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Sultan Khairandish stellt in der Artothek aus: Wo ist Heimat? Was ist Heimat? Ist Heimat da, wo ich gerade bin?

Maler Sultan Khairandish in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek. Foto: Gerd Wüsthoff

Von Gerd Wüsthoff

Der afghanische Künstler Sultan Khairandish freut sich auf seine erste Ausstellung in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Die Ausstellung läuft bis zum 3. April, immer Dienstags und Freitags von 10 bis 19 Uhr. Seit 2015 ist Sultan Khairandish in Dortmund. Mit seiner Familie hat der Künstler bis 2020 eine vorläufige Heimat in der Stadt gefunden.

Feine, sensible, expressionistische Pinselstriche für Personen und Szenen aus Afghanistan

Das Jam Minarett bei Ghoor von Sultan Khailandish in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Foto: Gerd Wüsthoff

Frau Adrian, Leiterin der Artothek, begrüßte zur Eröffnung der Ausstellung von Khairandish die anwesenden Gäste. Die Bilder des Künstlers erzählen vom Alltag aus der alten Heimat in Afghanistan. Sie zeigen Menschen und Landschaften. Teils werden großformatige aber auch kleinere, sehr intensive Arbeiten, gefertigt mit verschiedenen Techniken gezeigt.

Bei der Betrachtung der Bilder von Khairandish spürt man auf den ersten Blick die Liebe des Künstlers für seine zwangsweise verlassene Heimat Afghanistan. Mit feinen, sensiblen, fast expressionistischen Pinselstrichen skizziert und plakatiert der Maler Personen, Szenen, Landschaften und Gebäude aus Afghanistan nun seit Jahren aus der Erinnerung heraus. Lebensfreude und Liebe zum Dargestellten springen die BetrachterInnen –  ohne triefende Aufdringlichkeit –  förmlich an.

Khairandish präsentiert den BesucherInnen seine Heimat, wie sie sein könnte, oder war, gäbe es nicht die schrecklichen Ereignisse durch die aktuellen Machtkämpfe und Terrorattacken der Taliban.

Afghanistan war einmal ein Schmelztiegel der Kulturen, und pflegte einen weltoffenen und liberalen Islam. Der mit dem sowjetischen Einmarsch zur Unterstützung des kommunistischen Regimes und dem von den USA unterstützten Kampf und Sieg der Taliban ein jähes Ende fand.

Sultan Khairandish und seine Familie sind voll integriert

Maler Sultan Khailandish mit zwei seiner Kinder in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Foto: Gerd Wüsthoff

Khairandish entstammt einer Familie aus der alten Elite Afghanistans; hatte vor seiner Flucht eine eigene Werbeagentur und Galerie in Kabul und gab Unterricht an der dortigen Kunsthochschule.

Der Künstler und seine Familie führten einst ein selbstbestimmtes Leben in Afghanistan und sind nun auf den Status von Flüchtlingen zurückgeworfen. „Nur zu gerne würde ich mit meiner Arbeit erfolgreich meine Familie unterstützen, um nicht meinem Gastland zur Last zu fallen“, erklärt Khairandish in Gespräch, während er seine Bilder zeigt.

Frau Rita-Maria Schwalgin vom „atelierkunstDOmäne“ in der Schillerstr. 43A, führt die Anwesenden in die Ausstellung ein. Sie berichtet von ihrem ersten Kontakt zu Kairandisch, welcher über Frau Mechthild Rodegro erfolgte, die den Künstler durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe und als Deutschlehrerin kennen gelernt hatte.

Schwalgin referiert in erster Linie über den Werdegang des Künstlers in Deutschland nach seiner zweiten Flucht mit der Familie aus Afghanistan. Erstmalig von 1996 bis 2000 floh Kairandisch mit der Familie vor den Taliban aus Kabul. 2000 ging er zurück in seine Heimat, um 2015 das Land erneut, schweren Herzems, mit der Familie wieder zu verlassen. Die drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen, der Familie Khairandish sind innerhalb kurzer Zeit in ihren Schulen und im Kindergarten integriert.

Aktionsmalerei auf höchstem Niveau – Khairandish malt vor Publikum

Aktionsmalerei von Maler Sultan Khailandish in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Foto: Gerd Wüsthoff

Zur besseren und flüssigeren Verständigung unterstützte als Dolmetscher der iranische Künstler und Freund von Khairandish, Davoud Safaraz. Safaraz selbst ist renommierter Künstler aus dem Iran (Teheran) und lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Dies war um so wichtiger, da das Modell von Kairandisch für „das Life-Malen“, Jan Agha Jalalj, ein Freund des Malers und von Safaraz, erst seit kurzem in Deutschland ist.

Während der Veranstaltung „OffeneNordstadtAteliers 2017“ hatte Khairandish erstmals in der Galerie 103 ausgestellt und öffentlich gemalt. „Ich würde mich das nicht trauen“, sagte Safaraz anerkennend über seinen Freund. Gerne lässt sich Khairandish dabei auch von Musik begleiten. Weitere öffentliche Maltermine werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Abschlussveranstaltung des diesjährigen Programms „Marhaba 103“ bei „Machbarschaft Borsig11“ in der Oesterholzstraße

Live-Kunst im Schaufenster: Sultan Khairandish malt während der „Offenen Nordstadt-Ateliers“ 2017 in der „Galerie 103“

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