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Trotz leichtem Minus verbuchen Stadtverwaltung und Museum die Pink Floyd-Ausstellung im Dortmunder U als Erfolg 

Die Großproduktion „Their Mortal Remains“ ist die bestbesuchte Ausstellung in Dortmund seit den 90er Jahren. Trotz finanziellem Defizit von rund einer Millionen Euro, ein Erfolg für Stadt und Museum. Fotos: Alex Völkel

Seit Herbst 2018 war die Pink Floyd-Ausstellung „Their Mortal Remains“ im Dortmunder U zu sehen. Ging es eher schleppend los, stiegen die BesucherInnenzahlen spätestens ab Dezember kontinuierlich an. Auch wenn die abschließende Rechnungsbilanz noch nicht vorliegt, war das Mammutprojekt in den Augen der Stadtverwaltung und des Museums ein Erfolg. Und das, obwohl sie ein Minus von rund einer Millionen Euro zu verzeichnen haben.

Besucherinteresse lief langsam am – Stüdemann: „Wir waren anfangs schon recht ernüchtert“

Kulturdezernent Jörg Stüdemann und der Direktor des Dortmunder U, Edwin Jacobs. Foto: Roland Gorecki

Diese Summe sei jedoch von Anfang an als Risiko mit in die Kalkulation eingeflossen und habe laut Kämmerer Jörg Stüdemann keine weiteren Auswirkungen auf den Stadthaushalt.

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Der Zugewinn an Aufmerksamkeit, der Zuspruch der Gäste und die Imageaufwertung der Stadt neben der Etablierung des Dortmunder U als internationale Kunstadresse sind für die Verantwortlichen von unschätzbarem Wert.

„Wir waren anfangs schon recht ernüchtert“, gibt Kulturdezernent Jörg Stüdemann offen zu. Aufgrund europaweiter Werbung über alle verfügbaren Kanäle, hatte man sich mehr BesucherInnen erhofft. Doch nachdem die lokalen Medien Anfang Dezember letzten Jahres dazu animiert worden seien, nochmals die Werbetrommel für die Ausstellung zu rühren, habe man vor allem Dortmunder BesucherInnen mobilisieren können.

„Seit Dezember hat es dann gekracht“, so Stüdemann weiter. „Their Mortal Remains“ sei die erfolgreichste Ausstellung in Dortmund seit Anfang der 90er Jahre. Damals besuchten rund 150.000 Gäste die Ausstellung, die sich mit dem ersten Kaiser von China und seiner Terrakotta-Armee beschäftigte.

Von Anfang an sei allen Beteiligten klar gewesen, dass das Großprojekt auch Risiken mit sich bringen würde. Doch diese einzugehen, sei notwendig, um international ins Gespräch zu kommen, so Edwin Jacobs. Es ist dem Engagement des Direktors des Dortmunder U zu verdanken, dass die Ausstellung den Weg nach Dortmund gefunden hat.

Viel Wagemut und Einfallsreichtum, um internationale Aufmerksamkeit zu erregen

Der reibungslose Ablauf war nur durch optimale Teamarbeit möglich.

Mit viel Wagemut und Einfallsreichtum habe sich Jacobs darum bemüht, die Ausstellung nach Dortmund zu holen, so Stüdemann. Diese Risikobereitschaft sei notwendig, wenn man in Zukunft „nicht immer nur kriechen, sondern endlich springen wolle.“

Er leistete im Vorfeld Überzeugungsarbeit bei den OrganisatorInnen, mit denen er die gegebenen Räumlichkeiten und die vorhandene Infrastruktur begutachtete. Hierdurch habe er das eigene Haus plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen und es hätten sich ihm völlig neue Potentiale offenbart. „Auch wenn Dortmund nicht Rom oder London ist, waren alle begeistert von den Möglichkeiten, die sich hier offenbarten“, so Jacobs.

Er betont die tolle Teamarbeit in allen Bereichen der Ausstellung, egal, ob Sicherheit, Empfang oder Service. Die absolute Mehrheit der BesucherInnen habe hierzu positives Feedback gegeben. „Ich selber habe nur einen Tag der Ausstellung verpasst. Ich bin begeistert vom Engagement der MitarbeiterInnen, auf die wir uns beispielsweise an den Weihnachtsfeiertagen oder an Silvester voll verlassen konnten“, freut sich der Museumsdirektor.

Erfolg durch optimale Teamarbeit; BesucherInnen geben positives Feedback

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ging’s ab Dezember aufwärts mit den BesucherInnenzahlen.

Alle zusammen seien von dem gemeinsamen Produkt überzeugt gewesen. Auch die Techniker, die die Ausstellung betreut hätten, seien unermüdlich im Einsatz gewesen und hätten bei den wenigen Problemfällen meistens innerhalb kürzester Zeit Lösungen finden können.

Dieses positive Fazit spiegelt sich auch in den Ergebnissen einer BesucherInnenbefragung wider. Hier hatten 97 Prozent der Befragten angegeben, mit der Ausstellung sehr zufrieden zu sein und sie weiter zu empfehlen. Die ist offenbar auch vielfach geschehen, denn ein knappes Drittel der Befragten gab an, durch persönliche Empfehlung auf die Ausstellung aufmerksam gemacht worden zu sein.

Während ein Drittel der Befragten angab, aus Dortmund und dem Ruhrgebiet zu kommen, entfiel ein weiteres Drittel auf Nordrhein-Westfalen. Jeder Fünfte reiste aus anderen Bundesländern an. Die Hälfte der Pink Floyd-BesucherInnen nutzte die Gelegenheit, sich auch andere Angebote im U-Turm anzuschauen. Zahlreiche Gäste besuchten noch eine der Ausstellungen im Museum Ostwall, im Hardware Kunst- und Medienvereien (HMKV) auf der UZWEI oder in der Hochschuletage.

Beispielhafte Qualität und Atmosphäre machen Mut und Lust auf mehr

Die unvergleichliche Atmosphäre wird den BesucherInnen in Erinnerung bleiben.

Außerdem freut sich Jacobs, dass viele KollegInnen anderer Museen aus ganz Europa die Ausstellung besucht und Dortmund erlebt haben. Hierdurch öffnen sich für das Dortmunder U zahlreiche neue Kooperationsmöglichkeiten.

Man könne durch die erfolgreiche Abwicklung einer solchen Großproduktion auf einem ganz anderen Niveau mit AusstellungsmacherInnen, KünstlerInnen und VeranstalterInnen verhandeln.

Der Erfolg von „The Mortal Remains“ macht Mut und Lust auf mehr. So hoffen Stüdemann und Jacobs darauf, in Zukunft alle zwei bis drei Jahre ein derartiges Großformat in Dortmund präsentieren zu können. Die sechste Etage im Dortmunder U soll sich langfristig als Ort qualitätsvoller, hochkarätiger und besuchsstarker Ausstellungen etablieren.

Derzeit verhandelt U-Direktor Edwin Jacobs mit renommierten Partnern in Spanien und Belgien. Noch in diesem Jahr wird in der sechsten Etage eine Kunstausstellung des Museums Ostwall zu sehen sein: In „Ein Gefühl von Sommer…: Niederländische Moderne aus der Sammlung Singer Laren“ entdeckt das Publikum neue Kunstwelten aus seinem Lieblings-Nachbarland ab dem 11. Mai 2019.

Weitere Informationen:

  • Die BesucherInnenzahlen sollen sich zwischen 50. 000 und 100.000 Personen bewegen. Genaue Angaben hierzu werden mit der Veröffentlichung der Abschlussbilanz bekannt gegeben.
  • Die Kosten wurden von den Organisatoren insgesamt auf rund fünfeinhalb Millionen Euro beziffert, wobei ein Risiko von rund einer Millionen Euro darin enthalten ist. Dieser Wert wurde laut Stüdemann geringfügig überschritten.
  • Die für eine solche Ausstellung ziemlich hoch bepreisten Eintrittskarten im Wert von 30 Euro und das zusätzliche Sponsoring reichten nicht dazu aus, die Kosten zu refinanzieren.

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