Nordstadtblogger

Ein kleines Stück Balkan mitten in der Nordstadt 

Gruppenfoto im Sandzack Grill, Foto: Dietmar Wäsche

Gruppenfoto im Sandzak Grill. Foto: Dietmar Wäsche

Früher gab es hier Pommes und Döner. So wie in vielen türkischen Imbissbuden, die es überall in Dortmund gibt. Doch seit 2006 steht über dem Ladenlokal an der Brunnenstraße der Name „Sandzak Grill“ – Sandzak (gesprochen: Sandschak) wie die Stadt in Serbien. Raif Hamzic, der Wirt, erklärt es so: „Sandzak liegt In Ex-Jugoslawien, im alten osmanischen Reich.“

Cevapcici sind die gefragte Spezialität des Hauses 

Mit dem Namen und dem Wirt hat sich auch das Innenleben des kleinen Imbisses geändert. Dass jetzt Cevapcici die gefragte Spezialität des Hauses sind, ist da nur eine nette Begleiterscheinung. Der Sandzak Grill ist vielmehr zum Treffpunkt von vielen Ex-Jugoslawen geworden. „Diese Gäste stammen aus dem gesamten Balkan, darunter sind auch Kosovo-Albaner oder Bosnier. Und viele kommen aus der Stadt Sandzak direkt“, erzählt Raif Hamzic.

 Der Balkan – das ist die alte, die ehemalige Heimat

Der Balkan – das ist die alte, die ehemalige Heimat. Heute lebt diese Männergruppe, die regelmäßig im Sandzak Grill bei einem nicht alkoholischen Getränk zusammenkommt, in Dortmund, in Unna, in Holzwickede oder in Bochum. Ihr geografischer Mittelpunkt ist die Nordstadt, die Brunnenstraße. „Hier wohnen die meisten meiner ehemaligen Landsleute“, sagt Raif Hamzic. Das war letztendlich der Grund dafür, dass er sich für diesen Standort an der Brunnenstraße entschieden hat, obwohl er selbst am ganz anderen Ende von Dortmund wohnt.

Serbokroatische Unterhaltungen über Fußball und die alte Heimat

Die Männer lieben es, im Sandzak Grill unter sich zu sein, sich auf serbokroatisch zu unterhalten. Politisch korrekt müsste es heißen: auf Serbisch, Kroatisch oder Bosnisch.  Doch der Wirt winkt ab: „Das ist doch alles das Gleiche. Die Deutschen und die Österreicher können doch auch in der selben Sprache miteinander reden.“

Und worüber wird geredet? Raif Hamzic schmunzelt: „Natürlich über Fußball. Aber wir sprechen auch viel über die alte Heimat.“ Und nach der ein oder anderen leidenschaftlichen Diskussion geht man gemeinsam beten. In der benachbarten Moschee. Doch der Sandzak Grill sei kein muslimischer Treffpunkt, betont Raif Hamzic. Auch wenn in der Gegend rund um Sandzak, anders als im Rest von Serbien, vor allem Muslime oder Bosniaken leben. Diese Mischung ist auch in erster Linie im Dortmunder Sandzak Grill zu finden. Aber nicht ausschließlich.

Alle Religionen sind im Balkan-Grill willkommen

„Bei uns sind alle Religionen willkommen“, betont der Wirt. Und willkommen sind selbstverständlich auch hungrige Gäste aus anderen Nationen. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder. Und diese Gäste, ganz ohne Bezug für die alte Heimat rund um Sandzak, schwärmen auf einer eigenen Facebook-Seite über das leckere Essen, das wegen der vielen  muslimischen Gäste  ohne Schweinefleisch und mit speziell geschlachtetem Halal-Fleisch zubereitet wird.

Kontakt:

Sandzak Grill, Brunnenstraße 36, Tel: (0231) 47 88 67 48; Facebook: Sandzak Grill

 

Nordstadt-Logo.farbigHINWEIS:

– Der Artikel von Claudia Behlau ist ein Beitrag aus dem Buch „Wir: Echt Nordstadt“. Das Buch mit 106 Gruppenportraits ist kostenlos beim Quartiersmanagement Nordstadt, Mallinckrodtstraße 56, 44147 Dortmund, erhältlich. (Mail: info@nordstadt-qm.de)

– Eine große Ausstellung mit Bildern und Texten zu  „Wir: Echt Nordstadt“ ist bis zum 31. März 2015 auf der Phoenix-Insel in Hörde zu sehen.

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