen dieser brüchigen Welt vor den Theaterbesucher:innen plastisch entstehen.

Das Verwaltungsgebäude des Schauspiels.
Die Premiere findet am 20. September 2026 um 18 Uhr im Studio des Schauspielhaus Dortmund statt. Foto: Lisa Bunse für das Theater Dortmund

Auf der Bühne des Studios agieren insgesamt drei Darsteller:innen in mehrfach besetzten Rollenkonstellationen. Sarah Quarshie verkörpert sowohl die Titelfigur Salome als auch deren Mutter Herodias, während Viet Anh Alexander Tran als namenlose Person, Johannes und ebenfalls als Salome agiert. Luis Quintana komplettiert das Ensemble als Tetrarch Herodes sowie in der Rolle des Narraboth.

Für die Regisseurin Madita Scülfort bedeutet diese Eröffnungsproduktion zugleich ihr persönliches Regiedebüt am Dortmunder Haus. Unterstützt wird sie von Dramaturg:innen wie Jasco Viefhues sowie Regieassistent:innen wie Samuel Abendroth. Das Sounddesign von Karl Neukauf, die Choreografie von Beatrice Masala und die Ausstattung von Slynrya Kongyoo runden die dichte Bühnenarbeit ab.

Der Vorverkauf für die ersten Aufführungen hat begonnen

Die Uraufführung dieser Neuinterpretation beginnt am Sonntag, 20. September 2026, um 18 Uhr im Studio des Schauspielhauses Dortmund. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn, ab 17:30 Uhr, bietet das Ensemble den Theaterbesucher:innen eine fundierte Einführung in die Hintergründe der Inszenierung an.

Im direkten Anschluss an die Vorstellung ist eine gemeinsame Premierenfeier im Theaterfoyer geplant. Für die darauf folgenden Spieltage hat das Theater bereits zwei weitere Termine im Dortmunder Studio fest im Spielplan verankert. Eine Abendvorstellung findet am Samstag, 26. September, um 20 Uhr statt, gefolgt von einer weiteren Aufführung am Sonntag, 27. September, um 18 Uhr. Zusätzliche Folgetermine für die laufende Saison 2026/27 sollen in Kürze bekanntgegeben werden.

Eintrittskarten für die Vorstellungen können Interessierte vor Ort im Kundencenter am Platz der Alten Synagoge erwerben. Darüber hinaus steht für alle Theatergänger:innen die Online-Buchung über das Ticketportal auf der offiziellen Theater-Webseite bereit. Aufgrund der begrenzten Platzzahl im Studio empfiehlt das Schauspielhaus eine frühzeitige Reservierung der gewünschten Plätze.

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