
Mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten, bessere Beleuchtung und eine höhere Aufenthaltsqualität: Rund 60 Bürger:innen haben bei einer Planungswerkstatt im Dietrich-Keuning-Haus über die Zukunft der Münsterstraße diskutiert. Dabei wurden auch Konflikte sichtbar. Während viele Teilnehmende mehr Aufenthaltsqualität forderten, äußerten einige Gewerbetreibende Kritik an den bisherigen Planungen und zweifelten daran, ob die Interessen des Handels ausreichend berücksichtigt werden. Die Stadt will die Ergebnisse nun evaluieren lassen – Baubeginn frühstens ab 2028.
Diskussionsformat soll Ideen aus dem Quartier aufnehmen
Zum Auftakt der Diskussion bezeichnete Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum die Münsterstraße als einen Ort mit vielen unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen. „Es ist wichtig, dass möglichst viele Personen ihre Perspektive einbringen können“, erklärte sie. Die Straße sei ein Raum mit vielen Wünschen und Herausforderungen.

„Alle Perspektiven die eingebracht werden sind wichtig“, betonte Rosenbaum. Ziel der Veranstaltung sei es, Ideen, Wünsche und Anregungen aus dem Quartier aufzunehmen und in die weiteren Planungen einfließen zu lassen.
Auch Planungsdezernent Stefan Szuggat warb für eine aktive Beteiligung der Nordstädter:innen. „Das ist genau ihr Abend heute, bei dem sie sich alle einbringen können“, erklärte er zu Beginn der Veranstaltung. Mit Blick auf die langen Vorlaufzeiten städtischer Projekte fragte er selbstkritisch: „Warum dauern Prozesse manchmal so lange?“ Die aktuelle Planung sei unter anderem durch Fördermittel aus der Städtebauförderung möglich geworden. Auch in der Zukunft wolle man die Öffentlichkeit weitestgehend einbinden.
Potenziale sind vorhanden: Die Münsterstraße soll weiterentwickelt werden
Stadtplaner Nikolai Soyka vom Büro „Schöne Aussichten“ zeichnete einen kurzen Umriss der bisherigen Planung. Die Münsterstraße sei zwar „ein bisschen in die Jahre gekommen“, verfüge aber weiterhin über große Potenziale. Dabei verwies er unter anderem auf Handel, Gastronomie, soziale Einrichtungen und die kulturelle Vielfalt entlang der Straße.

Gleichzeitig betonte Soyka, dass die aktuelle Planung auf bereits vorhandenen Konzepten aufbaut. „Wir haben nicht bei Null angefangen“, betonte er. Bereits 2021 seien im Rahmen eines Werkstattverfahrens Leitideen für die zukünftige Entwicklung der Münsterstraße erarbeitet worden.
Damals standen insbesondere mehr Grün, eine höhere Aufenthaltsqualität, zusätzliche Freizeitmöglichkeiten und eine Verringerung des Autoverkehrs im Mittelpunkt. Diese Grundideen wurden später auch in das Handlungskonzept Nordstadt übernommen. Der Rat der Stadt Dortmund beschloss im März 2026 das Konzept „Quartiersmitte Münsterstraße“ als Grundlage für die weitere Planung.
Diskussionen über Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit
Im Anschluss konnten die Teilnehmenden an fünf Stationen über einzelne Abschnitte der Münsterstraße diskutieren. Auf großen Karten wurden Vorschläge für Sitzgelegenheiten, Grünflächen, Fahrradabstellanlagen, Spielangebote oder Parkplätze gesammelt.

Dabei zeigte sich deutlich, dass die Vorstellungen zur künftigen Nutzung der Straße teilweise auseinandergehen. Viele Teilnehmende sprachen sich für mehr Aufenthaltsqualität und zusätzliche Grünflächen aus. Andere verwiesen auf die Bedeutung von Parkplätzen und Lieferzonen für den lokalen Handel.
Kritik kam unter anderem von der Optikerin Gülcan Urul. Sie äußerte Zweifel daran, dass die Interessen der Gewerbetreibenden ausreichend berücksichtigt würden. So sei bereits vieles entschieden worden. Die grundlegende Richtung der Planung bewertet sie kritisch.
Der Mehmet-Kubaşık-Platz steht im Mittelpunkt vieler Ideen
Besonders intensiv wurde über die Zukunft des Mehmet-Kubaşık-Platzes diskutiert. Mehrere Teilnehmende beschrieben den Platz als wenig einladend und wünschen sich eine deutliche Aufwertung des Bereichs.

Genannt wurden unter anderem zusätzliche Sitzgelegenheiten, mehr Grünflächen, Wasserspiele und bessere Beleuchtung. Auch ein Lesegarten in der Nähe der Volkshochschule sowie zusätzliche Mülleimer wurden vorgeschlagen. Mehrfach wurde zudem über Fragen von Sicherheit und Sauberkeit gesprochen.
Für Züleyha Temiz ist Platz ein wichtiger Eingang zur Münsterstraße. „Der Platz ist die Tür zur Münsterstraße, und das sollte sichtbar werden“, erklärte sie. Darüber hinaus regte sie eine mehrsprachige Informationstafel an. Diese soll sowohl an Mehmet Kubaşık erinnern als auch die Vielfalt und Geschichte des Quartiers sichtbar machen. „Die Münsterstraße ist Teil meiner Kindheit“, betonte Temiz.
Viele Wünsche wurden sichtbar: Sicherheit und Barrierefreiheit spielen wichtige Rolle
Neben einzelnen Orten tauchten mehrere Themen in fast allen Arbeitsgruppen auf. Dazu gehörte die Barrierefreiheit. Mehrere Teilnehmende forderten, die Bedürfnisse älterer Menschen stärker zu berücksichtigen. Insbesondere das Kopfsteinpflaster wurde dabei mehrfach angesprochen.

Auch Fragen von Sicherheit und Sauberkeit spielten eine wichtige Rolle. Gewünscht wurden unter anderem bessere Beleuchtung, gepflegte Grünflächen und Maßnahmen gegen Verschmutzung und Vandalismus.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie die Identität der Münsterstraße künftig stärker sichtbar gemacht werden kann. Dabei ging es sowohl um die Geschichte der Straße als auch um ihre Bedeutung für die kulturelle Vielfalt der Nordstadt.
Weitere Beteiligung geplant: Baubeginn ab frühstens 2028
Abschließend wurden die Ergebnisse zu den einzelnen Straßenabschnitte vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass viele Themen abschnittsübergreifend diskutiert wurden. Grünflächen, Sitzgelegenheiten, Sicherheit, Fahrradabstellanlagen und Fragen der Erreichbarkeit spielten an vielen Stellen eine Rolle.

Sebastian Kröger, Leiter des Amts für Stadterneuerung, zog ein positives Fazit. Zwar hätte er sich noch mehr Teilnehmende gewünscht. Gleichzeitig ermögliche die überschaubare Gruppengröße intensivere Diskussionen. Die unterschiedlichen Interessenlagen seien deutlich geworden. Auch Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum zeigte sich zufrieden mit der Veranstaltung. „Ein Raum der für die Menschen gestaltet wird, sollte auch mit ihnen gestaltet werden“, erklärte sie gegenüber Nordstadtblogger.
Die Ergebnisse sollen nun ausgewertet werden. Ab dem 13. Juli will die Stadt die gesammelten Anregungen veröffentlichen. Vom 13. Juli bis zum 9. August ist zudem eine weitere Online-Beteiligung geplant. Einen Ratsbeschluss zu den Umbaumaßnahmen wird es voraussichtlich in der ersten Hälfte des kommenden Jahres geben. Die eigentlichen Bauarbeiten starten dann frühstens Ende 2028.
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