
Der Rat der Stadt Dortmund hat mehrere Beschlüsse zu Kindern und Jugendlichen auf den Weg gebracht. Im Fokus stand unter anderem die strategische Neuausrichtung der stationären Hilfen zur Erziehung. Hintergrund sind zunehmende Schwierigkeiten bei der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Zudem verlängerte der Rat das Modellprojekt KinderCampus bis Ende 2026. Auch die Kinderkommission wird ihre Arbeit fortsetzen. Darüber hinaus wurden mehrere Schulbauprojekte auf den Weg gebracht.
Die Hilfen für Kinder und Jugendliche soll langfristig gestärkt werden
Die Situation bei den stationären Hilfen zur Erziehung hat sich nach Angaben der Verwaltung in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. Fachkräfte des Jugendamtes könnten trotz Bemühungen nicht immer rechtzeitig geeignete Unterbringungsangebote für Kinder und Jugendliche bereitstellen. Besonders im Bereich der stationären Hilfen hätten sich merkliche Versorgungslücken entwickelt.

Mit der nun beschlossenen strategischen Neuausrichtung will die Stadt dieser Entwicklung entgegenwirken. Der Rat beauftragte die Verwaltung damit, das Projekt „Dortmunder Weg“ dauerhaft fortzuführen und auszubauen. Es richtet sich an sogenannte Systemsprenger. Damit sind Kinder und Jugendliche mit besonders komplexen Unterstützungsbedarfen gemeint, für die bestehende Hilfesysteme oft an ihre Grenzen stoßen.
Zum Projekt gehören unter anderem eine Koordinierungsstelle und ein Kriseninterventionsteam. Die aufgebauten Strukturen sollen nun dauerhaft gesichert werden. Nach Angaben der Verwaltung konnten dadurch bereits Lücken geschlossen und die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Stellen verbessert werden.
Kinderschutz im Fokus: Stadt prüft eigenen Betrieb für stationäre Hilfen
Darüber hinaus beauftragte der Rat die Verwaltung zu prüfen, ob das Städtische Institut für erzieherische Hilfen (SIEH) künftig als städtischer Eigenbetrieb geführt werden kann. Damit soll untersucht werden, ob die Stadt Versorgungslücken in Zukunft selbst schließen kann, wenn geeignete Angebote am Markt fehlen.

Bürgermeisterin Britta Gövert (Grüne & Volt) sprach in diesem Zusammenhang von einer „notwendigen und verantwortungsvollen Antwort auf die aktuelle Entwicklung“. Personalmangel und fehlende Plätze führten dazu, dass notwendige Maßnahmen teilweise nicht umgesetzt werden könnten.
„Das ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung, das betrifft unmittelbar den Schutz von Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt“, betonte sie.
Marthe Pflüger von der SPD-Fraktion erklärte, man gehe damit „einen ganz deutlichen Schritt in die richtige Richtung“, um die Hilfesysteme zu stärken und Kinder besser zu schützen, wenn ihr Zuhause zu einem unsicheren Ort werde.
Das Projekt KinderCampus soll bis Ende 2026 weiterlaufen
Ebenfalls beschlossen wurde die Verlängerung des Modellprojekts KinderCampus bis zum 31. Dezember 2026. Das Projekt läuft derzeit an den Standorten Hörde-Clarenberg sowie Westerfilde und Bodelschwingh. Dort arbeiten Kitas, Grundschulen, Jugendfreizeitstätten und weitere Einrichtungen enger zusammen.

Ziel des Projekts ist es, Kinder und Familien umfassend zu begleiten. Nach Angaben der Verwaltung sollen damit die Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern verbessert werden. Statt einzelner Einrichtungen steht dabei die gemeinsame Verantwortung für die Bildungsbiografien der Kinder im Mittelpunkt.
Mit der Verlängerung sollen die bestehenden Strukturen gesichert und die bisherigen Erfahrungen weiter ausgewertet werden. Anschließend soll der Rat über eine mögliche zweite Projektphase von 2027 bis 2029 entscheiden.
Fortführung der Kinderkommission mit großer Mehrheit beschlossen
Darüber hinaus sprach sich der Rat für die Fortsetzung der Kinderkommission aus. Das Gremium soll den Rat und seine Ausschüsse weiterhin bei kinder- und jugendpolitischen Themen beraten. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Förderung von Chancengerechtigkeit und die Unterstützung einer kinderfreundlichen Stadtentwicklung.
Diskussionen gab es vor allem über die Rolle der Kommission. So kritisierte das AfD-Ratsmitglied Matthias Helferich das seiner Ansicht nach vermittelte Familienbild und sprach sich gegen eine vermeintlich stärkere Einflussnahme staatlicher Stellen auf Erziehungsfragen aus.
Vertreter der übrigen Fraktionen widersprachen dieser Darstellung. Sie verwiesen auf die bisherige Arbeit der Kommission und deren beratende Funktion. Die Fortsetzung der Kinderkommission wurde schließlich mit großer Mehrheit beschlossen.
Mehrer Schulbauprojekte geplant – Grüne & Volt fordern Priorisierung
Zusätzlich zu diesen Beschlüssen brachte der Rat auch mehrere Bauprojekte im schulischen Bereich auf den Weg. So wurde der Neubau der Overberg-Grundschule mit einer Zweifach-Sporthalle, die Sanierung von Dach und Fassade an der Gesamtschule Scharnhorst sowie der Neubau einer Sporthalle für die Hauptschule am Hafen beschlossen.
Bei der Overberg-Grundschule enthielt sich jedoch die Fraktion Grüne & Volt. So forderten sie eine stärkere Priorisierung weiterer Schulneubauten in Stadtteilen mit besonders hohem Bedarf.
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Im „Systemfehler“-Podcast: Kindercampus bietet einheitliches Angebot für Familien im Stadtteil

