
Eine Trauerhalle als Veranstaltungsort für eine Jubiläumsfeier zu wählen, das erscheint sicherlich dem einen oder anderen als fragwürdig. Diejenigen, die sich jetzt in der Trauerhalle des Nordfriedhofs trafen, fanden den Ort durchaus nicht ungeeignet. Versammelten sie sich doch im Zentrum ihres Wirkens, und zwar auf den Tag genau zehn Jahre nach der Gründung ihres Fördervereins
Gerda Horitzky war Gründerin und ist Vorsitzende
Der Förderverein wurde 2016 von Gerda Horitzky, der ehemaligen stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin der Nordstadt, gegründet. Sie hatte die Folgen einer, wie sie es beschrieb, lieblosen Verwaltung des Friedhofs beobachtet.

Zu diesen gehörte, dass immer mehr der historischen Grabmale abgeräumt wurden. Dadurch veränderte sich allein das Erscheinungsbild der Anlage, die Nordstadt verlor auch sichtbare Teile ihrer Geschichte.
Mit dem Minimum der dafür notwendigen Mitglieder rief sie den Förderverein ins Leben. Von den Gründungsmitgliedern sind inzwischen einige verstorben. Zwischenzeitlich belief sich die Mitgliederzahl auf mehr als fünfzig. Heute sind es etwas weniger.
Verwaltungsleiter Berndt berichtete über Details der Arbeit

Eine 4.000 Euro-Spende gleich in der Gründungsphase des Fördervereins vereinfachte den Einstieg in die umfangreiche Arbeit. Darüber berichtete Christian Berndt von Friedhöfe Dortmund, verantwortlich für die nördlichen Friedhöfe der Stadt, dann detailliert.
Aufgrund der Initiative des Fördervereins wurde Kinder-Grabstein umgesetzt und neu befestigt. Grabmale (Nord-) stadtgeschichtlich interessanter Personen und Familie wurden instandgesetzt. Auch den großen Ehrenmalen galt das Interesse des Vereins.
Besondere Rettungsaktionen stechen hervor
Am Grabmal der Familie Tiemann wurde das 2016 gestohlene großformatige Bronzerelief durch den Förderverein ersetzt. Aus Kostengründen konnte jedoch nur eine kleinere Kopie aus Sandstein anstelle des Originals angebracht werden.

Gerettet wurde auch eine Frauenstatue, die einst ein Grabmal zierte, dann aber bei einem Diebstahlversuch beschädigt wurde. Die kostspielige Reparatur in einer Spezialwerkstatt konnte der Verein nicht alleine stemmen. Heute steht sie in der Vorhalle der Trauerhalle.
Es hat sich einiges verändert auf dem beinahe 130 Jahre alten Nordfriedhof. In der Mitte des Eingangsrondells erhebt sich eine überdimensional große Grubenlampe, daneben steht ein Förderwagen. Der Nordfriedhof ist ein Ort des Gedenkens und der Geschichte. Und der Förderverein ist ein wichtiger Partner beim Erhalt des geschichtsträchtigen Orts, so Berndt.
Kirche und Lokalpolitik als Unterstützer des Vereins

Zu den Rednern des Festakts gehörte Pfarrer Friedrich Laker, der seine Ausführungen mit einem Gebet schloss. Auch Oliver Stens, Bezirksbürgermeister von Eving, war gekommen. Die Bezirksvertretung Eving war dem Förderverein ein wichtiger und verlässlicher Partner.
Stens überreichte der Vorsitzenden als Dankeschön und Zeichen der Anerkennung für ihre jahrelange Arbeit ein besonderes Schreibgerät mit dem Logo des Stadtbezirks Eving. – Denn der Nordfriedhof gilt wohl als Friedhof der Nordstädter, liegt aber auf Evinger Gebiet.
Oberbürgermeister dankte im Namen der Stadt
Auch Oberbürgermeister Alexander Kalouti trat ans Rednerpult. Er betonte, die Bedeutung der Friedhöfe für die Geschichte einer Kommune und dankte namens der Stadt Dortmund und auch persönlich dem Verein, seiner Vorsitzenden und Herrn Berndt für ihr großes Engagement. Sie leisten eine fantastische Arbeit.

Bei der Feierstunde hatte die erst fünfzehnjährige Clara Biczo ihren ersten öffentlichen Auftritt. Nach dem letzten Redebeitrag spielte sie mit viel Gefühl zwei Stücke aus ihrem Repertoire. Ein Glas Sekt und die Vorführung von zwei Filmen über den Nordfriedhof rundeten die Veranstaltung ab.
Die Arbeit wird dem Förderverein nicht ausgehen, das steht fest. Aber eine Sorge, die in vielen Vereinen umgeht, wird es im Förderverein Nordfriedhof nicht geben: Die Frage der Nachfolge. Gerda Horitzky hat dafür ihren Sohn vorgesehen – und der bekannte sich bei der Feierstunde dazu.
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