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Neuer Radweg am Wallring geplant: Förderprojekt soll sicherere Rad- und Fußwege in Dortmund schaffen

Sylvia Uehlendahl (2.v.r.), Amtsleiterin des Tiefbauamtes, Stadtrat Ludger Wilde (3.v.r.), Fabian Menke (links) u.a. bei der Vorstellung des geplanten Radwalls entlang Schwanen- und Ostwall. Foto: Stadt Dortmund.

Von Angelika Steger

Zu schmale Wege, holprige Oberflächen auf dem Radweg wegen Baumwurzeln, Vorbeischlängeln an parkenden Autos… damit muss man sich als RadfahrerIn in Dortmund oft herumschlagen. Die Wegeführung läuft dabei auch mal durch einen oft voll geparkten Parkplatz hindurch, was zu großer Unsicherheit führt: Stürze durch sich plötzlich öffnende Autotüren und gefährliche Ausweichmanöver, verursacht durch meist motorisierten Gegenverkehr. Das Leben als RadfahrerIn im Stadtgebiet Dortmund ist nicht einfach, oft genug gefährlich. Mit der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur macht Fahrradfahren wenig Spaß.

Schwanen- und Ostwall bekommen für den „Radwall“ eine durchgehende Radwegeverbindung

Das soll sich nun mit dem dreijährigen Förderprojekt „Stadtluft ist (emissions-)frei – Dortmunds Einstieg in eine emissionsfreie Innenstadt“ ändern. Rund um den kompletten Wallring soll eine durchgängige Radverbindung gebaut werden. Den Anfang macht der Abschnitt zwischen Bornstraße und Adlerturm, entlang des Schwanenwalls und Ostwalls. Der Fahrrad- und Fußgängerbeauftragte der Stadt Dortmund, Fabian Menke, nennt dieses Projekt einen„großen Schritt in die richtige Richtung.“

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Bild aus dem Animationsfilm zum Radwall, der neuen Radwegverbindung, hier entlang der Olpe/Südwall. Foto: Stadt Dortmund.

Der Wall ist derzeit ein großes Hindernis für die RadfahrerInnen, weil die offizielle Wegführung z.B. von der Geschwister-Scholl-Straße in Richtung Hauptbahnhof über einen Parkplatz läuft.

Außerdem sind die Wege oft genug verdreckt oder zu eng, so dass die RadlerInnen mit den FußgängerInnen um den ohnehin schon knappen Platz ringen müssen. „Die Bürgersteige werden von den parkenden Autos freigeräumt, was auch bedeutet, dass die Querung für die Fußgänger verbessert wird.

Im gesamten ist der geplante Radwall entlang von Schwanen- und Ostwall ein sehr gutes Projekt für die Nahmobilität“,so Menke weiter. Stadtrat Ludger Wilde ergänzt: „Gerade für schnellere und breitere Fahrräder wie Pedelecs und Lastenfahrräder sind die Breiten ein echter Gewinn.“ Der Schwanenwall und Ostwall würden die Chance bieten, jetzt mit der Radinfrastruktur der Zukunft zu beginnen.

Der neue Radweg „Radwall“ bietet FußgängerInnen wie RadfahrerInnen mehr Sicherheit

Radwall entlang des Adlerturms, Bild aus der Animation. Foto: Stadt Dortmund.

Der „Radwall“ wird ein Zweirichtungsradweg auf jeder Seite des Walls sein, so dass man leichter die Richtung wechseln und schneller sein Ziel erreichen kann. Bisher muss man mühevoll erst alle vier, an manchen Stellen sechs Autospuren queren und mehrere Überwege an Ampeln überwinden. Ein weiteres Problem sind die Ampelschaltungen, die selten bis gar nicht auf den Rad- und Fußverkehr ausgerichtet sind.

Solch ein Zweirichtungsradweg braucht Platz. 180 Stellplätze für PKWs werden wegfallen. „Im Gesamtkontext ist das aber kein Problem, da im Bereich Schwanenwall und Ostwall nach unserer Untersuchung nur 60 Prozent Auslastung für alle Parkflächen gegeben sind“, erklärt Raumplaner Fabian Menke. Er zeigt sich zuversichtlich, den Wegfall von Parkplätzen den autozentrierten MitbürgerInnen zu erklären: „Man macht das den Leuten klar, indem man Ihnen sagt, dass andere auch Platz brauchen und dass Aufenthalts- und Lebensqualität wichtig sind.“

Auch mit Streichung der Parkplätze wird genug Parkraum vorhanden sein

Foto: Angelika Steger

In den Parkhäusern gibt es fast 6000 Stellplätze, die nicht komplett belegt würden, außer zu den Wochenenden in der Adventszeit. Parken außerhalb der Parkhäuser ist oft kostenlos, aber Menke gibt zu bedenken: „Ja, Parken kostet Geld, sollte auch so sein, dass es in der zentralen Innenstadt kein kostenloses Parken mehr gibt.“ „Das sind Kapazitäten, die im öffentlichen Raum so nicht verloren gehen dürfen.“

Öffentlicher Raum steht jedem und jeder BürgerIn zu, nicht nur den AutofahrerInnen. Motorisierter Verkehr nutzt die Straßenoberfläche außerdem stärker ab als jedes andere Fahrzeug, weshalb Parkgebühren gerechtfertigt sind. Stadtrat Ludger Wilde verweist auf die Dialogveranstaltungen mit den BürgerInnen Ende November, die Pläne und der Animationsfilm über den Verlauf des Zweirichtungsradwegs werden online gestellt werden. „Der Radwall ist eine Wohltat für den Radverkehr in der Innenstadt“ , davon ist Wilde überzeugt.

Radwegegestaltung geht über regelkonforme Maße hinaus: Schutz vor Dooring-Unfällen gewährleistet

Blick auf den Schwanenwall, aktuelle Situation mit Bevorzugung des motorisierten Verkehrs. Foto: A. Steger

Außergewöhnlich ist auch die Gestaltung des geplanten Zweirichtungsradweges selbst. Oft ärgert sich die oder der RadfahrerIn über zu schmale Radwege. „Wir haben uns an den Richtwerten orientiert und in der Breite noch was draufgelegt“, erläutert der Fahrrad- und Fussgängerbeauftragte Fabian Menke.

Statt der drei Meter Breite werden es entlang des Radwalls vier Meter sein. „Das findet man in Dortmund sonst nicht.“ Enthalten sind 0,75 m Abstand zum parkenden PKW, um Dooring-Unfälle zu vermeiden. Ein Dooring-Unfall entsteht, wenn AutofahrerInnen die Tür öffnen, ohne auf ihre Umgebung zu achten und RadfahrerInnen gegen die Tür stoßen und zu Fall kommen.

An sich sind 1,5 Meter Abstand zwischen Auto und RadfahrerIn empfohlen, Menke wendet dabei aber ein, dass nicht jedes Auto die gesamte Breite von einem Parkplatz einnehme und somit genügend Sicherheitsabstand gegeben sei.

Ausblick in die Zukunft: ein „Radwall“ entlang des gesamten Innenstadtrings

Schwanenwall in Richtung Geschwister-Scholl-Straße. Auch hier führt der Radweg durch Parkplätze. Foto: A. Steger

Der Traum eines oder einer jeden RadfahrerIn wäre natürlich eine sichere Radwege-Verbindung entlang des gesamten Walls, der die Innenstadt umrundet. Laut Menke hat die Stadtverwaltung das auf dem Schirm, wird dies in ihrem Plan „emissionsfreie Innenstadt“ auch verwirklichen, je nachdem was gemäß den geplanten Untersuchungen möglich sein wird.

„Wir beginnen hier am Schwanen- und Ostwall, weil hier die schlechteste oder gar keine Radinfrastruktur vorhanden ist.“ Der Umbau des gesamten Walls ist aber ein längerer Prozess. In zehn Jahren seien auch die Ergebnisse in anderen Bereichen sichtbar, nach ca. 25 Jahren werde sich dann auch zeigen, wie sich der Zweirichtungsradweg an Schwanen- und Ostwall in das Gesamtkonzept einfüge, so der Raumplaner weiter. 2020 wird die Planung stattfinden, im Frühjahr 2022 muss das Projekt-Teilstück zwischen Bornstraße und Adlerturm abgeschlossen sein , weil sonst die Frist für die Fördergelder abgelaufen sein wird. Die RadfahrerInnen müssen sich also noch etwa zwei Jahre gedulden.

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Ein Gedanke zu “Neuer Radweg am Wallring geplant: Förderprojekt soll sicherere Rad- und Fußwege in Dortmund schaffen

  1. CDU-Fraktion (Pressemitteilung)

    CDU begrüßt Radwegeplanung für den Wall – Einkaufsstadt Dortmund bleibt attraktiv

    Die CDU-Ratsfraktion begrüßt die vorgelegten Planungen für den Fahrradverkehr auf dem Wallring. „Aus unserer Sicht ist die Planung ein Beleg dafür, dass man Radverkehr so integrieren kann, dass es zu einem vernünftigen Miteinander der Verkehrsteilnehmer kommen kann. Radfahrerinnen und Radfahrer bekommen essentiell Raum, ohne dass es zu massiven Einschränkungen für andere Verkehrsteilnehmer kommt“, bewertet der planungspolitische Sprecher der
    CDU-Fraktion Uwe Waßmann die Pläne.

    „Ebenso wird den Sicherheitsbedürfnissen der Radfahrerinnen und Radfahrer Rechnung getragen. Die Breite der Radwege als „Radstraße“, die neben dem weiteren Verkehr geführt wird, zeigt, dass vieles geht, ohne andere massiv einzuschränken oder übermäßige Eingriffe durchzuführen, wie z.B. dem Wegfall einer Fahrspur auf dem Wallring zu Gunsten des Radverkehrs“ so Waßmann weiter. „Wir haben von Beginn an dafür plädiert, den gesamten Planungsraum Wallring aufzugreifen, anstatt lediglich Einschränkungen durch den Wegfall von Fahrspuren vorzunehmen“.

    Als weiteren Aspekt führt die CDU an, dass solche Planungen einen deutlich breiteren Konsens in der Gesellschaft erzielen können, als Verbote oder starke negative Einschränkungen. „Wir begrüßen diese Planung auch mit Blick auf den Dortmunder Einzelhandel. Bei aller Notwendigkeit, das Thema Verkehr neu zu denken, gilt es auch innovative Ideen zu entwerfen, die dem Standort Dortmund als überregionale Einkaufsstadt und als Veranstaltungsstadt gerecht werden. Es ist daher verständlich, dass der Handel sich einverstanden zeigt“, sagt Waßmann weiter.

    Dass für diese Radwegeplanung ca. 180 von etwa 800 Parkplätzen entfallen sollen, ist für die CDU dabei das kleinere Übel. „Wir gehen davon aus, dass es innerhalb der City noch genügend Parkraum gibt. Es ist dabei z.B. beachtlich, dass in Zeiten wie der Adventszeit und dem Weihnachtsmarkt trotz hohem Besucheraufkommen die Parkhäuser um den Wallring zum Teil nur zu 60 Prozent ausgelastet sind. Ebenso hat der Rat der Stadt beschlossen, ein modernes Parkleitsystem einzurichten, um die Parksituation zu optimieren. Ein weiterer Aspekt ist auch das Anwohnerparken, das allerdings nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt werden kann. Die Verwaltung ist dazu beauftragt ein Konzept zu finden, wie man die Bürgerinnen und Bürger in großer Zahl zu diesem Thema für einen zielorientierten Dialog bewegen kann“ sagt Waßmann abschließend.

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