Drei Haltestellen im Bereich des Logistikparks entfallen ab Montag

Weil die Straßen zugeparkt sind, stellt DSW21 den Busbetrieb auf der Westfalenhütte ein

160 bis 170 Lkw verlassen das Dortmunder Verteilzentrum am Tag - noch einige Fahrzeuge mehr sind es beim Wareneingang.
160 bis 170 Lkw verlassen das Dortmunder Verteilzentrum am Tag – noch einige Fahrzeuge mehr sind es beim Wareneingang. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Auf der Westfalenhütte sind in den vergangenen Jahren tausende Arbeitsplätze im Logistikbereich entstanden. Damit möglichst viele von ihnen auch ohne Auto ihre Arbeitsplätze im Drei-Schicht-Betrieb erreichen können, hat die Stadt die DSW21 mit der Einrichtung von entsprechenden Buslinien beauftragt. Auch die Stadtbahn soll perspektivisch auf das Gelände der Westfalenhütte verlängert werden. Doch mit dem Busverkehr ist vorerst Schluss: Die Busse kommen nicht mehr durch. Es ist eine Kapitulation vor Falschparkern. Die Leidtragenden sind die Beschäftigten.

Haltestellen Warmbreitbandstraße, Kaltbandstraße und Logistikpark Westfalenhütte fallen weg

„Aus verkehrlichen Gründen muss DSW21 die Fahrtrouten der Buslinien 416, 417 und 427 im Bereich des Logistikparks Westfalenhütte zum 19. Dezember anpassen. Daher entfallen die drei Haltestellen »Warmbreitbandstraße«, »Kaltbandstraße« und »Logistikpark Westfalenhütte» in beiden Fahrtrichtungen bis auf Weiteres. DSW21 bittet dafür um Verständnis“, heißt es in einer dürren Meldung.

Künftig werden die Verkehre rund um sowie über die Westfalenhütte völlig neu fließen.
Künftig werden die Verkehre rund um sowie über die Westfalenhütte völlig neu fließen. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Nordstadtblogger hat daher nachgefragt: „Wegen des starken Liefer- und Parkverkehrs auf dem Gelände des Logistikparks Westfalenhütte, vor allem rund um das Amazon-Lager, haben unsere Busse der Linien 416 und 417 schon seit längerem Probleme, den geplanten Linienweg zu befahren“, berichtet DSW21-Sprecher Marc Wiegand.  

„Vor allem die anliefernden Lkw der ansässigen Firmen, die auf ihre Entlade-Slots warten, stellen Busbuchten und Straßen so zu, dass ein Durchkommen und ein Anfahren der Haltestellen oft nicht mehr möglich ist. Zunehmend ist auch der Kreisverkehr so zugestellt, dass die Busse nicht mehr wenden können und feststecken.“

Die Linienbusse blieben zuletzt mehrfach täglich stecken

DSW21 habe den Betreiber und Eigentümer des Logistikparks, die Logistikbetriebe sowie weitere Stellen mehrfach auf diese Probleme hingewiesen, und um Unterstützung gebeten, da ein sicherer und zuverlässiger Fahrplanbetrieb hier nicht mehr einzuhalten ist. Eine Lösung habe aber bisher nicht gefunden werden können.

Das Schlafen auf der Straße ist verboten - Hinweisschilder aus der Nachbarschaft von Amazon auf der Westfalenhütte.
Das Schlafen auf der Straße ist verboten – Hinweisschilder aus der Nachbarschaft von Amazon auf der Westfalenhütte. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Da sich die Situation im anlaufenden Weihnachtsgeschäft noch einmal verschärft hat, haben wir uns in Abstimmung mit unserem Aufgabenträger (Stadt Dortmund) dazu entschieden, den Linienweg ab dem 19. Dezember vorerst zu ändern.“ Die IHK, die Wirtschaftsförderung sowie die ansässigen Firmen wurden von DSW21 zeitnah informiert.

„Grundsätzlich ist es immer mal wieder vorgekommen, dass wir nicht durchkamen. Die Situation hat sich in den vergangenen Monaten aber verschärft und ist zuletzt mehrfach täglich so aufgetreten“, berichtet Wiegand. Sowohl Ordnungsamt als auch Polizei waren dort regelmäßig im Einsatz. 

Die Polizei hat allerdings dort kaum eine Handhabe: Die Überwachung des ruhenden Verkehrs obliegt dem städtischen Ordnungsamt. Doch auch dort hat man nur wenig Möglichkeiten: „Das ist ein städtebauliches Problem“, fürchtet Polizeisprecher Maik Müller mit Blick auf die fehlenden Stellflächen für die Lkw.  (Anm.d.Red.: Auch das Ordnungsamt wurde um Stellungnahme gebeten. Diese liegt noch nicht vor.)

Deutliche Verschlechterungen: Die Beschäftigten sind die Leidtragenden

Bei den meisten Unternehmen auf der Westfalenhütte gibt es wegen der Probleme nur Achselzucken. Amazon als größtes Unternehmen gibt sich lösungsorientiert: „Wir informieren Fahrer und Speditionen sehr regelmäßig und sensibilisieren diese dauerhaft. Wir haben aufgrund der Situation vor Ort vor ca. 1,5 Jahren über 70 Stellflächen geschaffen und für dieses Jahr 80 weitere außerhalb der Westfalenhütte angemietet, um aktiv gegen diese Situation vorzugehen“, berichtet Amazon-Sprecher Oliver Kentschke auf Nachfrage von Nordstadtblogger.

Die kostenlose Ausleihe der Next-Bikes wird immer beliebter: 240 Beschäftigte nutzen das Angebot schon.
Die kostenlose Ausleihe der Next-Bikes wird immer beliebter: 240 Beschäftigte nutzen das Angebot schon. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Allerdings reichen diese wohl nicht aus, zumal auch die vielen anderen Logistikfirmen für reichlich Verkehr sorgen. Allein bei Amazon rollen täglich 160 bis 170 Lkw aus dem Warenausgang – am Wareneingang kommen noch mehr Fahrzeuge an.

Und der Verkehr wird noch zunehmen, weil in Kürze neben den REWE-Zentrallager die neue Auslieferstation von Amazon eröffnen wird, von wo aus künftig täglich zwischen fünf und zwölf Speditionen mit ihren Kleintransporten zur Auslieferung „auf der letzten Meile“ starten werden.

Die Leidtragenden des Wegfallens der Haltestellen sind die Beschäftigten, die überwiegend im Niedriglohnbereich beschäftigt und daher auf den ÖPNV angewiesen sind. Bei Amazon kommen 52 Prozent der Beschäftigten mit dem ÖPNV. Daher gehört das Jobticket zu den beliebtesten betrieblichen Vergünstigungen bei Amazon. Wenn nun der Busverkehr eingeschränkt wird, müssen sie weitere Wege auf sich nehmen.

Dann wird die kostenlose Nutzung der „Next-Bikes“ wohl noch zunehmen. Im Herbst zählten 240 Beschäftigte des Logistikriesen zu den Nutzer:innen der Leihfahrräder. Daher ist die Radstation vor der Tür von 20 auf 50 Leihräder erweitert worden. Doch diese dürften aber der kommenden Woche knapp werden. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass die Veränderungen wieder rückgängig gemacht werden: „Eine Rückkehr zur gewohnten Linienführung ist jederzeit wieder möglich. Für Gespräche und Lösungsvorschläge sind wir selbstverständlich offen“, betont DSW21-Sprecher Marc Wiegand.

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Reaktionen

  1. Horst

    Das Problem ist nicht nur auf der Westfalenhütte, nahezu alle umliegenden Straßen werden zugeparkt.
    Das zieht sich bis nach Norden, der Fahrradstreifen der Walther-Kohlmann-Straße ist auf beiden Seiten ein einziger LKW-Stellplatz. Nach dem Wochenende oder Feiertagen sind die Büsche entsprechend voller Müll.

    Hier muss die Stadt dringend Abhilfe schaffen und nicht nur überall Logistikparks eröffnen, sondern z.B. auch einen ordentlichen Rastplatz.

  2. Bebbi

    Seit wann hat die Walther-Kohlmann-Straße einen Fahrradstreifen? Ich habe da bisher nur einen Seitenstreifen gesehen. Auf Seitenstreifen darf man parken (§ 12 Absatz 4 StVO).

    Nach § 48 Absatz 1 Bauordnung NRW ist nicht die Stadt gefragt , sondern der Bauherr. Aber die Stadt Dortmund macht die B-Pläne und Baugenehmigungen.

  3. Tausende Arbeitskräfte kommen nicht mehr zur Arbeit. Die CDU Dortmund fordert die Stadtverwaltung und die DSW21 zu schnellen Lösungen auf. (PM)

    Was ist passiert? Seit dem 19. Dezember hat die DSW21 ihren Busverkehr auf der Westfalenhütte eingestellt. Betroffen davon sind die Linien 416, 417 und 427 auf denen die Haltestellen „Warmbreitbandstraße“, „Kaltbandstraße“ und „Westfalenhütte“ ab sofort nicht mehr angefahren werden. Viele Beschäftigte der dort ansässigen Logistikbranchen kommen nun nicht mehr zur Arbeit. Denn viele dieser Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind auf eine gute Anbindung durch den ÖPNV angewiesen.

    „Dortmund ist ein wichtiger Logistikstandort im Ruhrgebiet und in ganz NRW. Die Vorweihnachtszeit ist für die gesamte Logistikbranche und insbesondere für den Standort Westfalenhütte ein Stresstest.“, so Sascha Mader (Kreisvorsitzender der CDU Dortmund). „Der CDU Dortmund liegt eine Erklärung der DSW21 vor, wonach wir diesen Stresstest verloren haben. Das nehmen wir nicht hin und fordern die Stadtverwaltung auf, schnell und lösungsorientiert alle Beteiligten an einen Tisch zu holen!“, so Sascha Mader weiter.

    Aus Recherchen der Nordstadtblogger geht hervor, dass die Einstellung des wichtigen Busverkehrs in Folge von anhaltenden Verkehrsstörungen geschehen ist. Dem Bericht der Nordstadtblogger zufolge werde der Busverkehr durch den starken Liefer- und Parkverkehr auf dem Gelände des Logistikparks Westfalenhütte, vor allem rund um das Amazon-Lager, behindert. Busse kämen nicht durch.

    „Sollten sich die Verkehrsstörungen bestätigen, muss die Stadt Verantwortliche des Planungsamtes, des Straßenverkehrsamtes, Ansprechpartner der örtlichen Firmen und der Spediteure an einen Tisch bringen. Es darf nicht sein, dass diese Probleme auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden: Der örtlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“, so Sascha Mader.

  4. Till Strucksberg

    Solche Probleme handelt sich eine Verkehrspolitik (Bund, Land, Stadt) ein, wenn man einen bestehenden Gleisanschluss zu einem (zukünftigen) Logistik-Zentrum still legt und damit die Wirtschaft zu einem Transport mit LKW über die Straßen zwingt – ob sie will oder nicht. Offensichtlich gibt es nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in Stadt und Land mehr Wissings, die “Transport” nur mit “Autobahn und Straßen” denken können.

  5. Alexander Völkel

    UPDATE:

    Das Ordnungsamt der Stadt teilt mit, dass es sich bei dem genannten Bereich um Straßen im Privatbesitz handelt und die Verkehrsüberwachung demnach dort nicht tätig werden kann und der Eigentümer hier der erste Ansprechpartner ist. Es handelt sich bei der Kaltbandstraße und die Warmbandbreitstraße nach wie vor um eine Privatstraße. Insofern handelt es sich nicht um eine öffentlich gewidmete Straße. Auch wenn die Umgebung ggf. so aussieht.

  6. Bebbi

    Zur Anbiederungsmitteilung der CDU:
    Seit wann interessiert sich die CDU für die Schwächsten der Gesellschaft? Natürlich nur, wenn sie den Großkapitalisten als Arbeitskräfte zugeführt werden. Seit wann interessiert sich die CDU für die Folgen des enthemmten Parkens in Dortmund? Wenn sich das Großkapital selbst im Weg rumsteht. Dabei ist die CDU ein Teil des Problems. Oder hat die gegen den B-Plan von Amazon gestimmt und die Entwicklung auf der Westfalenhalle? Oder sich dafür eingesetzt, dass erst die U 44 verlängert sein muss?

    Und warum gibt es in Dortmund keine Medien mehr, die diesen Bullshit aus dem Ratssaal auseinander nimmt?

    zum Update:
    Und warum ist die Straße noch nicht an die Stadt übergegangen?

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