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„Wo geht Kunst?“: Innovatives Kunstprojekt mit Pilotcharakter für kulturelle Jugendarbeit in der Nordstadt

Die Jugendkunstschule balou, die Stadtteilschule und die Kulturmeile Nordstadt kooperieren. Foto: Alex Völkel

„Kunst?“ Für Jugendliche ist dieser Begriff nicht aus ihrer Welt.  Was ist Kunst? Sie ist elitär. Abgehoben. Etwas für Reiche. Sie gibt‘s irgendwo weit weg im Museum. Und verstehen tun sie das womöglich auch nicht. Wenn Nordstadt-Jugendliche mit Kunst in Berührung gekommen sind, dann höchstens in der Schule. Doch auch damit sind nicht unbedingt gute Erfahrungen verbunden.

Erfahrene Akteure gehen neue Wege in der Jugendkulturarbeit
Daher möchte man jetzt in der Nordstadt neue Wege beschreiten: „Wo geht Kunst?“ heißt das Pilotprojekt. Als Dortmunder Bündnis haben sich drei Kooperationspartner zusammengeschlossen, die bereits langjährige Erfahrungen im Bereich Kunst und Kultur vorweisen können. Die Dortmunder Jugendkunstschule balou e.V. geht gemeinsam mit der Stadtteilschule e.V. und der Kulturmeile Nordstadt e.V. an die Organisation und Durchführung dieses weitreichenden Kunstprojekts heran.

Innovatives Kulturprojekt für Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren
Das Projekt „Wo geht Kunst!?“ soll den teilnehmenden Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren einen Einblick in unterschiedliche Möglichkeiten der kreativen Arbeit geben.

Nicht eine Wissensvermittlung wie aus dem Schulunterricht gewohnt steht im Fokus, sondern das Kennenlernen von „kreativer Arbeit“ als Berufsfeld, erklärt Tanja Moszyk, Leiterin der Jugendkunstschule „balou“ und selbst bildende Künstlerin. Die Jugendlichen werden nach einer Schnupperphase in den Ateliers der Kreativen in der Nordstadt an ihren eigenen Projekten arbeiten können. Das Projekt ist langfristig angelegt.

Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Grafik und Installation
Zu den künstlerischen Arbeitsfeldern gehören: Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Grafik, Installation in unterschiedlichen Facetten. Damit dies gelingt – ohne Berührungsängste und möglichst niederschwellig, kommen die Künstlerinnen und Künstler zu den Jugendlichen: Daher starten jeweils fünf kreative Schnupperangebote an zwei Orten in der Nordstadt.
Der Treffpunkt „KONKRET“ und „TreBo – Treffpunkt Borsigplatz“ werden für jeweils zwei Stunden die Künstler der Kulturmeile Nordstadt vor Ort haben. Diese beiden Treffpunkte böten sich an, weil sie stark von  der Altersgruppe frequentiert würden, erklärt Veit Hohfeld, Geschäftsführender Vorstand der Stadtteil-Schule. Ob es angenommen wird, muss sich zeigen: „Es ist ein offenes Angebot und wir müssen sehen, was passiert“, betont Peter Palaga, Mitarbeiter im Treffpunkt Borsigplatz.

Niederschwellige Angebote – die Jugendlichen müssen nichts bezahlen
Mit von der Partie sind die Kunstschaffenden Anette Göke, Anke Droste, Hendrik Müller, Heide Kemper und Almut Rybarsch-Tarry. Sie zeigen den Jugendlichen Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen und auszudrücken (Komplette Terminübersicht am Ende des Artikels). So will Hendrik Müller deutlich machen, worin die Unterschiede zwischen Fotografieren mit einer Kamera und einem Handy bestehe. „Wir werden mit Perspektiven arbeiten“, erklärt der Fotokünstler. Extra abstrakt bleibt Anke Droste. Ihr Feld ist die experimentelle Malerei. Abstrakte Werke sollen im Schnupperkurs entstehen. „Wir werden mit Spachteln, Schichten und Tropfenlassen arbeiten. Ich bin da bewusst offen. Mal sehen, welche Vorstellungen und Gedanken die Jugendlichen dabei haben.“ Ähnlich offen legt Almut Rybarsch-Tarry ihr Angebot an: Mit verschiedenen Materialien – mit unterschiedlichen Modelliermassen, schnelltrocknendem Ton, Gipsbinden und Draht – will sie mit den Jugendlichen arbeiten. Dabei entstehen Arbeiten, die die Teilnehmer mit nach Hause nehmen können.

Eine Anmeldung zu den Schnupperkursen ist nicht erforderlich. Alle Kurse sind kostenfrei zu besuchen. Wer die Schnupperangebote verpasst hat, bekommt am 4. Dezember eine weitere Chance: Beim Tag der offenen Tür in der Stadtteilschule, Oesterholzstraße 120, werden diese ebenfalls vorgestellt.

Komplexere Folgeworkshops im kommenden Jahr geplant
Je nach Annahme durch die Jugendlichen werden sich aus diesen Schnupperangeboten im kommenden Jahr komplexere Kunstprojekte entwickeln. Dazu werden Workshops eingerichtet, die in Gruppenstärken von etwa fünf Jugendlichen/Teilnehmern zu einer Einheit werden. Je nach Ideenfindung und Material wird in Gruppen gearbeitet, oder einzelne eigene „Kunstwerke“ geschaffen. Dies passiert dann in den Ateliers der Künstler. „Das Ganze wird natürlich pädagogisch begleitet“, erklärt Veit Hohfeld. „Wir lassen die Künstler nicht mit den Jugendlichen allein.“

„Des Meisters Lohn“ ist die Präsentation der Ergebnisse. Hierfür sollen einige der zahlreichen Veranstaltungen und Festivitäten in der Nordstadt genutzt werden. Auf diversen internationalen Kulturfesten können die Jugendlichen ihre Arbeiten an einem eigens eingerichteten Stand präsentieren und somit Wertschätzung durch die Besucher erfahren.

Wertschätzung der eigenen Arbeit im Mittelpunkt
Kleine Kreativangebote an den Ständen können genutzt werden, damit die teilnehmenden Jugendlichen ihr neuerworbenes Wissen und Können auch an die Familie und weitere interessierte Besucher selbst weitervermitteln können.

„Ein Projekt, dass somit Wertschätzung der eigenen kreativen Arbeit, aber auch das Verständnis für die kreativen Berufsgruppen in den Fokus rückt“, macht Moszyk deutlich.

Bundesweites Projekt der soziokulturellen Zentren
Möglich macht das eine Bundesförderung. Das Konzept „Jugend ins Zentrum“ der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. wurde Anfang 2013 in das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aufgenommen.

Über das Programm fördert die Bundesvereinigung in den nächsten Jahren Angebote der künstlerischen und kulturpädagogischen Arbeit mit bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen. „Jugend ins Zentrum!“ unterstützt kulturelle Bildungsprozesse aller künstlerischen Sparten, in denen Kinder und Jugendliche im wahrsten Wortsinne im Mittelpunkt stehen und sich aktiv mit den eigenen Lebens(t)räumen auseinandersetzen können. Die Kulturprojekte werden bundesweit von lokalen Bündnissen für Bildung durchgeführt, die mindestens drei Partner aus unterschiedlichen Bereichen umfassen.

Die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. engagiert sich als Dach- und Fachverband für die Anerkennung und angemessene Förderung der soziokulturellen Arbeit. Mitglieder der Bundesvereinigung sind die jeweiligen Landesverbände, in denen derzeit bundesweit rund 500 soziokulturelle Zentren, Netzwerke und Initiativen organisiert sind.

 

Die kostenlosen Schnupperangebote in der Übersicht

Treffpunkt Konkret“, Burgholzstraße 150, immer von 17 bis 19 Uhr

  • Fr., 04.10.2013: Alltagsstücke – Kunst-Stücke (Anette Göke)
  • Do., 10.10.2013: Experimentelle Malerei (Anke Droste)
  • Do., 10.10.2013: Fotokunst (Hendrik Müller)
  • Fr., 11.10.2013: Glaskunst (Heide Kemper)
  • Do., 17.10.2013: Kleinplastiken (Almut Rybarsch)

TreBo – Treffpunkt Borsigplatz“, Oesterholz Str. 89a, immer von 17 bis 19 Uhr

  • Mo., 07.10.2013: Alltagsstücke – Kunst-Stücke (Anette Göke)
  • Mi., 09.10.2013: Glaskunst (Heide Kemper)
  • Mi., 09.10.2013: Experimentelle Malerei (Anke Droste)
  • Mo., 14.10.2013: Kleinplastiken (Almut Rybarsch)
  • Mo., 14.10.2013: Fotokunst (Hendrik Müller)

 

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