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Serie Ehrenamt in der AGNRW – der Ibero-Amerika-Kreis: „Wir wollen unsere Heimat mit all ihren Facetten zeigen“

Wolfgang Hartwich, Ilse Hubmann, Beatriz Blanco Alvarez, Virginia Novarin gestalten den Ibero-Amerika-Kreis

Vorurteile? Diskriminierung? „Nein, nein“, wiegelt die Argentinierin Virginia Novarin ab. „Wir haben keine Probleme in Deutschland. Es muss sich auch keiner um unsere Integration kümmern. Wir engagieren uns aus einem anderen Grund in der Auslandsgesellschaft und in unserem Iberoamerika-Kreis. Wir wollen nicht unter uns bleiben. Wir wollen unsere Kultur und unsere wunderbare Literatur vermitteln. Wir wollen neue Impulse geben. Und wir wollen anderen Südamerikanern auch ein Stück Zuhause bieten.“

Die größte Gruppe stellen die spanisch sprechenden Südamerikaner

Wolfgang Hartwich

Vor allem spanisch sprechende Südamerikaner nehmen die zahlreichen Angebote des Iberoamerika-Kreises wahr. Lesungen, Filmabende in Spanisch mit Untertiteln, Cembalo-Konzerte, Vorträge…

Aber auch Spanier kommen gerne – so wie Beatriz Blanco Álvarez, die vor gut einem Jahr zu der Gruppe gestoßen ist und mittlerweile im Organisations-Team mitarbeitet.

„Ich bin aus familiären Gründen nach Deutschland umgezogen und habe Menschen gesucht, mit denen ich mich auch in meiner Muttersprache unterhalten kann “, sagt sie. Virginia Novarin ergänzt begeistert: „Spanisch ist eine reiche Sprache. Allein für das Wort „Brille“ gibt es zehn Begriffe.“

Wenn sie Hochspanisch miteinander reden, wenn die Literaturabende in diesem Hochspanisch vorgetragen werden, dann können sie sich alle verstehen: Chilenen, Argentinier, Spanier, Peruaner, Bolivianer, Spanisch sprechende Deutsche.

„Die einzelnen Dialekte der Länder unterscheiden sich etwa wie Schweizerdeutsch und Bayerisch. Im deutschsprachigen Raum klappt die Verständigung ja auch“, sagt Beatriz Blanco Àlvarez.

Menschen aus 14 Nationen engagieren sich im Iberoamerika-Kreis

Beatriz Blanco Alvarez

Menschen aus 14 Nationen engagieren sich im Iberoamerika-Kreis. Auch die beiden Deutschen Ilse Hubmann und Wolfgang Hartwich, die den Kreis und die Veranstaltungen mit organisieren

„Ich hatte vor vielen Jahren die Absicht, Spanisch zu lernen und bin so zum Iberoamerika-Kreis (damals noch Peña Literaria) gekommen“, schildert Wolfgang Hartwich.

Ilse Hubmann dagegen hat mehrere Jahre in Spanien gelebt und wollte ihre Spanischkenntnisse nicht verlernen. Zudem hat sie nach wie vor eine Affinität zur Sprache und zur Kultur und zur Mentalität.

Und was zeichnet diese Mentalität aus? Beatriz Blanco Álvarez bestätigt ein durchaus positives Vorurteil, das viele Deutsche von den Südländern haben. „Wir sind spontaner und emotionaler als die Deutschen“.

Und wie sind die Deutschen? Beatriz Blanco Àlvarez denkt nach. „Sachlich.“ Und dann ergänzt sie: „Und weltoffen. Doch, wirklich. Die Menschen, die ich hier im Ruhrgebiet kennengelernt habe, sind offener als beispielsweise die Menschen im Raum Barcelona.“

„Aber die Deutschen machen sich auch immer so viele Sorgen. Sie wollen uns integrieren“, sagt Virginia Novarin. „Das ist hier eine Lebenseinstellung. Aber das ist wirklich nicht nötig. Ich bin in Argentinien, einem Einwanderungsland, aufgewachsen. Ich komme im Einwanderungsland Deutschland gut zurecht.“

Der Länderkreis ist im Jahr 1998  spontan als „Peña Literaria“ entstanden

Virginia Novarin

Um derartige Fragen ging es auch nie bei der Gründung des Länderkreises. Zumindest nicht vordergründig.

1998 ist der Länderkreis spontan als „Peña Literaria“ entstanden: Mehrere Chilenen, die vor der Militärdiktatur in ihrem Heimatland geflohen waren und in Deutschland im Exil lebten, bildeten den Kern um den 2007 gestorbenen Gustavo Toro.

Sie wollten die Schönheit ihrer Sprache zu vermitteln –  durch Poesie, Erzählungen, Lesungen oder Theateraufführungen. Zahlreiche Kooperationspartner machten dieses Ansinnen möglich.

„Als Gustavo starb, haben wir ein neues Leitungsteam bilden müssen“, erinnert sich Ilse Hubmann. „Wir können ihn natürlich niemals ersetzen. Aber wir wollten weiterhin Iberoamerika mit all seinen Facetten präsentieren.“

Anfangs habe man durchaus über den organisatorischen Aufwand gestaunt, schließlich wird die gesamte Arbeit ehrenamtlich geleistet. Auch der Schwerpunkt der Arbeit hat sich verändert. Heute geht es nicht nur um die Kultur, auch um die Menschen in Iberoamerika. Wie leben sie? Was beschäftigt sie?

„Wir wollen informieren. Denn viele die Deutschen haben ein recht diffuses Bild von einigen südamerikanischen Ländern. Dennoch: Wir haben keinen pädagogischen Anspruch und wollen niemandem etwas beibringen. Wir pflegen das freundschaftliche Miteinander, den Zusammenhalt und den gegenseitigen Austausch. Und das ohne Verpflichtungen oder Mitgliedschaft“, sagt Wolfgang Hartwich.

„Die Filmabende sind für viele Gäste zu einer Heimatinsel geworden“

So spielen die gezeigten Filme meist in Südamerika, aber auch in Spanien – unterbrochen von einer Pause, in der bei einem Glas Wein über das Gesehene gesprochen wird. Virginia Novarin: „Diese Abende sind für viele unserer Gäste zu einem regelrechten  Sozialtreff geworden. Eine Heimatinsel.“

Und Ilse Hubmann ergänzt:  „Es ist unglaublich, wie viele Informationen man aus diesen Filmen zum Beispiel über Uruguay oder Argentinien ziehen kann.“ „Ja“, sagt Wolfgang Hartwich. „Das ist Kino, das man sonst nicht sieht. Mit ganz viel Authentizität.“

Ilse Hubmann

Rund 80 Besucher kommen, wenn nahezu jeden Monat ein anderer Film in spanischer Sprache gezeigt wird. Über 500 Adressen hat der Iberoamerika-Kreis mittlerweile in seinem Mailverteiler.

Mit jedem Besucher, der eines der Angebote wahrnimmt, versucht der Leitungskreis zumindest ein paar Worte zu wechseln. „Auch das ist eine Art Willkommenskultur.“

Und so genießen Spanier, Deutsche und vor allem Südamerikaner friedlich nebeneinander das reichhaltige Kulturangebot. Animositäten hat es noch nie gegeben.

Virginia Novarin: „Man muss natürlich berücksichtigen, dass wir hier Angebote auf einem gewissen Niveau vermitteln und dadurch unser Gäste auch meist einen ähnlichen sozialen Hintergrund haben, egal aus welchem Land sie stammen. Es gibt sicherlich Anbieter in Dortmund, die im Gegensatz zu uns sehr wohl gegen Vorurteile oder Probleme kämpfen müssen.“

Hier gibt es noch ein Video – sollte es sich nicht darstellen, bitte die Browseransicht aktualisieren!

Mehr Informationen:

  • Iberoamerika-Kreis in der Auslandsgesellschaft NRW e.V.
  • Gegründet 1998 als „Peña Literaria“.
  • Heutige Leitung: Ilse Hubmann, Virginia Novarin, Beatriz Blanco Álvarez, Wolfgang Hartwich
  • Mehr zu den Aktivitäten: www.iberoamerikakreis.de,
  • info(at)iberoamerikakreis.de

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Ein Gedanke zu “Serie Ehrenamt in der AGNRW – der Ibero-Amerika-Kreis: „Wir wollen unsere Heimat mit all ihren Facetten zeigen“

  1. Rosemarie Schmidt

    Hallo Wolfgang! Ich wollte mal herausfinden, was du heute so treibst und da bin ich bei Google auf dieser Seite gelandet. Hört sich ja sehr interessant an. Ich bin auch seit vielen Jahren in einem Spanisch Kurs mit netten Leuten. Wir waren zusammen auch schon in Chile (unser Lehrer ist Chilene).
    Weiterhin viel Freude bei deinem Ehrenamt und herzliche Grüße
    Deine alte Kollegin Rosi

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