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SERIE Arbeit und Ausbildung (7): „Inga“ lässt Sie nicht allein: Intensive Begleitung auf Ihrem Weg zurück in Arbeit

Reinhard Schümer und Robin Hagenkötter, Juniorchef der Bäckerei Hagenkötter: AfA DO

Reinhard Schümer (li.) und Robin Hagenkötter, Juniorchef der Bäckerei Hagenkötter: AfA DO

Spezielle Integrationsberater kümmern sich bei der Arbeitsagentur Dortmund um Arbeitslose mit umfassendem Unterstützungsbedarf. Enge und intensive Begleitung der Kundinnen und Kunden ebnet den Weg in neue Arbeit – so auch bei Reinhard Schümer.

Mit intensiver Unterstützung im Bewerbungsprozess den Wiedereinstieg in das Berufsleben schaffen

Nach fast zehn Arbeitsjahren als Bäcker kam für Reinhard Schümer das berufliche Aus. Arbeitsmüde war er, kam einfach nicht mehr zur Arbeit, gesundheitliche Probleme führten dann letztlich zum Jobverlust. Drei Jahre sollte es dauern bis er körperlich und seelisch wieder soweit war, den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu suchen. Im Februar diesen Jahres suchte Reinhard Schümer dann die Unterstützung der Arbeitsagentur.

Nach überstandener Krankheit, Arbeitslosmeldung und ersten Vermittlungsgesprächen war schnell klar, dass nur mit intensiver Unterstützung im Bewerbungsprozess der Wiedereinstieg in das Berufsleben gelingen kann. Diese intensive Unterstützung erhielt Herr Schümer im Inga-Team der Agentur für Arbeit Dortmund.

Der Weg aus der Arbeitslosigkeit heraus in eine neue Beschäftigung verläuft nicht immer glatt und gradlinig. Nicht selten sind erst diverse Hürden aus dem Weg zu räumen bevor an einen Wiedereinstieg zu denken ist. Private, familiäre oder gesundheitliche Probleme etwa, aber auch Suchterkrankungen, Schulden oder Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen oder Unsicherheiten bei Vorstellungsproblemen sind Stolpersteine auf dem Weg zum neuen Job.

 Intensive Betreuung und eine Beschäftigung mit den Problemen zur Bewältigung

An der Steinstraße ist die Zentrale von Arbeitsagentur und JobCenter.

An der Steinstraße ist die Zentrale von Arbeitsagentur und JobCenter.

Hier setzt die Integrationsberatung, kurz Inga, an. Die Integrationsberaterinnen und Berater der Arbeitsagentur kümmern sich um jeweils 65 Arbeitslose. Dies ermöglicht eine intensive Betreuung und eine Beschäftigung mit den Problemen, die den Arbeitsuchenden belasten, wie E. Jagiela, Beraterin im Inga-Team der Arbeitsagentur betont.

„Durch den engen Kontakt ergibt sich ein besonderes Vertrauensverhältnis. Dadurch wird es erst möglich bestimmte Probleme zu erkennen und gemeinsam an der Lösung zu arbeiten.“

Bei Reinhard Schümer ist es gelungen. Er hat ein Bewerbungstraining absolviert, seine PC-Kenntnisse aufgefrischt und gemeinsam mit seiner Betreuerin Stellenangebote herausgesucht und Bewerbungsschreiben erstellt. Auf Vorschlag von Frau Jagiela hat Herr Schümer sich bei der Bäckerei Hagenkötter beworben – erfolgreich! Seit dem ersten Juni arbeitet er wieder als Bäcker.

„Der Schritt zurück in den Beruf war nicht leicht, ohne Unterstützung hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft, meine Schreibfähigkeiten sind nicht besonders gut, auch habe ich lange nicht an einem PC gearbeitet. Zudem bin ich schon 52 Jahre als, nicht unbedingt ein Vorteil. Frau Jagiela hat mir aber stets Mut gemacht, ich konnte sie immer erreichen, das war sehr hilfreich“, so Reinhard Schümer.

Lebenserfahrung und Einsatzwille geben den Ausschlag – höheres Alter war nebensächlich

Robin Hagenkötter, Juniorchef der Bäckerei Hagenkötter und neuer Arbeitgeber von Reinhard Schümer, kam die Bewerbung im März sehr gelegen, suchte er doch dringend eine neue Fachkraft. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Arbeitseinsatz und der Einstellung von Herrn Schümer. Er bringt eine große Portion Lebenserfahrung mit, da spielt das Alter eine eher untergeordnete Rolle.“ Die Bäckerei Hagenkötter arbeitet bereits in der vierten Generation, an die 4.000 Brötchen verlassen täglich die Backstube und werden an fünf Filialen ausgeliefert.

Hintergrundinformationen zum Fachkonzept Inga

  • Bevor der Schritt aus der Arbeitslosigkeit zurück in eine Erwerbstätigkeit gelingen kann, sind oft mehrere Hürden aus dem Weg zu räumen. Dazu zählen zum Beispiel Hindernisse wegen gesundheitlicher Einschränkungen, weil keine adäquaten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige vorhanden sind, oder auch berufliche Qualifikationen fehlen. Hier hilft eine zielführende Beratung, Unterstützung und auch Begleitung durch das „Inga-Team“.
  • Bei Inga handelt es sich um ein inzwischen bundesweites Vermittlungskonzept, das für „Interne, ganzheitliche Integrationsberatung“ steht. Mit einer intensiveren und engeren Betreuung sollen Arbeitslose mit größerem Unterstützungsbedarf wieder in Arbeit gebracht werden.
  • Die Arbeit des Inga-Teams umfasst eine an den individuellen Bedürfnissen des Kunden orientierte engmaschige Beratung, die optionale Begleitung zu Vorstellungsgesprächen sowie weitere Dienstleistungen aus einer Hand. Zusätzlich zur Beratung bieten die Kollegen/innen auch anleitende Gruppenseminare an, u.a. Bewerbungserstellung, Üben von und Begleitung zu Vorstellungsgesprächen, Nutzung von Jobbörsen und PC-Grundlagen. Die Inga-Kunden können zudem auch ohne Termin vorbeikommen und besprechen, was ihnen am Herzen liegt. Eine eigene Hotline sorgt für den kurzen Draht. Um allen diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist eine geringere Betreuungsrelation von ca. 65 Kunden mit komplexer Ausgangslage vorgesehen.
  • Kleine, aber kontinuierliche Schritte und die Vereinbarung von Teilzielen sollen so eine dauerhafte Integration auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Darüber hinaus endet das Programm nicht mit der Arbeitsaufnahme. Die Berater begleiten ihre Kundinnen und Kunden bei Bedarf auch in der ersten Zeit der neuen Erwerbstätigkeit.
  • Das Inga-Team in der Arbeitsagentur Dortmund besteht seit drei Jahren. Aktuell arbeiten dort 16 Integrationsberaterinnen und -beratern. Im vergangenen Jahr fanden gut 1.000 Menschen mit Unterstützung des Inga Teams eine neue Arbeit.

Die früheren Teile der Serie auf nordstadtblogger.de:

NEUE SERIE Arbeit und Ausbildung (1): Ohne Scheuklappen alternative Ausbildungsberufe ins Visier nehmen

Serie Arbeit und Ausbildung (2): Briefe statt Prothesen – Jobcenter und Post ermöglichen eine ungeahnte Karriere

SERIE Arbeit und Ausbildung (3): Chance 2.0 – Über Praktika in den Job – Webunternehmen macht sich stark für Flüchtlinge

SERIE Arbeit und Ausbildung (4): Menschen mit Behinderung oder Handicap einstellen – so kann es gelingen

SERIE Arbeit und Ausbildung (5): Noch über 1000 Lehrstellen in Dortmund unbesetzt – Werbung für duale Ausbildung

SERIE Arbeit und Ausbildung (6): Gelungene Inklusion – Aus der Behindertenwerkstatt in die Restaurant-Küche

SERIE Arbeit und Ausbildung (7): „Inga“ lässt Sie nicht allein: Intensive Begleitung auf Ihrem Weg zurück in Arbeit

SERIE Arbeit und Ausbildung (8): Perspektiven für Langzeitarbeitslose – Kooperation mit Jobcenter lohnt sich

SERIE Arbeit und Ausbildung (9): Erste Erfolge mit dem Programm „PerF – Perspektiven für Flüchtlinge“

SERIE Arbeit und Ausbildung (10): Es gibt für alles eine Lösung – Soziale Arbeit vor Ort stärkt KundInnen im Jobcenter

ARBEIT und Ausbildung (11): Teach First und Post unterstützen Flüchtlinge – Zukunftswerkstatt zum Thema Berufseinstieg

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