Neue Ausbildungskonzepte sollen Pflegenotstand in Deutschland entschärfen helfen

Bärbel Bas eröffnet die zweite regionale Fachkräftewerkstatt in Dortmund

Bild zeigt: Sebastian Hauschild, Praxisleiter mit Aida Mariya und Omnia Guessab
Bundesministerin Bärbel Bas besuchte das Skills-Lab im Ausbildungshaus des SHDO. H. Sommer

Wer pflegt morgen Deutschland? Angesichts des bundesweiten Fachkräftemangels besonders in der Pflege sucht die Politik nach Lösungen, um ausreichend Nachwuchs für die Branche zu gewinnen. Wie das gelingen kann, stand im Mittelpunkt der zweiten Regionalen Fachkräftewerkstatt, die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am 1. Juni 2026 in Dortmund eröffnete. Gastgeber waren die Städtischen Seniorenheime Dortmund gGmbH (SHDO). Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten dort über Wege zur Fachkräftesicherung.

Das eigene „Azubihaus“ der SHDO

Die SHDO beschäftigen rund 1.100 Mitarbeitende aus 45 Nationen und betreuen an neun Standorten etwa 1.500 Bewohnerinnen und Bewohner. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, setzt SHDO seit 2023 auf ein neues Ausbildungskonzept, das Auszubildende frühzeitig an den Berufsalltag heranführen und ihre Erfolgschancen in der Ausbildung erhöhen soll.

Bild zeigt: Bewohner:innen bei dem Termin
Die Bewohner:innen des Ausbildungshaus („Azubihaus“). H. Sommer

Kern des Modells ist das eigene Ausbildungshaus („Azubihaus“), das aus einer 16-Betten-Ausbildungsstation hervorging und inzwischen 32 Plätze für pflegebedürftige Bewohner:innen umfasst.

Dort werden die Auszubildenden von festen Praxisanleiter:innen individuell begleitet und übernehmen von Anfang an schrittweise Verantwortung im Pflegealltag. Ziel ist es, die Ausbildungsqualität zu steigern, den Einstieg in den Beruf zu erleichtern und mehr Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen.

Ergänzt wird das Konzept durch ein sogenanntes Skills-Lab. Dort trainieren die Auszubildenden pflegerische Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen, bevor sie diese am Bewohner anwenden. Zum Einsatz dafür kommt eine vollelektrische Pflegepuppe, die unterschiedliche Pflegesituationen simulieren kann.

„Ich finde das Azubihaus sehr faszinierend. In allen Bereichen haben die Auszubildenden die Macht übernommen. Sie lernen von Beginn an zu organisieren und zu managen. Das ist eine gelungene Kombination“, sagte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas nach ihrem Besuch.

Das Ausbildungskonzept hat bereits Erfolg

Nach Angaben der SHDO habe sich das Konzept inzwischen deutlich bewährt. „Das Konzept hat sich bewährt und trägt Früchte“, betonen die Verantwortlichen. Die Zahl der Auszubildenden sei von 57 im Jahr 2022 auf 125 im Jahr 2025 gestiegen. Zudem wurde das Ausbildungshaus in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Altenheim Zukunftspreis 2025“.

Bild zeigt Auszubildende bei SHDO
Die Auszubildenden bei SHDO sind glücklich über das neue Konzept. H. Sommer

Auch Auszubildende berichten von positiven Erfahrungen. Tobias Makula entschied sich erst mit 30 Jahren für den Einstieg in die Pflege. Besonders die enge Verzahnung von Theorie und Praxis habe ihn überzeugt und motiviert.

Majd Abo Bakr, der nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst eine Kochausbildung absolvierte, schloss diese vor sieben Monaten erfolgreich ab. Rückblickend bezeichnet er die Ausbildung als „die besten drei Jahre meines Lebens“.

Trotz der positiven Entwicklung sehen die Verantwortlichen weiterhin Handlungsbedarf. So müsse insbesondere die Abbruchquote in der Ausbildung weiter gesenkt werden. Zudem bestehe zusätzlicher Bedarf an finanzieller Unterstützung für Pflegeschulen, etwa bei der digitalen Ausstattung.

Die Vernetzung als Schlüssel für den Fachkräftemangel

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs verwies Bärbel Bas auf die Regionalen Fachkräftewerkstätten als zentrales Dialogformat zwischen Politik, Wirtschaft und Arbeitsmarktakteuren. Entscheidend sei dabei die enge Vernetzung vor Ort sowie die gegenseitige Unterstützung der beteiligten Akteure. Ergänzend verwies sie auf verstärkte Investitionen des Bundes in Berufssprachkurse, um insbesondere Zugewanderten den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Bild zeigt:v.l. Aida Mariya, Bärbel Schröder, Omnia Guessab und Ministerin Bärbel Bas
Auszubildende und eine Bewohnerin überreichten Bärbel Bas ein Geschenk. H. Sommer

Im Mittelpunkt der anschließenden Fachkräftewerkstatt standen die Themen Ausbildung, Erwerbsbeteiligung, Inklusion, Arbeitskultur und Fachkräfteeinwanderung.

Die Ergebnisse der regionalen Gespräche sollen in die Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie der Bundesregierung einfließen. Weitere Fachkräftewerkstätten sind in den kommenden Monaten in Nord- und Süddeutschland geplant.


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