
Das Technologiezentrum Dortmund (TZDO) gilt seit Jahrzehnten als Motor des Strukturwandels und steht erneut im Fokus: Eine aktuelle Studie unterstreicht seine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt. Oberbürgermeister Alexander Kalouti betont, das TZ sei „einer der Transformationstreiber Dortmunds in den vergangenen 40 Jahren gewesen“. Der Erfolg zeige sich in der Entwicklung und Vielfalt, zugleich sei die Geschichte „noch nicht zu Ende erzählt“. Gerade die Internationalisierung werde künftig eine noch größere Rolle spielen, so Kalouti, der sich dabei „voller Zuversicht und Freude“ zeigt.
Vom Strukturwandel zur Innovationsplattform: Warum das TZDO heute wichtiger ist denn je
Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen eine deutliche Sprache: 21.100 Arbeitsplätze, 2,15 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und rund 74 Millionen Euro Steuereinnahmen gehen direkt auf das Umfeld des TZDO zurück. Damit leistet das Zentrum einen erheblichen Beitrag zur finanziellen Handlungsfähigkeit Dortmunds. Seit der Gründung im Jahr 1985 verfolgt das TZDO das Ziel, technologieorientierte Unternehmen und Start-ups anzusiedeln und zu fördern. ___STEADY_PAYWALL___
Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund und Mitglied im Aufsichtsrat des TZDO, blickt auf die Entwicklung zurück und spricht von einer „beeindruckenden Erfolgsgeschichte“. Was einst mit einer Vision begann, habe heute eine Strahlkraft weit über Dortmund hinaus. Die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft sei dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Auch Wirtschaftsförderin Heike Marzen hebt die strategische Ausrichtung hervor. Man habe über Jahrzehnte gezielt Flächen entwickelt und Cluster aufgebaut, etwa im Technologiepark oder auf Phoenix West. Indirekt beschreibt sie, wie aus anfänglichen Einzelprojekten leistungsfähige Netzwerke entstanden seien, die sich stetig weiterentwickeln.
Strategische Flächenpolitik: Wie aus einer „Mondlandschaft“ ein Innovationsstandort wurde

Ein prägnantes Beispiel für diesen Wandel ist die Entwicklung der MST-Factory. Marzen erinnert daran, dass diese zunächst „allein auf einer Mondlandschaft“ gestanden habe. Heute arbeiten dort rund 5000 Menschen. Diese Entwicklung sei kein Zufall, sondern Ergebnis einer langfristigen Strategie, die gezielt auf Wachstum und Vernetzung setzt.
Insgesamt gibt es inzwischen mehr als 6000 Unternehmen in Dortmund, die jünger als zehn Jahre sind und über 45.000 Beschäftigte zählen. Für zukünftige Projekte – etwa den Energiecampus in Huckarde oder den Cleanport im Hafen – soll dieses Modell fortgeführt werden. Ziel bleibt es, durch gezielte Clusterbildung neue wirtschaftliche Impulse zu setzen.
Kalouti sieht im TZDO weiterhin eine „Zukunftsschmiede“ für die Stadt. Neben Innovationskraft spiele auch die wirtschaftliche Stabilität eine Rolle, insbesondere mit Blick auf die Gewerbesteuer. Diese sichere langfristig Handlungsspielräume für kommunale Aufgaben.
Kooperation als Erfolgsmodell: Warum das Zusammenspiel entscheidend ist
Schreiber beschreibt die besondere Struktur des TZDO als „kleine Revolution“. Dass Stadt und private Akteure gemeinsam agieren, sei ein Modell, das aus Großbritannien und den USA übernommen wurde. Es funktioniere jedoch nur, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten.
Heute umfasst das Netzwerk 438 assoziierte Unternehmen in der Region. Diese Zahl sei kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis kontinuierlicher Kooperation. Schreiber erinnert daran, dass bereits der frühere Oberbürgermeister Günter Samtlebe den Mut hatte, „einen Park zu bauen – nicht mit Bäumen, sondern mit Menschen und klugen Köpfen“.
Die Studie bestätigt diese Entwicklung eindrucksvoll. Die Bruttowertschöpfung der beteiligten Unternehmen hat sich seit 2016 nahezu verdoppelt. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitsplätze um rund 50 Prozent. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bewerten viele Unternehmen ihre Perspektiven weiterhin positiv.
Fachkräfte, Forschung und Netzwerke: Welche Faktoren Unternehmen nach Dortmund ziehen
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die Bedeutung von Fachkräften und Wissenschaft. 83 Prozent der Unternehmen nennen qualifiziertes Personal als wichtigsten Standortfaktor. Zudem spielt die Nähe zu Hochschulen eine große Rolle. Besonders die Technische Universität (TU) Dortmund und die Fachhochschule (FH) Dortmund werden als entscheidende Partner wahrgenommen.

Das Zentrum übernehme dabei eine „vermittelnde und ermöglichende Funktion“. Durch passende Flächen und Infrastruktur würden optimale Bedingungen für innovative Unternehmen geschaffen. Auch Wulf-Christian Ehrich unterstreicht indirekt, dass das TZDO längst mehr sei als ein reiner Gründungsstandort: Es entwickle sich zunehmend zu einem Raum für Unternehmen in unterschiedlichen Wachstumsphasen.
Das hohe Qualifikationsniveau der Beschäftigten spiegelt diesen Anspruch wider. Mehr als die Hälfte verfügt über einen Hochschulabschluss, ein großer Teil arbeitet in Forschung und Entwicklung. Diese Struktur führt zu überdurchschnittlichen Einkommen und stärkt wiederum die regionale Wirtschaft.
Zwischen Wachstum und Verantwortung: Flächenentwicklung, Klimaschutz und Politik
Politisch wird sich die Diskussion um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt in den kommenden Monaten weiter zuspitzen. Hintergrund ist ein Ratsbeschluss aus dem Sommer 2025, der die Ausweisung neuer Wirtschaftsflächen deutlich einschränkt.

Dieser sieht vor, neue Flächen erst dann wieder zu entwickeln, wenn bestehende Altflächen vollständig vermarktet sind. Aus Sicht vieler Akteur:innen aus Wirtschaft und Verwaltung kommt dies einem faktischen Planungsstopp gleich. Neue Gewerbegebiete benötigen oft jahrelange Vorbereitung, sodass fehlende Flächen langfristig zum Standortnachteil werden könnten.
Oberbürgermeister Alexander Kalouti kündigte bereits vor Weihnachten an, dass das Thema erneut auf die Agenda kommen müsse. Gleichwohl fehlen die CDU-Politiker die Mehrheiten im Rat – eine politische Befassung hat er daher nicht auf die Agenda der Ratsgremien gebracht.
Balance zwischen Wachstum und Klimaschutz: Die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss

Auch Stefan Schreiber verweist darauf, dass wirtschaftliche Entwicklung ohne verfügbare Flächen kaum möglich sei. Gleichzeitig müsse jedoch berücksichtigt werden, dass Freiräume für Klimaschutz und Lebensqualität erhalten bleiben.
Er betont, dass es kein Gegeneinander von wirtschaftlicher Entwicklung und ökologischen Interessen geben dürfe. Vielmehr brauche es eine ausgewogene Balance. Moderne Industrieflächen seien deutlich klimafreundlicher als frühere Strukturen, weshalb eine differenzierte Betrachtung notwendig sei.
Kalouti ordnet diese Debatte daher in einen größeren Zusammenhang ein. Dortmund sei ein zentraler Akteur im Ruhrgebiet, insbesondere in den Bereichen Wissenschaft und Technologie. Daraus ergebe sich auch eine Verantwortung für die gesamte Region.

Sinngemäß fordert er die politischen Entscheidungsträger:innen auf, sich dieser Rolle bewusst zu sein und entsprechende Weichen zu stellen: „Das Ruhrgebiet wartet in Teilen auf uns. Das müssen sich die Vertreterinnen und Vertreter im Rat jeden Tag bewusst machen. Ich möchte dabei helfen, dass dieses Bewusstsein wächst und tiefer wird“, sagte er mit Blick auf eine mögliche Änderung des Ratsbeschlusses.
Zukunftsprojekte im Hafen: Vom Problemstandort zum Industriecampus
Parallel zur politischen Debatte laufen konkrete Entwicklungsprojekte weiter, insbesondere im Hafen. Wegen des Mangels an Flächen betonte Schreiber auch, dass man gemeinsam die Potenziale am Hafen heben wolle. Doch damit zielte der IGK-Hauptgeschäftsführer nicht eine Deindustrialisierung des bisherigen Industriehafens, sondern die Envio-Brachefläche, die ebenfalls vom Sondervermögen des Technologiezentrums getragen wird und nicht von der Hafen-AG.

Nach dem PCB-Skandal und der Insolvenz des Unternehmen wurde vor zehn Jahren mit der Sanierung gedauert Geländes begonnen. Aktuell gibt es noch zwei Mieter auf dem Gelände.
Marzen beschreibt indirekt die Dimension der Aufgabe: Der Aufbau eines Industriecampus gleiche einem langfristigen Kraftakt, der sich nicht kurzfristig rechne. Investitionen dieser Größenordnung erforderten Geduld und einen langen Atem, da sich wirtschaftliche Erträge oft erst nach Jahrzehnten einstellen. Durch einen privaten Investor seien solche Kosten nicht zu stemmen – das brauche die öffentliche Hand.
Speicherstraße und Hafenforum: Langwierige Prozesse und neue Perspektiven
Während das Technologiezentrum ein wichtiger Impulsgeber für Start-Ups und die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist, lässt der angekündigte Impulsgeber in der Speicherstraße auf sich warten.

Vor mehr als fünf Jahren hatte die Landmarken-AG angekündigt, im größten Bestandsgebäude auf der südlichen Speicherstraße das sogenannte „Hafenforum“ zu entwickeln, in dem auch der Gründungs- und Innovationscampus der Stadt einziehen sollte. Zwischen 25 und 35 Millionen Euro wollte das Unternehmen an der Speicherstraße investieren.

Passiert ist dort aber noch wenig. „Das sogenannte Speicherforum wurde europaweit ausgeschrieben, ein Verfahren, das sich über einen langen Zeitraum erstreckt. Der ausgewählte Investor steht weiterhin vor komplexen Herausforderungen, befindet sich jedoch im Austausch mit der Stadt“, versuchte Heike Marzen auf Nachfrage von Nordstadtblogger zu beschwichtigen.
Dennoch deutet sie an, dass die Campus-Pläne dort der Vergangenheit angehören könnten. Sie kündigte an, dass eine politische Vorlage in absehbarer Zeit in die Gremien eingebracht werden solle. Dabei gehe es um zentrale Fragen der Nutzung und Weiterentwicklung des Standorts. Ein Gründerzentrum sei weiterhin geplant, allerdings vermutlich nicht mehr in der ursprünglich vorgesehenen Form im Hafenforum.
Nachhaltiger Wachstumsmotor mit Zukunft: Warum das TZDO weiterhin eine Schlüsselrolle spielt
Die Studie macht deutlich, dass das TZDO weit über ein klassisches Innovationszentrum hinausgeht. Rund 40 Prozent der Unternehmen verfügen über Schutzrechte, häufig in Form von Patenten. Dies zeigt die hohe Innovationskraft und eröffnet langfristige Wachstumsperspektiven.

Für Marzen spiegelt sich die Bedeutung auch in den Steuereinnahmen wider. Die Gewerbesteuer sei eine der wichtigsten kommunalen Einnahmequellen und zeige unmittelbar die wirtschaftliche Stärke der Unternehmen. Damit werde deutlich, dass das TZDO nicht nur innovationspolitisch, sondern auch haushaltspolitisch eine zentrale Rolle spielt.
Insgesamt bleibt das Technologiezentrum ein entscheidender Impulsgeber für Dortmund. Es verbindet wirtschaftliche Dynamik mit wissenschaftlicher Kompetenz und schafft die Grundlage für zukünftige Entwicklungen. Oder, wie Schreiber es sinngemäß beschreibt: Der Erfolg falle nicht vom Himmel – er sei das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen und einer klaren Vision.
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