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Neue Ausstellung im Hoesch-Museum zu sehen: Wo die Geister sind – Panoramen von Verdun

Ausstellung: Wo die Geister sind

Knapp 100 Jahre später: Landschaft bei Verdun. Foto: Hendrik Müller

Als „Blutpumpe“, „Knochenmühle“ oder einfach als „Die Hölle“, wurde das Schlachtfeld von Verdun seinerzeit bezeichnet. Die Stadt an der Maas ist Sinnbild für die Grausamkeit des ersten Weltkrieg, für die Industrialisierung der Kriegsführung. Begriffe wie „Kanonenfutter“ und „Materialschlacht“ wurden hier geboren.

Fotoausstellung von Hendrik Müller im Hoeschmuseum

Fotoausstellung von Hendrik Müller im Hoeschmuseum

Der Angriff der deutschen Truppen begann im Februar des Jahres 1916. Die Schlacht endete im Dezember des gleichen Jahres, ohne das sich eine wesentliche Verschiebung der Frontlinie ergeben hätte. Am ersten Tag schossen die Deutschen aus 1220 Geschützen über neun Stunden lang. Ungefähr 100 000 Geschosse gingen in einer Stunde auf die Front nieder. Der Offensive folgten Gegenoffensiven. Zurück blieb eine Mondlandschaft, die mit Kratern übersät war. Insgesamt starben auf dem Schlachtfeld bis zum Ende Krieges über 300 000 Soldaten. Genaue Zahlen kennt niemand. Viele wurden unter den herabstürzenden Erdmassen, die durch die Explosionen in die Höhe geworfen wurden, lebendig begraben. Den Rest besorgte Giftgas und dauerhaftes Geschützfeuer.

Landschaftspanoramen vom Schlachfeld knapp hundert Jahre später sind im Museum zu sehen

Fotoausstellung von Hendrik Müller im Hoeschmuseum

Panoramakamera mit Verschlussspalt. Foto: Klaus Hartmann

Das Hoesch-Museum erinnert im Gedenkjahr 2014 an den Beginn des Krieges und an das Grauen von Verdun mit einer Fotoausstellung. „Wo die Geister wohnen“, heißt diese. Fotografiert hat sie Hendrik Müller. Der Fotograf aus der Nordstadt war 2011 für eine Woche auf den ehemaligen Schlachtfeldern in Frankreich und brachte die Landschaftspanoramen mit. Auch fast 100 Jahre nach den Ereignissen sind die Spuren der Schlacht deutlich zusehen.

Sanfte grüne Kraterlandschaften fallen dem Betrachter in den Blick. Idyllisch sieht das aus. „Man könnte meinen hier wollte jemand einen Golfplatz anlegen“, beschreibt Müller seine Eindrücke. „Die schönsten Orte sind heute die Stellen an denen die schlimmsten Dinge passiert sind“, ergänzt er. „Man läuft hier über Stein und Schotter, das ist der Fels aus dem Untergrund“.

Das Unterste wurde nach oben befördert. Die Erde ist bis in zehn Metern Tiefe umgewühlt worden. Der Boden ist nicht nutzbar. So entstand ein Naturparadies. Auf einem Bild sieht man den Bunkers des Kronprinzen Wilhelm stehen, fast von der Vegetation überwuchert, erbaut im Stile eines englischen Landhauses. Verwunschen sieht das aus – wie im Märchen. Der Bunker wurde abseits der Front in sicherer Entfernung gebaut. Von dort aus schickte des Kaisers Sohn Tausende in den sinnlosen Tod.

Fotoausstellung von Hendrik Müller im Hoeschmuseum, Beglewitmaterialien: Feldstecher aus dem ersten Weltkrieg

Gegenstände aus der Zeit des ersten Weltkriegs begleiten die Fotoausstellung. Foto: Klaus Hartmann

Panaromakameras fanden praktische Anwendung in der Schlachtfeldfotografie
Die Eindrücke vom Schlachtfeld hundert Jahre später, hat der Fotograf mit einer Noblex-Panoramakamera analog auf Film festgehalten. Der 135 Grad Bildwinkel entspricht dem Blickfeld eines Menschen. Der Film, der im Halbkreis auf der Bildbühne angeordnet ist, wird durch einen Verschlussspalt, der sich von einer Seite des Objektives auf die andere Seite bewegt, belichtet.

Ihren ersten Einsatz fanden diese Kameras bezeichnenderweise im Krieg um das Schlachtfeld zu fotografieren. Mit den Aufnahmen wurde Kartenmaterial für die Artillerie erstellt.Ergänzt wird die Ausstellung um Materialien aus der Zeit des Krieges, die sich Besitz ehemaliger Hoeschianer befanden.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet

Die Vernissage ist am Sonntag, den 16. Februar 2014, um 11 Uhr. Zu besichtigen ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten des Museum.

Info: Hoesch-Museum

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