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SERIE (2) Weihnachten – (k)eine Glaubensfrage? Thomas Oppermann: Ein Atheist feiert Weihnachten

Atheist Thomas Oppermann vor dem Weihnachtsbaum im Dortmunder Rathaus. Foto: Leopold Achilles

Von Sophia Stahl

Weder der Adventskranz, die Weihnachtsgeschichte noch der Weihnachtsbaum sind für Thomas Oppermann von Bedeutung. Thomas Oppermann ist Atheist. Er glaubt nicht an die Geburt Jesu und besucht keinen Weihnachtsgottesdienst. Weihnachten feiert er trotzdem. „Warum?“ Seine Gegenfrage darauf: „Was ist denn überhaupt christlich am Weihnachtsfest?“

 30 Prozent der Deutschen fühlt sich keiner Religion angehörig

Thomas Oppermann ist Landesgeschäftsführer des humanistischen Verbands. Fotos: Roland Klecker/ dofoto

Die Frage ist nicht unberechtigt: Während sich die Weihnachtsmärkte vergrößern und  die Umsätze im Dezember steigen, geht die Zahl der KirchenbesucherInnen zurück. Viele Menschen feiern zwar Weihnachten, allerdings spielt dabei der christliche Glaube scheinbar eine untergeordnete Rolle.

Thomas Oppermann gehört zu den 30 Prozent der Deutschen, die sich  keiner Religion angehörig fühlen. Der humanistische Verband in Dortmund zählt circa 280 Mitglieder. Weit mehr Menschen nehmen allerdings humanistische Angebote wie Redner für sogenannte Lebensfeiern wahr.

Oppermann, Landesgeschäftsführer des humanistischen Verbands, sagt „Jeder soll die Feiertage so verbringen, wie er oder sie es für richtig hält.“ Für viele spielt dabei das Christentum eine mehr oder weniger große Rolle oder wie bei ihm: gar keine.

Die Adventszeit betrachtet er mit gemischten Gefühlen. „Für mich ist dieser Monat auch etwas anders als die anderen. Es ist einerseits eine sehr hektische Zeit. Auf der anderen Seite sitzen wir zusammen und feiern“, beschreibt der 49-jährige seine Stimmungslage. Das habe für ihn jedoch mehr mit der dunklen Jahreszeit zu tun als mit dem christlichen Glauben.

Religion hatte noch nie für ihn eine große Bedeutung – Kann ein Atheist überhaupt Weihnachten feiern?

Eine Feuerzangenbowle gehört für Oppermann zum Winterfest dazu. Foto:R.Klecker/dofoto

Schon in seiner Kindheit spielte Religion keine große Rolle. An seiner Konfirmation ist er „irgendwie herumgekommen“. Er machte nicht mit beim Krippenspiel und besuchte auch nicht den Weihnachtsgottesdienst.  Die Weihnachtsgeschichte war ihm ziemlich egal, wichtiger waren ihm die Geschenke und das Weihnachtsessen.

„Bei vier Kindern musste das Festessen schnell gehen. Also gab es Kartoffelsalat mit Würstchen“, schmunzelt Oppermann. Noch heute feiert er mit seiner Familie Weihnachten. Dort  beschenken sie sich jedoch nicht gegenseitig, sondern machen traditionell „Schrottwichteln“. In die Kirche geht am Heiligabend niemand.

Einen Widerspruch zwischen Atheist sein und Weihnachten feiern sieht Thomas Oppermann nicht. „Die zwei freien Tage bieten sich einfach dafür an, seine Familie zu besuchen“, erklärt er. Wichtig ist für ihn, dass die Gesellschaft die unterschiedlichen Weihnachtsfeiern toleriert. „So lange mir nicht vorgeschrieben wird, wie ich Weihnachten feiern soll, ist für mich alles in Ordnung.“

Weihnachten als Winterfest und als eine sehr ruhige Zeit 

Allerdings gibt es auch Mitglieder in dem humanistischen Verband, die Weihnachten überhaupt nicht feiern. Ein Grund, weshalb der Verband kein Weihnachts-, sondern ein Winterfest feiert. Eine Feuerzangen-Bowle gehört dazu. „Allerdings mit einem Tannenbaum“, gibt Oppermann schmunzelnd zu.

Gleichgültig schaue er trotzdem nicht auf die Weihnachtsfeiertage: „ Der Heiligabend ist tatsächlich die Einleitung einer sehr ruhigen Zeit. Danach beginnt eine komplett ruhige Phase, eine Zeit zum Ausspannen und Erholen.“ Und das verbindet das Thomas Oppermann eben mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“  und nicht mit der Weihnachtsgeschichte.

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