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„Visual Sound“ im Kunstlabor Parzelle: Ungewöhnlich, überraschend, mitunter bizarr – aber stets schlüssig

Angelika Hoffmann lädt zur Veranstaltungsreihe „Visual Sound“ in die Parzelle im Depot. Die Gäste erwarten hochkarätige audiovisuelle Performances und experimentelle Klang-Kunst-Konzerte. Fotos (3): Sascha Fijneman

Wer Ausgefallenes erleben, Neues sehen und Ungewohntes hören will, der ist bei Angelika Hoffmann in der Parzelle im Depot an der richtigen Adresse. Seit 20 Jahren arbeitet die interdisziplinäre Künstlerin in Dortmund in den Bereichen Visual Sound und Klangkunst, experimentiert mit Licht und Schatten, Ton und Bild und schafft so völlig neue Kunsträume. Dabei legt sie Wert auf Handarbeit und analoge Produktionen und versucht den Menschen einen sensitiven Zugang zu ihrer Kunst zu ermöglichen. Ab 20. September 2019 lädt sie zu einem neuen Veranstaltungsformat mit dem Titel „Visual Sound“ in die Nordstadt.

Parzelle zeichnet sich durch Experimente, Handarbeit und Schlichtheit aus

Angelika Hoffmann in ihrem EDV-Workspace in der Parzelle im Depot.

Gezeigt werden hochkarätige Visual-Sound-Performances und experimentelle Klangkunstkonzerte. Hierfür hat Angelika Hoffmann zahlreiche Gäste eingeladen, mit dabei sind viel alte Weggefährten.

„Ein Grund für das neue Format, ist, dass ich gerne die regionale KünstlerInnenszene mit der internationalen verknüpfen möchte“, erklärt Hoffmann. Übergeordnetes Ziel sei ein internationales Netzwerk audiovisueller KünstlerInnen.

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Während im Kulturort Depot vor allem die bildenden Künste wie beispielsweise die Malerei, die Fotografie oder das Theater im Vordergrund stehen, hat sich die Parzelle die Experimentierfreudigkeit als Alleinstellungsmerkmal auf die Fahnen geschrieben. Dabei soll alles möglichst einfach und unkompliziert sein. Hoffmann legt Wert darauf, dass das Publikum nachvollziehen kann, was bei den unterschiedlichen Performances auf der Bühne gerade eigentlich geschieht. Sie möchte ihnen einen sensitiven Zugang zu der von ihr favorisierten Kunstrichtung ermöglichen. 

Experimente mit dem Alltäglichen, um die Wahrnehmung der Menschen zu schärfen

Hoffmann legt Wert auf Schlichtheit und Handarbeit. Den Gästen soll ein sensitiver Zugang zur audiovisuellen Kunst ermöglicht werden.

„Wir arbeiten viel mit ganz alltäglichen Gegenständen, die bei uns einfach umfunktioniert werden und so fremdartig und ausgefallen erscheinen und neue Funktionen erfüllen“, so Hoffmann. Hierdurch möchte sie bei den Menschen eine Schärfung der Wahrnehmung anstoßen. 

Die Veranstaltungsreihe „Visual Sound“ sei ein langfristiges Projekt, mit dem Ziel, ein Setting für Licht und Klangkunst zu etablieren, um die Wechselwirkungen zwischen Licht und Schatten, Bild und Ton zu erforschen. Viele der Performances entwickeln sich erst auf der Bühne. Das Ganze hat also auch viel mit Improvisation und vor allem auch Assoziation zu tun.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe werden an zwei Abenden im September und an zwei Abenden im November jeweils zwei Veranstaltungen angeboten. Los geht’s am kommenden Freitag, den 20. September 2019 mit einem Hörspiel, das nicht nur zum Hören geeignet ist.

PuppenspielerInnen begeben sich auf fremdes Terrain – ein Hörspiel nicht nur zum Hören

Der letzte Auftritt von „Kaufmann & Co.“ in der Parzelle war für Angelika Hoffmann eine unvergessliche Sternstunde. Foto: Kaufmann & Co.

Unter dem Titel „Absender verzogen – Empfänger unbekannt“ präsentiert das Duo Kaufmann und Co. ein Hörspiel besonderer Art. Die zwei PuppenspielerInnen begeben sich auf fremdes Terrain, denn nicht Puppen sind dieses Mal ihr Material, sondern Briefe von Geflüchteten aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Orten. 

Mit entwaffnender Naivität versuchen sie durch Geräusche, Gesten und Objekte die Texte zu beleben und erfahrbar zu machen. Dadurch entstehen poetische Bilder, die sowohl Verbindungen zwischen den einzelnen Schicksalen als auch zu Heute sichtbar werden lassen, während Zeit und Raum sich aufzulösen scheinen. Kaufmann &Co. Treten um 20 Uhr in der Parzelle im Depot auf.

Angelika Hoffmann freut sich auf die beiden KünstlerInnen, sind sie doch nicht zum ersten Mal ihre Gäste. An ihren letzten Besuch erinnert sie sich als eine Sternstunde der damaligen Veranstaltung. Nach ihrer Hörspiel-Performance gibt es experimentelle Musik von „Tausendsassa“ Jan Klare und dem mexikanischen Schlagzeuger und Vibraphonisten Emilio Gordoa. 

Experimenteller Jazz mit Jan Klare und Frauenpower mit Herz mit Samirah Al-Amrie

Für Hoffmann ist Samirah Al-Amrie eine echte Powerfrau mit starker Stimme und Persönlichkeit. Foto: André Symann

Beide sind außergewöhnliche Persönlichkeiten der zeitgenössischen Improvisationsszene. Jan Klare setzt mit seinem ganz eigenen Ton am Saxophon absolute Maßstäbe. Emilio Gordoa entdeckt das Vibraphon ganz neu, durch figurative Spieltechniken mit Alltagsgegenständen.

„Es it für mich absolut faszinierend, Emilio bei der Arbeit zuzuschauen, wenn er am Vibraphon unzählige kleine Materialien zum Einsatz bringt und so immer wieder neuen Klang erzeugt“, freut sich Hoffmann auf die beiden Musiker.

Weiter geht’s am Samstag, den 21 September um 20 Uhr. Wer am Freitag das Hörspiel verpasst hat, kann dies dann nachholen. Denn zunächst stehen wieder Kaufmann & Co auf dem Programm, bevor um 21.30 Uhr eine weitere KünstlerIn die Bühne betritt. Die deutsch-jemenitisch-indonesische Sängerin Samira Al-Amrie wird World Songs präsentieren.

„Samirah ist einfach eine Powerfrau mit einer starken Stimme und Persönlichkeit. Ihre Musik zeichnet sich unterdessen durch viel Herz und Emotionalität aus“, macht Angelika Hoffmann Lust auf mehr. Al-Amrie vereint Einflüsse aus Pop, Rock, Jazz, Improvisation, Weltmusik und elektronischer Musik. 

Ein Abend voller Überraschungen mit dem „Camatta Kirchhoff Duo“

Beim „Camatta Kirchhoff Duo“ kann mit Überraschungen gerechnet werden. Foto: Robinsky

Die nächste Veranstaltung im „Visual Sound“-Rahmen findet am 22. November statt. Zunächst wird das „Camatta Kirchhoff Duo“ um 20 Uhr auftreten. „Ich lasse mich selber überraschen, was an dem Abend so alles passieren wird“, so Hoffmann. Denn mit präparierter Gitarre, Schlagzeug und klangvollen Objekten erschaffen Simon Camatta und St. Kirchhoff Musik und Geräuschflächen irgendwo zwischen Free Jazz, Noiserock und Ambient.

Ein regional- internationales Duo, das instrumentale Meisterschaft mit Spielwitz, einer guten Portion Humor und Leidenschaft verbindet. Im Anschluss an ihren Auftritt steht ein Projekt auf der Bühne, an dem Angelika Hoffmann persönlich beteiligt ist. Mit „Konsens“ feiern Hoffmann (Overhead Projektionen), Georg Dierks (Percussioninstrumente), Moritz Anthes (Jazz-Posaune), Robert Schleisiek und Thilo Schlöten (Feedback Aerophonium) die Lust am ungebundenen, spontanen Dialog.

Mit Licht und Schatten, Objekten und Material, selbstentwickelten Instrumenten, analogen und elektroakustischen Klängen kreieren die PerformerInnen fantastische Schatten- und Klangwelten, die ihr Publikum unmittelbar in das fesselnde Geschehen hineinholen. Visual Sound im besten Sinne: jedes Schattenbild ist eine Note, jeder Klang ist ein Bild.

Personen unter 20 Jahren haben freien Eintritt zu den Veranstaltungen

Mit der Projektformation „Konsens“ steht Angelika Hoffmann selber am Overhead-Projektor. Foto: Rai Sejk

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe „Visual Sound“ ist für den 23. November geplant. Ab 20 Uhr steht an diesem Abend skandinavischer Modern- und Improjazz auf dem Programm. Das Trio Ericson/Nästesjö/Berre erkundet auf filigrane Weise die verschiedenen Aspekte freier Improvisation. 

Im Anschluss an diesen „schönen und schrägen“ Aufritt präsentieren Hoffmann und Kollegen gegen 21.30 Uhr erneut ihre Klang-Schatten-Performance „Konsens“. Der Eintritt zu den jeweiligen Veranstaltungen wird 15 Euro kosten, ermäßigt 10 Euro. Personen unter 20 Jahren haben freien Eintritt.

 

 

 

Weitere Informationen:

  • Veranstaltungsort: Parzelle im Depot, Immermannstraße 29, 44147 Dortmund
  • Eintrittspreise:
  • 15 Euro/10 Euro ermäßigt/Personen unter 20 Jahren Eintritt frei
  • Vorbestellungen:
  • Unter Angabe des Veranstaltungsdatums und -namens, der Anzahl der Karten, des Namens sowie der e-mail-Adresse: a.h.performance@t-online.de
  • www.licht-schatten-projekte.de

Programm in der Übersicht:

Freitag 20. 09. 2019 um 20 Uhr
VISUAL SOUND IN DER PARZELLE IM DEPOT
Absender verzogen – Empfänger unbekannt von Kaufmann & Co.
Figurentheater, Hörspiel
Regie, Text, Spiel, Puppen: Alexandra Kaufmann, Eva Kaufmann

Bühnenbild, Lichtkonzept: Werner Wallner
Gefördert von: Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

um 21:30 Uhr Jan Klare & Emilio Gordoa
Konzert JAN KLARE – Saxophon
Emilio Gordoa (Mexiko/Berlin) – Vibraphon

Samstag 21. 09. 2019 um 20 Uhr
VISUAL SOUND IN DER PARZELLE IM DEPOT

Absender verzogen – Empfänger unbekannt von Kaufmann & Co.
Figurentheater, Hörspiel
Regie, Text, Spiel, Puppen: Alexandra Kaufmann, Eva Kaufmann
Bühnenbild, Lichtkonzept: Werner Wallner
Gefördert von: Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

um 21:30 Uhr Samirah Al-Amrie
World Songs, Konzert / Tanz
Samirah Al-Amrie: Gesang, Rav, Handpan, Perkussion
Ronnie Waldmann: (Israel) – dance, udu, vocals

Freitag, 22. 11. 2019 um 20:00 Uhr
VISUAL SOUND IN DER PARZELLE IM DEPOT

Camatta Kirchhoff DUO
Konzert
Simon Camatta – drums, percussion

St.Kirchhoff – guitar

um 21:30 Uhr Konsens
analog-, elektroakustische Klang-Schatten-Performance Theater Parzelle
Angelika Hoffmann – Analoge Overhead Projektion
Georg Dierks – Drums
THE FEEDBACK GENTS / Robert Schleisiek, Thilo Schoelpen- Feedback Aerophonium
Moritz Anthes – Posaune

Samstag, 23. 11. 2019 um 20:00 Uhr
VISUAL SOUND IN DER PARZELLE IM DEPOT
Ericson/Nästesjö/Berre Trio
Konzert

Skandinavischer Modern- und Impro Jazz
Sture Ericson (SE) – Tenor- & Baritonesax, Bass Klarinette, Klarinette
Johannes Nästesjö (SE) – Double-Bass
Håkon Berre (NO) – Schlagzeug

um 21:30 Uhr Konsens
analog-, elektroakustische Klang-Schatten-Performance Theater Parzelle
Angelika Hoffmann – Analoge Overhead Projektion
Georg Dierks – Drums
THE FEEDBACK GENTS / Robert Schleisiek, Thilo Schoelpen- Feedback Aerophonium
Moritz Anthes – Posaune

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