Ungewöhnliches Becken: In Dorstfeld lernen Kinder in dem „Narwali“-Container das Schwimmen

Das Pilotprojekt des Landes NRW „Narwali“ geht zu Ende

Der erste Schwimmcontainer steht nun am Familienzentrum Dorstfeld. Stadt Dortmund / Roland Gorecki

In Dortmund Dorstfeld haben Kinder derzeit die Möglichkeit, auf besondere Weise schwimmen zu lernen. Auf dem Gelände des Familienbüros wurde für mehrere Wochen ein mobiler Schwimmcontainer im Rahmen des Pilotprojekts „Narwali“ aufgestellt. Das Projekt ist Teil einer landesweiten Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, die die Schwimmfähigkeit von Kindern stärken und dem zunehmenden Nichtschwimmer-Anteil unter jungen Menschen entgegenwirken soll.

Immer mehr Grundschulkinder können nicht schwimmen

Laut der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG), kann deutschlandweit jedes fünfte Kind im Grundschulalter nicht schwimmen. Im Zuge dessen hat das Land Nordrhein-Westfalen ein Budget von drei Millionen Euro in die Hand genommen, um die Schwimmfähigkeit von Kindern landesweit zu verbessern. Ein zentrales Element davon, sind die mobilen Schwimmcontainer „Narwali“. Sie sollen vor allem Kita- und Grundschulkindern niederschwellige Schwimmangebote direkt vor Ort ermöglichen und erste Erfahrungen im Wasser erleichtern.

Der Schwimmcontainer „Narwali“ steht seit April 2026 in Dortmund Dorstfeld. Lilia Krächter | Nordstadtblogger

Die Landesförderung erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Insgesamt sind drei Schwimmcontainer in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs und wurden an verschiedenen Standorten eingesetzt. Im Regierungsbezirk Arnsberg, beteiligte sich der Schwimmverein Hattingen als lokaler Projektträger. Dortmund stellt dabei die letzte Station des Projekts, nachdem der Container zuvor bereits an zwölf weiteren Orten genutzt wurde.

Seit April 2026 steht der Schwimmcontainer auf dem Gelände des Familienbüros in Dortmund Dorstfeld und ermöglicht kostenlose Schwimmkurse unter professioneller Anleitung. Die offizielle Eröffnung fand erst jetzt statt. Denn die Landesförderung endet diesen Monats und ab dem 1. Juni 2026 übernimmt die Stadt Dortmund den Betrieb durch eine Anmietung, sodass die Kurse bis Ende August mehrfach pro Woche weiterlaufen können.

Die Besonderheit des Schwimmunterrichts im Narwali Container

Das mobile Becken ist fast acht Meter lang und drei Meter breit. An der tiefsten Stelle ist es 1,35 Meter tief. Die Wassertemperatur liegt bei 30 Grad. Pro Schwimmstunde können sechs Kinder teilnehmen. Dabei stehen besonders Kinder im Fokus, welche noch keine Schwimmerfahrung oder Angst vor dem Wasser haben.

Das kleine Schwimmbecken in dem „Narwali“-Container. Lilia Krächter | Nordstadtblogger

„Durch den kleinen Raum im Container wird den Kindern die Angst genommen“, erklärt Jochen Lumbeck, Geschäftsführer des Schwimmvereins Hattingen. Die Erfolgsquote sei entsprechend hoch. Auch die Schwimmtrainerin Nadine Specht betont die Vorteile des kompakten Formats. „Oft trauen sich Kinder am Anfang der Stunde kaum mit dem kleinen Zeh ins Wasser, am Ende sind sie dann vollständig im Wasser“.

Wichtig sei zudem ein spielerischer Einstieg in den Unterricht. „Wir starten jede Stunde mit einem Spiel“, so Specht. Das sorge nicht nur für Spaß und Bewegung, sondern helfe auch dabei, Vertrauen aufzubauen und die Kinder besser kennenzulernen, das sei besonders wichtig da es häufig Kinder gibt, die kaum oder gar kein Deutsch sprechen. „Schwimmen ist international, dort gibt es keine Sprachbarriere“, erklärte Specht.

Die Kinder werden Seepferdchen tauglich gemacht

Ziel der Kurse sei es, die Kinder an das Wasser zu gewöhnen und sie möglichst auf das Seepferdchen-Abzeichen vorzubereiten. Direkt im „Narwali“-Container könne das Seepferdchen jedoch nicht absolviert werden, da man nicht vom Beckenrand springen kann.

Jochen Lumbeck ist Geschäftsführer des Schwimmvereins Hattingen. Lilia Krächter | Nordstadtblogger

Lumbeck verwies zudem darauf, dass die Kinder nach Abschluss der Kurse die Möglichkeit hätten, bei sogenannten „Seepferdchen-Tagen“ in ausgewählten Hallenbädern ihr Schwimmabzeichen abzulegen. Voraussetzung dafür sei allerdings ein entsprechendes Angebot der jeweiligen Kommune.

Da die teilnehmenden Kinder in Dortmund überwiegend im Vorschulalter sind, setzen die Verantwortlichen vor allem auf eine langfristige Fortführung des Schwimmens im Grundschulunterricht. „Wir können den Eltern und Kindern nur Anstöße geben, dranzubleiben, denn Schwimmen ist eine Fleißarbeit“, betonte Specht.

Die genaue Zukunft des Projektes bleibt noch offen

Das Projekt „Narwali“ wird vom Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Dortmund sowie weiteren Partnern und Sponsoren finanziert, darunter die Stiftung der Spar- und Bauverein eG Dortmund. Deren Vorstandsvorsitzender Christian Jaeger weist darauf hin, dass für viele Familien selbst der regelmäßige Schwimmbadbesuch eine finanzielle Hürde darstelle.

Die Dezernentin für Schule, Jugend und Familie: Monika Nienaber-Willaredt. Lilia Krächter | Nordstadtblogger

„Schwimmen ist eine Lebenskompetenz“, betont auch Dezernentin Monika Nienaber-Willaredt. Es fördere Gesundheit, Motorik und Selbstvertrauen von Kindern. Daher gibt es bereits Überlegungen, wie die Schwimmförderung in Dortmund auch nach dem Projektende nachhaltig gesichert werden kann.

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten, Vereinen wie der DLRG und dem Stadtsportbund Dortmund soll ein langfristiges Netzwerk entstehen. Auch das Erlebnisbad Wischlingen plant, künftig die kostenlose Abnahme des Seepferdchens für Kinder zu ermöglichen.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert