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Warnstreik der IG Metall vor der Westfalenhütte – Forderung: Mehr Geld und freie Tage in der Eisen- und Stahlindustrie

Entschlossen zeigen sich die Beschäftigten von ThyssenKrupp – heute gab es einen Warnstreik. Fotos: Alex Völkel

Von Angelika Steger

Drei Verhandlungsrunden sind nun schon vorüber, ohne dass laut der IG Metall ein brauchbares Ergebnis der Arbeitgeber vorliegen würde. Am heutigen Montag (4. Februar 2019) fand der 1. Warnstreik statt – die Friedenspflicht war zum 1.  Februar ausgelaufen. Sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert die Gewerkschaft. Außerdem soll es erstmals in der Eisen- und Stahlindustrie ein Urlaubsgeld geben. Pauschal 1800 Euro – alternativ zu bekommen in freien Tagen – lautet die weitere Forderung. 

Erstmals fordert die IG Metall flexible Arbeitszeitmodelle ein

Ulrike Hölter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall

Von einer „Arbeitszeitverkürzung“, wie die Arbeitgeber dies benennen, könne nicht die Rede sein. Die Arbeitgeber hätten bisher nur nur „heiße Luft“ statt ein konstruktives Angebot unterbreitet, kritisiert Ulrike Hölter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall. Man fühle sich nicht wertgeschätzt – die GewerkschafterInnen hatten daher nach wenigen Minuten mangels Gesprächsgrundlage die Verhandlungsrunde wieder verlassen. 

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Ein Knackpunkt: Die von den ArbeitnehmerInnen geforderte Flexibilität (ob Urlaubsgeld oder Freizeit).  Bisher entscheidet der Arbeitgeber über die Zeit der Beschäftigten. Nun fordert die IG Metall mehr Selbstbestimmungsrechte ein: Es müsse genug Zeit für die Familie bleiben. Von den Beschäftigten werde immer Flexibilität gefordert, doch die Arbeitgeber sind alles andere als das, so Hölter. 

Dabei müssten die ArbeitnehmerInnen prinzipiell im Schichtdienst 24 Stunden, sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr zur Verfügung stehen. Wer gut ausgebildet sei, könne gute Arbeit leisten und habe auch ordentliche Löhne und freie Zeit verdient, so die Gewerkschafterin.

Giesler: Die wirtschaftliche Lage ist stabil und die Forderungen berechtigt

IGM-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler

IGM-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler betont, dass die Arbeitgeber die wirtschaftliche Situation immer schlecht reden würden, ganz gleich, wie sie wirklich sei. „Schon drei Verhandlungsrunden und ich höre immer „der Stahlindustrie geht es so schlecht, der Blick in die Zukunft sei schlecht, so dass man den Arbeitnehmern nichts geben kann“. 

Dabei sei die wirtschaftliche Lage stabil, deshalb habe die IG Metall ein ordentliches Paket geschnürt – die Forderungen seien nicht überzogen: „Die Kolleginnen und Kollegen haben ein anständiges Angebot verdient“, so Giesler. 

Auszubildende sollen eine überproportionale Lohnerhöhung enthalten, weil sie davon leben können müssten: „Wir sind nicht mehr in den 80er Jahren, in denen Azubis noch zuhause bei ihren Eltern leben“, so der Bezirksleiter. Beim Urlaubsgeld sollen sie 600 Euro bekommen – allerdings nicht unwandelbar in Freizeit. Diese Forderungen seien auch wichtig, um die Ausbildung attraktiv(er) zu machen – gerade in Zeiten des drohenden Fachkräftemangels.

Doch auch die Sechs-Prozent-Forderung für alle Beschäftigten sei angemessen und ein Beitrag gegen Armut im Alter: Im Alter müsse man „mit Würde aus der Hütte gehen können“, so Giesler. Daher gehört auch die Verlängerung der Tarifverträge zur Altersteilzeit, Beschäftigungssicherung und Werkverträgen mit zum Forderungskatalog der Tarifkommission.

Beschäftigte und Gewerkschafter kritisieren Hinhalte-Taktik der Arbeitgeber

TKS-Betriebsrat Moritz Engels

Auf eine bisher eher unbeachtete Gruppe unter den Beschäftigten, die neben der Arbeit noch ein Studium machen (duales Studium), ging Betriebsrat Moritz Engels ein. Sie befänden sich in einem rechtlichen Grau-Bereich mit dubiosen Praktikumsverträgen. Für sie müsse es einen festen, gültigen Tarifvertrag geben. 

Deutlich wird: Die ArbeitnehmervertreterInnen und GewerkschafterInnen sind nicht länger bereit, die Hinhalte-Taktik der Arbeitgeber hinzunehmen. Sie fordern daher ein konkretes Angebot ein:  Im  Fußball gäbe es für Täuschungsspiel, das nur auf  Zeit spiele, die gelbe Karte – die werde es in den nächsten Wochen auch für die Arbeitgeber geben, weil sie auf Zeit spielen würden. 

Die „Abwarte-Strategie“ der Arbeitgeber sei frech, so Giesler. Er forderte daher endlich ein Angebot der Arbeitgeber ein. Um dies zu erzwingen, seien sie zu weiteren Warnstreiks bereit. Keine leere Drohung: Immerhin sind 90 Prozent der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie gewerkschaftlich organisiert.

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