Neue Ideen oder Abriss: Geschichtsabend zur Zukunft der ehemaligen Ketteler-Grundschule

Evinger Geschichtsverein nimmt historischen Schulstandort in den Blick

Außenansicht der Schule 1982
Die Kettler Schule 1982, der Evinger Geschichtsverein diskutiert ihre Vergangenheit und Gegenwart bei einer Veranstaltung. Foto: Evinger Geschichtsverein

Die Geschichte und mögliche Zukunft der ehemaligen Ketteler-Grundschule in Dortmund-Obereving stehen im Mittelpunkt eines Geschichtsabends des Evinger Geschichtsvereins. Dabei geht es sowohl um die mehr als 125-jährige Entwicklung des Schulstandorts als auch um die Frage, wie das seit 2020 leerstehende Gebäude künftig genutzt werden könnte. Über die Vergangenheit der Schule berichtet am 15. Juni 2026 Justin Mindt, Nachbar des Gebäudes am Falläckerweg. Im Anschluss soll über Perspektiven für den Erhalt des Gebäudes diskutiert werden.

Schulbau als Antwort auf die Schulnot in Eving

Mit zahlreichen Schulneubauten reagierte die Stadt Dortmund um 1900 auf den starken Zuzug von Industriearbeitern und ihren Familien. Während der Hochphase der Industrialisierung herrschte große Schulnot. In Eving wurde beispielsweise im Frohning’schen Wirtschaftssaal eine Klasse mit 88 Kindern unterrichtet. Um die Situation zu verbessern, eröffnete man 1901 am Falläckerweg 23 in Obereving eine neue Schule. Sie erhielt den Namen „Bismarckschule“ und stand katholischen Kindern aus Bergarbeiterfamilien offen.

Typisch für den Schulbau jener Zeit waren hohe Klassenräume, die den preußischen Vorgaben entsprachen, symmetrische Fassaden, repräsentative Treppenhäuser sowie aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, getrennte Eingänge für Jungen und Mädchen, fand der Evinger Geschichtsverein bei seinen Forschungen heraus.

Während Schulen zunächst überwiegend kirchlich organisiert waren, trieb Preußen im 19. Jahrhundert die Verstaatlichung des Bildungswesens voran. Die Entwicklung eines modernen staatlichen Schulwesens eröffnete jedoch auch Möglichkeiten staatlicher Einflussnahme und politischen Missbrauchs. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Bismarckschule in „Emil-Kirdorf-Schule“ umbenannt. Namensgeber war der Ruhrindustrielle Emil Kirdorf, der die nationalsozialistische Diktatur bereits früh unterstützte.

Ketteler-Schule blieb bis 2020 wichtiger Bildungsstandort

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Unterricht aufgrund der Kriegsschäden erst nach Ostern 1947 wieder aufgenommen werden, zunächst nur unter provisorischen Bedingungen. So stand auf dem Schulhof lediglich ein „Not-Klosett“ zur Verfügung.

Klassenfoto von 1925
Schulentlassung der Ketteler Schule 1925. Foto: Evinger Geschichtsverein

In der Nachkriegszeit erhielt die Schule den Namen Ketteler-Schule, später Ketteler-Grundschule. Namensgeber war der katholische Sozialreformer Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Im Jahr 1969 nahm zudem das heutige Heisenberg-Gymnasium zunächst in den Räumen der Ketteler-Schule seinen Betrieb auf, bevor es ein eigenes Schulgebäude bezog.

Mit der Verlagerung des Unterrichts an die damalige Osterfeld-Grundschule, die heutige Mosaik-Grundschule, endete 2020 die Geschichte der Ketteler-Grundschule in einem der ältesten Gebäude Oberevings. Zwar war das Dach erst zwei Jahre zuvor umfassend saniert worden, doch fehlten eine Turnhalle sowie geeignete Räume für den Betrieb einer Offenen Ganztagsschule.

Leerstand und offene Zukunftsfragen für das Gebäude

Seit sechs Jahren steht das Gebäude mit seinen neun Klassenräumen, einem Gymnastikraum und den Verwaltungsräumen nun leer. Umgeben von einem fußballfeldgroßen Schulhof mit altem Baumbestand ist es ungenutzt und verschlossen. Aufgrund zahlreicher Umbauten kommt eine Unterschutzstellung als Baudenkmal nicht in Betracht. Jedoch wird das Gebäude von der Denkmalpflege wegen seiner historischen Bausubstanz als besonders erhaltenswert eingestuft.

„Trotz des jahrelangen Leerstands fehlt bis heute ein tragfähiges Nachnutzungskonzept, das den Erhalt des Gebäudes sichern und einen Abriss verhindern könnte“, stellt Wolfgang Skorvanek, Vorsitzender des Evinger Geschichtsvereins, fest. Vor diesem Hintergrund rücken mögliche Perspektiven für eine künftige Nutzung des Gebäudes in den Fokus.

Wäre eine gemischte Nutzung mit Tiny Houses auf dem Schulhof, einem Gesundheitszentrum im Erdgeschoss und Wohnungen in den oberen Etagen eine denkbare Option? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der Diskussion beim Geschichtsabend des Evinger Geschichtsvereins am 15. Juni 2026 um 18 Uhr im ehemaligen Wohlfahrtsgebäude am Nollendorfplatz 2.

Unterstütze uns auf Steady

Reaktionen

  1. Hans Bickenbach

    Warum wird von Seiten des Eigentümers, der Stadt Dortmund eigentlich zunächst (mindestens!) 5 Jahre(!) abgewartet, die Immobilie dem Verfall ausgesetzt, bis dann doch „endlich“ mal nach Vorschlägen zu einer sinvollen (Weiter-)Nutznug gefragt wird???

    DIE Diskussion hätte bereits vor 5 Jahren eingeleitet und vielleicht sogar sinnvoll abgeschlossen sein können! Was für ein Blödsinn! Was für eine Verschwendung von Bausubstanz und Ressourcen!

    Hans Bickenbach

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert