Vom Pilotprojekt zum stadtweiten Netzwerk: Was „lokal willkommen“ in zehn Jahren erreicht hat

Zehn Jahre Beratung für Zugewanderte in den Dortmunder Stadtbezirken

Blick in die Bürgerhalle
Foto: Stadt Dortmund / Roland Gorecki Das Integrationsnetzwerk lokal willkommen feierte sein 10. Jubiläum mit einer Feierstunde im Rathaus.

Mehr als 21.000 Menschen aus tausenden Haushalten haben nach Angaben der Stadt Dortmund in den vergangenen zehn Jahren die Beratung des Integrationsnetzwerks „lokal willkommen“ genutzt. Das Netzwerk begleitet zugewanderte Menschen beim Ankommen in den Stadtteilen. Die Jubiläumsfeier fand am Donnerstag, 15. Oktober, im Rathaus statt.

Vom Modellprojekt in Brackel und Aplerbeck zu sieben Standortbüros

Die Idee entstand 2015, als immer mehr Geflüchtete nach Dortmund kamen. Der Rat beauftragte die Verwaltung im Dezember 2015, ein Konzept für ein lokales Integrationsnetzwerk zu entwickeln. Es entstand gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden. Das Leitmotiv: Integration findet vor Ort in den Wohngebieten statt und muss organisiert und begleitet werden.

Im Oktober 2016 startete „lokal willkommen“ als einjähriges Pilotprojekt in den Stadtbezirken Brackel und Aplerbeck. Das erste Standortbüro eröffnete am Brackeler Hellweg. 2017 überführte die Stadt das Projekt in den Regelbetrieb, der Rat beschloss die Ausweitung auf alle Stadtbezirke.

Die Anlaufstelle des Projekts „lokal willkommen“ startet in Brackel. Fotos: Alex Völkel
Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de Die erste Anlaufstelle des Projekts „lokal willkommen“ startete im Oktober 2016 in Brackel.

Es folgten Mengede/Huckarde und Hörde/Hombruch (2018), Lütgendortmund (2019), die Innenstadt West/Ost (2020) und die Innenstadt Nord (2021). Heute arbeiten die Teams in sieben Standortbüros und mit mobilen Angeboten.

Das Netzwerk wurde auch ausgezeichnet: 2017 mit einem Sonderpreis der NRW-Staatskanzlei für kommunale Europaarbeit, 2018 beim Bundeswettbewerb „Hand in Hand – Kommunen gestalten“, verbunden mit 25.000 Euro Preisgeld.

Von Syrien bis zur Ukraine: Wie sich die Arbeit veränderte

In zehn Jahren hat sich das Umfeld stark verändert. Die Fluchtbewegungen infolge des Syrien-Konflikts, die Corona-Pandemie und die Aufnahme vieler Schutzsuchender aus der Ukraine stellten die Stadt und ihre Partner nach Angaben der Stadt vor große Herausforderungen. Die Teams hätten ihre Angebote jeweils an die Bedürfnisse der Menschen angepasst.

Die Beratung deckt viele Bereiche des Alltags ab. Die Teams helfen etwa bei der Suche nach Sprachkursen, Schul- und Kitaplätzen, beim Verstehen von Schreiben und Dokumenten, bei Fragen zum Lebensunterhalt, zum Wohnen, zu Bildung, Arbeit und Gesundheit sowie bei der Suche nach Freizeitangeboten. Bei speziellen Fragen vermitteln sie an Fachstellen weiter. Auf Wunsch gibt es auch Hausbesuche. Sprachmittler:innen unterstützen die Gespräche.

Das Angebot richtet sich nicht nur an neu Zugewanderte. Die Büros sind laut Stadt auch Anlaufstelle für Menschen mit Migrationsgeschichte, die schon länger in Dortmund leben, für Nachbar:innen und Vermieter:innen von Geflüchteten sowie für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.

Stadt und sieben Träger: Wer hinter dem Netzwerk steht

Die Teams in den Stadtbezirken bestehen aus Fachkräften der Stadt und eines Kooperationspartners. Dazu gehören der Caritasverband, das Diakonische Werk, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische, der Verbund der sozial-kulturellen Migrantenvereine (VMDO) und der Verein Projekt Ankommen. Die Steuerung liegt beim Sozialamt der Stadt.

Die Finanzierung stammt nach den Informationen der Stadt zu einem wesentlichen Teil aus dem EU-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, in dessen Rahmen das Projekt kofinanziert wird. Auf dem aktuellen Flyer wird zudem das Landesprogramm KOMM-AN NRW genannt.

Begegnung und Ehrenamt: Sprachcafés, Gärten und Fahrradwerkstatt

Neben der Beratung organisieren die Teams Begegnungsangebote. Dazu zählen Sprachcafés, offene Treffpunkte, Nachbarschaftsfeste, Fahrradwerkstätten, Gartenprojekte und Informationsveranstaltungen etwa zum Schulsystem, zu Energie oder zu Mülltrennung.

Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de Der vierte Standort von „lokal willkommen“ für die Stadtbezirke Eving und Scharnhorst.

Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und das Zusammenleben von Alteingesessenen und Neuzugezogenen zu fördern. Die Teams koordinieren auch ehrenamtliche Hilfe. Besonders hervorgehoben wird, dass Menschen, die selbst geflüchtet sind, heute andere begleiten, ihre Erfahrungen weitergeben und Orientierung bieten.

Nach zehn Jahren zieht das Sozialamt eine positive Bilanz. „lokal willkommen“ zeige, wie wichtig eine verlässliche, wohnortnahe Beratung für gelingende Integration sei. Wer früh Unterstützung finde, stärke damit auch die Gemeinschaft in den Stadtteilen.

Die Zusammenarbeit von Stadt, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Ehrenamtlichen soll fortgesetzt werden. Offen bleibt in den vorliegenden Unterlagen, wie die Finanzierung langfristig gesichert werden soll.

Service: Die Standorte im Überblick

Informationen und aktuelle Sprechzeiten gibt es unter dortmund.de/lokalwillkommen. Der aktuelle Flyer erscheint auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch und Russisch.

Die sieben Standorte:

  • Brackel und Aplerbeck: Brackeler Hellweg 138, 44309 Dortmund, Telefon 0231 50 28705 und 28706, lokalwillkommen.BA@stadtdo.de
  • Eving und Scharnhorst: Bayrische Straße 135, 44339 Dortmund, Telefon 0231 50 11157, 11158 und 11159, lokalwillkommen.ES@stadtdo.de
  • Hörde und Hombruch: Schildplatz 7, 44263 Dortmund, Telefon 0231 50 11138 und 11139, lokalwillkommen.HH@stadtdo.de
  • Innenstadt Nord: Brunnenstraße 25, 44145 Dortmund, Telefon 0231 50 11182, 11184, 11185, 11186 und 11187, lokalwillkommen.IN@stadtdo.de
  • Innenstadt West und Ost: Elisabethstraße 5, 44139 Dortmund, Telefon 0231 50 11197 und 11198, lokalwillkommen.IWO@stadtdo.de
  • Lütgendortmund: Lütgendortmunder Straße 128, 44388 Dortmund, Telefon 0231 50 11167, 11168 und 11169, lokalwillkommen.L@stadtdo.de
  • Mengede und Huckarde: Westerfilder Straße 21, 44357 Dortmund, Telefon 0231 50 11148 und 11149, lokalwillkommen.MH@stadtdo.de

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert