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Stadtspitze ringt um Erhalt von Caterpillar in Dortmund – und wappnet sich parallel für den Fall des Scheiterns

Damals gab es noch einen Grund zum Feiern – Archivbild vom Mitarbeieter*innen-Fest bei Caterpillar.

Am Caterpillar-Standort Dortmund entstehen Großhydraulikbagger für den Weltmarkt in höchster Qualität. Doch im April hatte die Geschäftsleitung des US-Eigetnümers Cat. Inc. dem Betriebsrat offiziell mitgeteilt, das Werk in Dorstfeld solle wie die beiden in Lünen und Wuppertal geschlossen werden. Grundlage hierfür ist eine strategische Entscheidung des Unternehmens. Caterpillar will näher an den asiatischen Markt rücken und sich dort konzentrieren. Das möchte die Stadtspitze, wenn irgend möglich, verhindern, stehen doch an die 620 Arbeitsplätze auf dem Spiel – derzeit fahren die Beschäftigten sogar Überstunden. Auf einen Brief, in dem OB Ullrich Sierau um den Erhalt des Standortes bei der Unternehmensleitung in den Staaten geworben hatte, gab es nun eine Reaktion. Von einer harte Absage kann darin keine Rede sein.

Dichtestes Hochschulnetz in Europa als Kompetenznachweis des Standortes

In dem Schreiben des Oberbürgermeisters an den Caterpillar-Vorstand wurde skizziert, dass insbesondere für die zukünftige Entwicklung von Hydraulikbaggern der Standort Dortmund hervorragende Bedingungen liefert. So wurden von Unternehmen seit Jahrzehnten Standortentscheidungen für Dortmund und die nähere Region auch deshalb getroffen, weil die Region über das dichteste Hochschulnetz Europas verfügt. ___STEADY_PAYWALL___

Annähernd 40 Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) sowie eine Vielzahl renommierter technikorientierter und produktionsaffiner Forschungseinrichtungen belegen die einzigartige Kompetenz dieser bedeutendsten Industrieregion Deutschlands.

Für alle Unternehmen der Region seien die Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt und der hohe Innovationsgehalt der Produkte entscheidend. Bei den hierfür erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten arbeiten hiesige Unternehmen Hand in Hand mit den Fakultäten und Instituten von Universitäten und Fachhochschulen.

Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft für anwendungsorientierten Technologietransfer

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Zukunftsmusik am Herzen der Wirtschaft – so könnte der FH-Campus auf der alten HSP-Fläche aussehen. Visualisierung: Thelen-Gruppe

Als größter IT-Ausbildungsstandort der Bundesrepublik ist Dortmund auch Kompetenzstandort im Bereich der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Zahlreiche Initiativen bündeln und stärken die Kompetenzen in diesem Bereich, um Wissenschaft und Wirtschaft noch enger miteinander zu verzahnen, damit ein effizienter und anwendungsorientierter Technologietransfer gelingt.

Dabei spielt das Thema autonome und automatische (Maschinen)-Fahrzeuge eine wesentliche Rolle. Das in Dortmund ansässige Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik ist hier international Vorreiter.

Die Kombination dieser Faktoren gepaart mit einer hochqualifizierten Belegschaft führe dazu, dass Dortmund für Caterpillar der weltweit beste Standort sei, um nachhaltig auch in Zukunft innovative Produkte zu entwickeln und herzustellen. Eine vergleichbare Kompetenz im regionalen Kontext ist für Indonesien nur schwer vorstellbar.

Konzern trifft eine strategische, keine betriebswirtschaftlich basierte Entscheidung

Hinzu kommt, dass der Standort in Dortmund in den zurückliegenden Jahren seine Produktivität, Qualität und Profitabilität durch eine ganze Reihe von Maßnahmen deutlich gesteigert hat. Dieser Standort schreibt keine roten Zahlen, er hat alle Potentiale ein strategischer Standort für Caterpillar zu sein.

Aus Sicht der Wirtschaftsförderung basiert die strategische Entscheidung von Caterpillar, den Standort Dortmund perspektivisch zu schließen, auf einer Betrachtung der gesamten Produktlinie von Großhydraulikbaggern. Der Konzern habe eine strategische Entscheidung getroffen, nicht über den Standort, so Wirtschaftsförderer Thomas Westphal nach der Sitzung des Verwaltungsvorstandes.

Rein betriebswirtschaftlich betrachtet, machen für ihn die Pläne des US-Konzern jedenfalls wenig Sinn. In Dorstfeld werden keine roten Zahlen geschrieben, sondern Gewinne erwirtschaftet. Zudem wurden der Belegschaft Anfang Mai seitens der Unternehmensspitze noch Prämien angeboten, um die Stückzahl an Hydraulikbaggern zu erhöhen mitteilen. Gleichzeitig aber hieß es: der Wunschtermin für die Schließung des Werkes sei der 31. Juli 2021.

Moderate Töne aus den Vereinigten Staaten lassen Hoffnung aufkommen

Monströse Tradition in Dortmund-Dorstfeld – seit 1895.

Eine größere Rolle in der US-Motivation dürften die Absatzmöglichkeiten spielen. Die in Dortmund produzierten Großbagger gehen annähernd zu 100 Prozent in den Export. Insofern scheint ein einzelner Standort in Asien Vorteile zu haben. Derzeit befindet sich der Konzerns in einer Phase, in der darüber nachgedacht wird, wie die Unternehmensentscheidung, nur noch an einem Standort weltweit zu produzieren, umgesetzt werden kann.

Da aber in diesem Zusammenhang auch Qualitätsfragen in der Produktion und infrastrukturelle Rahmenbedingungen – nunmehr auch vor den Herausforderungen einer Corona-Pandemie – geprüft werden, ist es für Stadt und Wirtschaftsförderung dennoch essentiell, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass diese Entscheidung nicht endgültig wird.

Und dann ist da noch das Antwortschreiben auf den Brief von Ullrich Sierau aus der Zentrale in Illinois. Das sei sehr moderat geschrieben, so der OB. Darin sei zu erkennen gegeben worden, dass man verstehen könne, dass sie in Dortmund um den Erhalt des Werkes kämpfen, denn es handele sich um einen starken Standort. Bedeutet wurde, dass sie sich noch in der Überlegensphase befänden. „Von einer harten Absage nichts zu lesen.“

IG Metall bereits in Verhandlungen mit Dortmunder Geschäftsführung über einen Sozialplan

Hoffnung macht der Stadt auch, dass das den Brief zeichnende Vorstandsmitglied die Vorstellung geäußert hat, Dortmund zu besuchen. Darauf wolle man antworten, so Sierau, zusätzliche Informationen zuleiten, sich auch digital treffen.

Also angesichts der speziellen Dortmunder Standortvorteile im regionalen und überregionalen Kontext weiterhin das Gespräch mit dem Konzern suchen, um vielleicht erfolgreich Überzeugungsarbeit für einen Verbleib der Produktion – oder zumindest von Teilen davon – leisten zu können.

Was auf alle Fälle vermieden werden soll: dass der Standort schlagartig aufgegeben wird. Für den Fall, dass die Bemühungen nicht erfolgreich sein sollten, steht die Wirtschaftsförderung bereit, Vermittlungsstrukturen für die gut qualifizierte Belegschaft aufzubauen. Fakt ist, dass derzeit noch keine Kündigungen bei der Bundesagentur für Arbeit angezeigt wurden.

Derzeit finden zwischen der Gewerkschaft IG Metall und der Dortmunder Geschäftsführung Verhandlungen statt, in der es sowohl um einen Sozialplan als auch mögliche alternative Nutzungen für das Werk geht. Solche Parallelverhandlungen über einen Sozialplan seien durchaus üblich, betont Thomas Westphal.

Die Qualifizierung der Belegschaft und die rund 40 Mio. Euro, die in den letzten Jahren in das Werk investiert worden sind, sollen aus Sicht der Gewerkschaft weiter zum Einsatz kommen.

 

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