„Omas gegen Rechts Dortmund-West“: Warum sie bewusst anders arbeiten als die anderen

Eine Initiative zwischen Konsensprinzip und Vereinsdebatte

Demo mit Banner
Die „Omas gegen Rechts Dortmund-West“ sind die zweite Dortmunder Gruppe. Foto: Ursula Maria Wartmann

Ein Gastbeitrag von Ursula Maria Wartmann

Wenn etwas unklar ist, kommt der Tag, an dem man es klären will. Da es in der Stadtgesellschaft immer wieder Fragen gibt, sind die „Omas gegen Rechts Dortmund-West“ an genau diesem Punkt. Im „Meilenstein“ in Dortmund-Marten erklären sie, warum es in Dortmund seit einer Weile zwei OMA-Gruppen gibt. Was sie verbindet. Und was sie unterscheidet.

Beharrlich für Menschenwürde und Demokratie

Sie sind seit dem 2. Oktober 2025 am Start; ab diesem Datum sind sie die zweite OMA-Gruppe in Dortmund. Sie sind laut und kämpferisch. Fast alle im Rentenalter, mit den unterschiedlichsten Arbeitsbiografien. Sie können diskutieren und singen. Oder Flyer verteilen. Sie können auch Buttons drucken. Sie können Kaffee und Kuchen. Und sie können Webseite – ihre ist eine richtig gute (Link am Ende).  Recherchieren können sie, Vorträge halten können sie auch. Und sie können nach vorne gucken: Beharrlich für Menschenwürde und Demokratie.

Dieser Slogan steht auf dem riesigen gedruckten Banner, das sie auf Demos mit sich tragen. Das sie dabeihaben, wenn wieder ein Infostand in der Stadt aufgebaut wird, wie an der Reinoldikirche zum Holocaust-Gedenktag, wo sie mit vielen Menschen ins Gespräch kamen. Am Tag gegen Rassismus war es nicht anders. Sie waren da. Verteilten Flyer. Infomaterial. Kamen ins Gespräch.

Und natürlich ist das Banner auch dabei, wenn mal wieder, initiiert von Blockado, ein „Heimatabend“ der Rechten in Dortmund-Dorstfeld stattfindet. Ehrensache: Jedes Mal sind sie mit von der Partie.

Im April haben sie bei der Gegenveranstaltung den Hut auf, sprich: Einzelne Programmpunkte werden von ihnen gestaltet. Dann, wenn die Nazis wieder rechten Nachwuchs einladen in den Dorstfelder „Kiez“, einen Steinwurf vom Wilhelmplatz entfernt.

Kampferprobt sind die OMAS in Dortmund seit langem

Kirsten bringt es auf den Punkt. „‚Bleib kritisch, Mädchen‘“, hat mein Vater immer zu mir gesagt. Sich den eigenen, unabhängigen Geist zu bewahren, solidarisch sein und engagiert, das war für ihn und dann auch für mich tatsächlich immer wichtig. Deshalb bin ich bei den OMAS, deshalb bin ich hier.“

Foto: Ursula Maria Wartmann

„Wir planen an dem Abend in Dorstfeld“, sagt Nanni, „einen Auftritt unseres OMA-Chors namens Oldkehlchen – genialer Name, oder?“ Sie schenkt Kaffee nach, rückt den Teller mit den Keksen zurecht. „Gitarren sind dabei und Trommeln. Es wird ein bisschen was Selbstgemachtes zu futtern geben. Reden natürlich, überschaubar lang. Und ein paar Gedichte gegen Faschismus und Gewalt. Mal sehen, was noch, es sind ja noch etwas hin.“ Sie lacht: „Langweilig wird es jedenfalls nicht!“

Kampferprobt sind die OMAS in Dortmund seit langem. Seit dem 22. April 2024, um genau zu sein. Da wurde der Gründungstermin in der lokalen Presse veröffentlicht. Eine Handvoll Frauen war es damals, die sie aus der Taufe hoben: Die „Omas gegen Rechts Dortmund“.

Bei dem schnellen Wachstum bot sich eine Teilung der Dortmunder Gruppe an

Die Gruppe wuchs in Schallgeschwindigkeit. Die Veranstaltungen platzten aus allen Nähten, eine Teilung bot sich an. Zumal eine Frage ungelöst blieb: Verein? Oder kein Verein?

Foto: Ursula Maria Wartmann

„Als sich im vergangenen Sommer die Frage stellte, ob die Dortmunder Omas ein Verein sein wollen“, erzählt Katharina, „wurde klar, dass etliche Frauen unterschiedliche Vorstellungen hatten. Nein, nein: Das war nicht so unseres, diese Idee – was wir übrigens mit vielen OMA-Gruppen in Deutschland gemein haben. Wir konnten die Argumente dafür nicht nachvollziehen.“

Für sie ist es sonnenklar, dass sie nur das macht, wo sie auch dahintersteht: „Das hat meine Mutter mir beigebracht. Selbstständig denken mit eigenem Kompass, das war ihr Motto.“

Nebenan tippt mit dem Zeigefinger Brigitte auf ein Blatt Papier, das vor ihr liegt. „Das hier sind unsere Leitlinien. Da sieht man auf den ersten Blick: So zu arbeiten, das erfordert Geduld, die Bereitschaft, sich lange und möglichst ohne Gereiztheiten auseinanderzusetzen.“ Sie hat als Kind einen Bildband mit KZ-Häftlingen gesehen. „Die ganzen Haarberge, die Lampenschirme. Ein Kind mit einem gelben Stern am Hemd. Das hat mich total erschüttert und geprägt, das vergesse ich nie.“

Bei grundlegenden Bedenken gibt es ein Vetorecht für Jede

Die West-Omas präferieren ausdrücklich die Idee der Basisdemokratie; ihre Leitlinien schließen Hierarchien konsequent aus. Gilla winkt ab: „Das kann nicht zusammen funktionieren – ein eingetragener Verein und wir. Es ist nämlich so: Wir ticken einfach anders …“ Die Dominanz einzelner wird hier strikt vermieden; West-OMAS entscheiden im Konsens. Immer. Und: Bei grundlegenden Bedenken gibt es ein Vetorecht für Jede. Im Westen teilen sie Ressourcen, Verantwortung, ihre Fehler und ihre Erfolge. Die feiern sie, das können sie nämlich auch.

Außenansicht
Der Meilenstein in Marten. Foto: Ursula Maria Wartmann

In Marten wurde man im „Meilenstein“ mit offenen Armen aufgenommen. Einige der West-OMAS waren schon seit langem in dem Nachbarschaftstreff aktiv. Ausstellungen, Lesungen, Workshops … Hier brummt der Stadtteil-Bär in einem quicklebendigen Treffpunkt. „Dass wir West-Omas hier andocken konnten, war ein echter Glücksfall“, sagt Dagmar und greift beherzt zu den Keksen.

Sie sei, erzählt sie, schon als Kind oft mit den Eltern und Großeltern zu Gedenkveranstaltungen in der Bittermark gewesen. „Da gab es diese Bombentrichter“, sagt sie, „und ich wollte wissen, was das für Löcher sind. Sie haben mir erklärt, was es damit auf sich hat, und mir früh ein Bewusstsein dafür vermittelt, was Unrecht ist.“

Sie sind kein Verein, und es geht ihnen prächtig damit

Unterm Strich ist es eigentlich ist ganz einfach. Die Dortmunder OMAS sind sowas wie das doppelte Lottchen. Für jede Frau, die mitarbeiten möchte, gibt es in einer der beiden Gruppen garantiert ein maßgeschneidertes Angebot.

Foto: Ursula Maria Wartmann

Die „Omas gegen Rechts Dortmund-West“ sind kein Verein, und es geht ihnen prächtig damit. Ohne Hierarchie. Mit viel Witz und Wärme. Wer einen Verein will, geht einfach ein Haus weiter. Präsent sind die OMAS unisono in ihren Westen, wie am Karfreitag wieder in der Bittermark, und immer beharrlich: Für Menschenwürde und Demokratie. Und das genau steht auf beiden Bannern.

Kurzum: Das doppelte Lottchen lebt. Manchmal nicht so doppelt. Und manchmal eben doch. Denn, Hand auf Herz: Worum geht es hier? Genau. Darum!

Mehr Informationen:

  • Hier kann man sie im Netz finden: omasgegenrechtsdortmundwest.de.
  • Sie  verzichten auf Präsenz bei Facebook und Instagram. Aus Gründen. 

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

Dortmunder „Omas gegen Rechts“ unterstützen NRW-Unterschriftenaktion für AfD-Verbot

Engagement für Demokratie: Die Omas gegen Rechts sind nicht viele, aber nie zu übersehen

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert