„Mayors for Peace“: Friedenstaube ziert den Platz von Hiroshima

Stadt Dortmund zeigt Flagge gegen Atomwaffen und setzt sich für friedvolles Miteinander ein

Am Banner Dr. Martin Rees (l.) und Dr. Jürgen Huesmann vom IPPNW; in der Mitte v.l. Yoko Schlütermann von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft mit Johannes Koepchen (IPPNW) und Bürgermeister Norbert Schilff sowie weiteren Beteiligten der Aktion. Foto: Stephan Schütze für die Stadt Dortmund

Von Laura Galezowski

Seit Anfang der Woche ziert eine Friedenstaube aus Kreidefarbe den Platz von Hiroshima in der Dortmunder Innenstadt. Sie steht für das weltweite Bündnis „Mayors for Peace“, das jedes Jahr am „Flaggentag“ ein Zeichen gegen Atomwaffen setzt. Diese globale Initiative wurde 1982 von dem damaligen Bürgermeister von Hiroshima, Takeshi Araki, ins Leben gerufen und vereint seither tausende Städte nach einem gemeinsamen Streben für eine friedliche Welt ohne nuklearer Aufrüstung. Dortmund ist schon seit 1985 Teil dieser Bewegung.

Die weltweite Aufrüstung ist eine akute Gefahr

Friedensbewegte und Aktivist:innen versammeln sich in Dortmund – durch das UEFA-Fanfest vom Friedensplatz vertrieben – auf dem Platz von Hiroshima. Dortmunds 1. Bürgermeister Norbert Schilff, Yoko Schlütermann, Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Dr. Martin Rees und Dr. Johannes Koepchen von den IPPNW sowie Cornelia Wimmer vom Friedensforum Dortmund halten Reden.

Bürgermeister Norbert Schilff Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Das Auditorium ist übersichtlich: Bereits zu Beginn der Veranstaltung geht der Dortmunder Bürgermeister auf die begrenzte Teilnehmerzahl ein: „Es sind viele gekommen, es könnten aber noch mehr sein.“

Ein Satz der nicht nur die Wichtigkeit der Gedenkaktion, sondern auch die Wichtigkeit der Thematik im Allgemeinen betont. Auch die folgenden Redebeiträge betonen diesen Aspekt. 

„Wir leben wir alle auf einem nuklearen Pulverfass“

Nicht nur für Cornelia Wimmer ist die aktuelle Lage um das mögliche Einsetzen von Atomwaffen akut: „Abrüstung findet ohnehin nicht mehr statt.“ Stattdessen gebe es teilt sie den technischen Fortschritt und immer stärkere und ausgeklügeltere Atomwaffen -„keiner, zielgenauer, präziser, steuerbar“, so Wimmer.

Cornelia Wimmer (Friedensforum) Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Sie macht deutlich, dass sich viele Deutsche ihrer eigenen Betroffenheit nicht bewusst seien: „Angesichts der heutigen, minimalen Vorwarnzeiten leben wir alle auf einem nuklearen Pulverfass“, betont die Friedensaktivistin. 

So droht aktuell Russland immer wieder den westlichen Verbündeten der Ukraine mit einer nuklearen Reaktion. Aber auch andere Länder, die nach nach eigenen Atomwaffen streben oder sie bereits besitzen, sind in kriegerische Auseinandersetzungen verstrickt oder stehen seit Jahrzehnten an einer Schwelle zum Krieg. Die Forderung nach Abrüstung ist aktueller denn je.

Die Worte eines Hiroshima-Überlebenden als Mahnung

Der Schatten des Leids legt sich noch immer über die wenigen Überlebenden der Hiroshima Katastrophe: Yoko Schlütermann zitiert die Worte eines Hibakusha namens Hideaki Asai, um den noch immer Leidenden eine Stimme zu geben.

Yoko Schlütermann ist Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft.
Yoko Schlütermann ist Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Hideaki Asai überlebte den Angriff als 13-Jähriger: „Eine einzige Bombe, die Atombombe, hat vielen Menschen das Leben gekostet und hat Folgen bis in die dritte Generation. Ich hoffe, dass eine solche Tragödie nie wieder passieren wird“, sagte Hideaki Asai. „Nur im Frieden können Menschen wirklich glücklich Leben.“

Doch davon ist die aktuelle Weltlage weit entfernt: „Trotz aller Bemühungen befindet sich die Welt mitten im Krieg“, bedauert Yoko Schlütermann.

Aus diesem Grund seien Veranstaltungen wie der Flaggentag der „Mayors for Peace“ so wichtig. Etwa 8.400 Städte in 166 Ländern gehören dem Bündnis an, darunter 895 Städte in Deutschland. Von diesen beteiligten sich rund 600 am diesjährigen Flaggentag.

„Die zahlreichen Passanten die regelmäßig diesen Platz überqueren, wollen wir mit unserer Aktion dazu auffordern, über die Bedrohung durch Atomwaffen zu reflektieren, sich zu informieren und den Dialog weiterzuführen“, sagte Schilff auf dem Platz , der an die abertausenden Toten in Hiroshima und Nagasaki erinnert. Dort steht die Skulptur „Mutter Hiroshima“ des Künstlers Anselm Treese – und temporär ist dort auch die Friedenstaube zu sehen.

Nächstes Gedenken am Hiroshima-Tag im August

Dr. Jürgen Huesmann (IPPNW) Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Für Dr. Jürgen Huesmann von der IPPNW hat sich auch nach mehr als vier Jahrzehnten nichts an der Aktualität des Themas geändert.

„Die IPPNW ruft seit 1982 die Weltgemeinschaft dazu auf, in Gespräche zum Verzicht auf einen atomaren Erstschlag und zur Abschaffung aller Atomwaffen einzutreten. Leider ist die Gründungsmaxime der IPPNW immer noch genauso aktuell wie damals: Einen Atomkrieg kann man nicht gewinnen! Die Überlebenden werden die Toten beneiden!“

Dr. Martin Rees (IPPNW) Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Der IPPNW freut sich, die seit 40 Jahren bewährte Partnerschaft in Friedensfragen mit der Stadt Dortmund fortsetzen zu können, und lädt schon jetzt zur nächsten Mahn-Veranstaltung anlässlich des Hiroshima-Tages am 6. August ein.

Zudem hofft der Verein, dass künftig ein Gedenkweg durch die Stadt eingerichtet werden kann – analog zum Gedenkweg, den die Aktiven am Hiroshima-Tag gehen. Eine entsprechende Bitte richtet Dr. Martin Rees an Bürgermeister Norbert Schilff, der um Zusendung der konkretisierten Idee und eines Gestaltungsvorschlags bat.

Schilff: „Frieden und Sicherheit nicht nur durch politische Maßnahmen“

Mit der Taube auf dem Platz von Hiroshima will man das Bewusstsein der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Gefahren von Atomwaffen zusätzlich schärfen.

Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Nachdem das geflügelte Friedenssymbol auf den Platz gesprüht wurde, dankt Bürgermeister Norbert Schilff allen Engagierten: „In Dortmund sind wir stolz auf unsere vielfältige und engagierte Stadtgesellschaft.“

„Wir wissen, dass Frieden und Sicherheit nicht nur durch politische Maßnahmen erreicht werden, sondern auch durch den Zusammenhalt und die Solidarität der Menschen vor Ort. Lassen Sie uns dieses Zusammengehörigkeitsgefühl nutzen, um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Krieg und Atomwaffen zu setzen“, so der Bürgermeister.


HINTERGRUND: Über 12.000 Atomsprengköpfe

Laut Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI reduzierte sich der weltweite Bestand an Atomsprengköpfen auf etwas über 12.000. Die Zahl der in hoher Alarmbereitschaft gehaltenen Sprengköpfe stieg auf rund 2.100.

Zum Hiroshima-Tag Anfang August wird es wieder eine Gedenkveranstaltung geben. Archivfoto: Marvin Finger

Neun Länder verfügen über Atomwaffen, die meisten der akut einsatzbereiten Waffen besitzen die USA und Russland. China baut sein Atomwaffenarsenal in großer Schnelligkeit weiter aus. In allen nuklear bewaffneten Staaten sieht SIPRI Bestrebungen, die Bestände zu modernisieren.

Zudem geht der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine einher mit einem Rückzug Russlands aus internationalen Verträgen wie dem New START-Vertrag. Dieser wurde 2021 für fünf Jahre verlängert und regelt die Begrenzung strategischer Kernwaffen zwischen den USA und Russland. Ebenfalls ausgestiegen ist das Land aus dem CTBT (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty), dem umfassenden nuklearen Teststoppvertrag.


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Reaktionen

  1. Cornelia Wimmer

    Wozu Medien, wenn man doch nichts Genaues erfährt?
    Ihr Artikel über den Flaggentag der Mayors for Peace zeigt es beispielhaft. Ein munterer Titel: „Dortmund zeigt Flagge“ –(stimmt das? Tut es das wirklich? Hat die Stadt die Veranstaltung beworben? Nein. War die Stadt personell stark vertreten? – Nein).
    Im Folgenden werden aus den Redebeiträgen Passagen entnommen, ausführlich wiedergegeben und andere mit brisantem aktuellem Bezug – weggelassen. – Europäische Atomwaffen? Der Operationsplan Deutschland? Dülmen als Kriegsziel um die Ecke? Weglassen. – Ist nie was dazu gesagt worden. Was geht’s die Leute an, dass der Krieg geplant wird und sie mitspielen sollen.
    Aber ich will nicht meckern: Seitens des NB hat man sich gekümmert. Der Nachtrag HINTERGRUND scheint das zu bieten. Die Verfasserin hat nachgeguckt, wie das mit der Rüstungskontrolle/Abrüstung ist. Sie hat herausgefunden, dass sich Russland aus dem New START- Vertrag zurückgezogen hat. Das stimmt. – Hat sie nicht gefunden, dass die USA den INF-Vertrag (über nukleare Mittelstreckenraketen in Europa) den ABM-Vertrag (über Raketenabwehrsysteme) und den Open Sky-Vertrag gekündigt haben, alles Verträge, die, da gekündigt, die Lage in Europa destabilisiert haben und die eine maßgebliche Rolle beim Zustandekommen des Ukrainekrieges gespielt haben? – Hätte das vielleicht hierher gehört, wenn man auf die faktisch nichtexistente Rüstungskontrolle zu sprechen kommt?
    Der Artikel tut das Übliche: Ausgewähltes breit schildern, ansonsten selektieren, verschieben, weglassen. In diesem Falle dahingehend, dass man den Eindruck einer Zusammenkunft unverbesserlicher Gutmenschen bekommt, die sich über was aufregen, was zu ändern ohnehin außerhalb menschlicher Kraft ist. – Das Handeln unserer Verantwortlichen, die maßgeblich die bisherige Eskalation sowie die eventuell noch ausstehende zu vertreten haben? Die alptraumhaften Kriegsplanungen hier im Lande? Lassen wir weg.
    Was soll jemand, der die Veranstaltung miterlebt hat, daraus für andere Lektüren des NB entnehmen?
    Der Redebeitrag des Dortmunder Friedensforums kann hier https://dortmunder-friedensforum.de/wp-content/uploads/2024/07/Ansprache-Flaggentag-mayors-for-peace.pdf nachgelesen werden, alle Beiträge in Kürze auf der Seite der Deutsch-Japanischen Gesellschaft.

    • Nordstadtblogger-Redaktion

      Hallo Frau Wimmer, auch dieses Medium macht es nie allen Recht. Wir haben aber einen Vorschlag: Wir brauchen ja künftig einfach nicht mehr über diese Art von Veranstaltungen berichten. Es gehört nämlich immer guten Willen dazu, auch über diese Veranstaltungen zu berichten, wo auf jeden Vortragenden nur ein oder zwei weitere Gäste kommen.

      Natürlich musste die Autorin selektieren und Zitate auswählen, wenn man wenigstens jeden Vortragenden berücksichtigt. Eine Stunde Referate und Reden kann man ja nicht im Wortlaut dokumentieren. Sie haben ja die Chance, ihre Rede als Wortlaut darunter zu kopieren oder zu verlinken.

      Aber wie gesagt: Wir können es auch einfach lassen – so wie es alle anderen Medien, die das seit Jahren machen.

  2. Johannes Koepchen

    Liebe Redaktion des Nordstadt-Bloggers, die pauschale Kritik von Cornelia Wimmer teile ich nicht.
    Ich denke, dass ich für unsere IPPNW-Regionalgruppe spreche, wenn ich mich wirklich freue, dass der Nordstadtblogger so kontinuierlich über Ereignisse aus der Friedensbewegung berichtet, die auf diese Weise eine weit größere Wirkung entfalten können. Und eine Alternative bietet zu den sonst üblichen Medien.
    Vielen Dank und bitte macht weiter so!
    Johannes Koepchen, IPPNW-Regionalgruppe Dortmund

  3. M. Lateit

    Hallo,

    der Kritik von Frau Wimmer kann ich mich ebenfalls nicht anschließen.

    Bei vollem Verständnis für Frau Wimmers Sichtweise in Hinsicht auf die äußerst bedenkliche militärpolitische Entwicklung unserer aktuellen Regierung, ist an der Berichterstattung von Frau Galezowski absolut nichts auszusetzen.

    Im Gegenteil. Es ist sehr erfrischend zu lesen, daß sich eine Redaktion „alter“ Qualitäten besinnt und sachlich Beiträge wiedergibt, ohne sie in Gänze zu wiederholen und damit Gefahr läuft, sich als Sprachrohr zu versteigen.

    Unparteiisch, sachlich, informativ – vorbildlich! Ich freue mich auf weitere solcher Berichterstattungen hier.

    Gruß,

    M. Lateit

  4. Till Strucksberg

    Schade, dass die Redaktion so empfindlich auf Kritik reagiert und gleich damit droht, nicht mehr über Unangepasstes in Dortmund zu berichten. Es ist völlig klar, dass ohne die Nordstadtblogger die Presselandschaft in Dortmund eine Monopol-Wüste wäre und wir froh sein können und froh sind, dass es die Nordstadtblogger gibt! Das hat auch Cornelia Wimmer in ihren bisherigen Beiträgen zum Ausdruck gebracht, meine ich mich zu erinnern. Aber es gibt nichts, was nicht auch zu verbessern wäre. Durch den Satz im „Hintergrund“ („Zudem geht der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine einher mit einem Rückzug Russlands aus internationalen Verträgen…“) bekommt Russland einmal mehr den Schwarzen Peter zugeschoben. Darauf weist Cornelia Wimmer zurecht mit den Beispielen hin, dass es die USA waren, die sich schon früh aus Abrüstungs- bzw. Rüstungsbegrenzungsverträgen zurück gezogen hat. Ein heikles Thema – bei dem den Medien eine besondere Rolle für eine unparteiische Berichterstattung zukommt.

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