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Nach dem Überschreiten der 50er-Marke: Dortmund wird zum Corona-Hotspot – neue Allgemeinverfügung erweitert Verbote

Mit Überschreiten des Schwellenwerts: auch auf der Brückstraße müssen ab morgen Masken getragen werden. Foto (2): Thomas Engel

Es wird ernst: Dortmund ist Corona-Risikogebiet. Schien die Stadt seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr eine Art Enklave zu sein, in der das Infektionsgeschehen weniger dramatisch ist als anderswo, haben sich nun die Verhältnisse an die der meisten Oberzentren in der Bundesrepublik angeglichen. – In der Nacht kam die Bestätigung vom Robert-Koch-Institut: der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner*innen in den letzten sieben Tagen ist überschritten worden. Die neue Inzidenzrate von 50,7 hat unmittelbare Auswirkungen auf das öffentliche Leben: es wird zu weiteren Einschränkungen kommen, welche seitens der Stadtverwaltung voraussichtlich morgen bekanntgegeben werden. – Hier ein erster Überblick, was die Dortmunder Bürger*innen in den nächsten Wochen zu erwarten haben.

Nach 77 positiven Testergebnissen gestern in Dortmund: Schwellenwert von 50 überschritten

„Als ich die Zahlen gesehen habe, war ich froh, dass ich gut saß, denn die hätten mich sonst vom Stuhl gehauen“, erklärt der kommissarische Leiter des Dortmunder Krisenstabes, Norbert Dahmen auf der eilig einberufenen Pressekonferenz der Stadt. 77 positive Testergebnisse kamen gestern hinzu. Damit war klar: die Infektionsrate wird einen Wert erreichen (über 50 auf einhunderttausend Einwohner*innen in einer Woche), der zu Maßnahmen zwingt, welche bürgerliche Freiheiten weiter einschränken. ___STEADY_PAYWALL___

Kurzfristig anberaumte Pressekonferenz im Rathaus anlässlich der Aufnahme Dortmunds in den „Club“ der Risikostädte.

Die zweite Pandemiewelle hat Dortmund damit erreicht. Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes, erläutert auf der heutigen Pressekonferenz im Rathaus nüchtern die maßgeblichen Zahlen. Vereinfacht ausgedrückt: die Entwicklung des Infektionsgeschehens gleicht nicht nur dem im April. Sondern sie ist noch besorgniserregender. Gab es während der ersten Welle im Frühjahr noch bis zu 300 parallel Infizierte in der Stadt, sind es nun insgesamt über 400 Menschen, die das vermaledeite Virus erwischt hat.

Was Infektionsschwerpunkte betrifft, ist die Dortmunder Nordstadt deutlich am schlimmsten betroffen. Ebenso weist die Statistik aus: ein überproportionaler Anstieg der Inzidenz bei Älteren – das Durchschnittsalter der Infizierten steigt. Da die statistisch begründbare Faustregel gilt: je jünger die Betroffenen sind, desto weniger Symptomatik zeigen sie – schließt der Leiter des Gesundheitsamtes: „Das ist das, was uns auf jeden Fall Sorgen machen muss.“ Gleichwohl die Statistik im Einzelfall lügen mag und auch 30-Jährige auf der Intensivstation landen könnten.

Ein erneuter Lockdown – wie im Frühjahr – soll aus naheliegenden Gründen vermieden werden

Entwicklung positiver Tests pro Tag in Dortmund (5. März bis zum 13. Oktober 2020). Quelle: Gesundheitsamt Stadt Do

Insgesamt bewertet Frank Renken die gegenwärtige Situation in der Stadt als „wesentlich dramatischer, intensiver“ als im April. Und fährt fort: „Es bedarf anderer Maßnahmen als bisher, um die Entwicklung der Pandemie für Dortmund zu begrenzen.“ – Warum eigentlich?

Der einzig gut nachvollziehbare Grund liegt in der Sorge um die Wirtschaft und ihre Konkurrenzfähigkeit. Aus rein präventiv-epidemiologischer Sicht wäre nämlich ein erneuter Lockdown am sinnvollsten. Damit könnten Sozialkontakte auf ein Minimum beschränkt und daher, weil sie das entscheidende Bindeglied für Virus-Übertragungen darstellen, das Infektionsgeschehen am effektivsten kontrolliert werden.

Ein erneutes Runterfahren des gesellschaftlichen Lebens hingegen soll unter allen Umständen vermieden werden. Eine klare politische Entscheidung, deren Wurzeln in Berlin zu verorten sind, und die über die Bundesländer in den Kommunen des Landes umgesetzt wird.

Neue Restriktionen für Feiern/Feste sowie für den Aufenthalt in öffentlichen Räumen

Die Verpflichtung zum Tragen von Masken gilt nicht mehr nur für geschlossene, sondern zunehmend auch für öffentliche Räume.

Wie das in Dortmund aussehen wird, erläutert Norbert Dahmen: Im Grundsatz ginge es stets darum, einerseits die über (in schneller Reihenfolge sich ablösenden) Corona-Schutzverordnungen getroffenen Maßnahmen des Landes NRW umzusetzen, andererseits trifft die Stadt in Abstimmung mit der Bezirksregierung in Arnsberg weitere Maßnahmen. Alles zusammen wird (vermutlich) morgen, Freitag, den 16. Oktober, in einer neuen Allgemeinverfügung der Kommune veröffentlicht werden.

Was der seit Spätsommer vorletzten Jahres in Dortmund tätige Dezernent für Recht und Ordnung zu den konkreten Inhalten sagen kann und in dieser Form aller Wahrscheinlichkeit dann auch alle betreffen wird, die sich in der Stadt aufhalten, ist Folgendes:

Private Feste oder Feiern werden auf 25 Personen beschränkt sein; bei mehr als zehn Personen müssen sie beim Ordnungsamt angemeldet werden. Im öffentlichen Raum dürfen sich nur noch maximal fünf Personen zusammenfinden. Die Verpflichtung, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, wird nach Westen- und Ostenhellweg auf die Brückstraße und die Fußgängerzonen der Stadtbezirke während der Ladenöffnungszeiten ausgeweitet.

Hinweisschilder in der Stadt sollen ab morgen Maskenpflicht an den betreffenden Orten anzeigen

Bei sichtbaren Verstößen gegen die Allgemeinverfügung drohen Bußgelder. Foto: Alex Völkel

Zwischen 23:00 und 6:00 Uhr morgens gilt eine Sperrstunde in der Gastronomie. Im gleichen Zeitfenster greift ein Verkaufsverbot für Alkohol. Bei Veranstaltungen unter freiem Himmel sind maximal 500 Personen erlaubt, in geschlossenen Räumen 250. „Die Veranstaltungen werden begrenzt auf Teilnehmerzahlen in der Größenordnung von bis zu 20 Prozent der normalen Kapazität des Veranstaltungsortes“, so Dahmen.

Diese Zahlen sind gleichwohl nicht in Stein gemeißelt, sondern hängen von den jeweiligen Corona-Schutzverordnungen des Landes ab, können sich also – je nach Inzidenzraten – verändern. Sollte diese in Dortmund wieder unter den 50er-Schwellenwert fallen, erklärt der Ordnungs- und Rechtsdezernent, dann sei aber vermutlich nicht vor Ablauf einer Sieben-Tage-Frist damit zu rechnen, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder gelockert würden.

Ab dem morgigen Freitag sollen des Weiteren überall dort, wo es eine Verpflichtung zum Tragen einer Maske gibt, entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden. Man wolle die Bürgerinnen und Bürger aufklären, sagt Norbert Dahmen. Wo die Allgemeinverfügung hingegen auf Resistenz stößt, Stichwort: Maskenverweiger*innen, würden Bußgeldverfahren eingeleitet. Es gilt folglich unmissverständlich: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Weitere Informationen:

  • Video: Die Pressekonferenz der Stadt Dortmund vom 15. Oktober 2020 im Mitschnitt bei Youtube; hier:

 

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Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Corona: 77 weitere positive Testergebnisse – Inzidenz-Wert bei 50,5 – Herbstmarkt fällt aus – nur 25 Gäste bei Privatfeiern

 

 

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Ein Gedanke zu “Nach dem Überschreiten der 50er-Marke: Dortmund wird zum Corona-Hotspot – neue Allgemeinverfügung erweitert Verbote

  1. Coronavirus: 82 weitere positive Testergebnisse am Donnerstag in Dortmund – Inzidenz-Wert voraussichtlich bei 60,0 (PM)

    Coronavirus: 82 weitere positive Testergebnisse – Inzidenz-Wert voraussichtlich bei 60,0

    In Sachen „Coronavirus“ lässt sich für Dortmund folgendes Update geben: Heute sind 82 positive Testergebnisse hinzugekommen. Von den neuen Fällen sind 18 aus neun familiären Zusammenhängen. Weitere vier Fälle sind Reiserückkehrende aus Risikogebieten. Die anderen 60 Fälle sind einzelnen, voneinander unabhängigen, Personen zuzuordnen.

    Seit dem ersten Auftreten der Erkrankung in Dortmund liegen insgesamt 2.619 positive Tests vor. 2.089 Menschen haben die Erkrankung bereits überstanden und gelten als genesen. Derzeit sind in Dortmund 509 Menschen infiziert.

    Nach der Berechnung der Stadt Dortmund anhand der RKI-Methodik wird der Inzidenz-Wert mit den heutigen Zahlen 60,0 betragen. Der tatsächliche Wert des RKI wird erst ab 0:00 Uhr abrufbar sein und ist von da an verbindlich – leichte Abweichungen sind bis dahin möglich. Derzeit weist das RKI für Dortmund noch eine Inzidenz von 50,7 auf Basis der Zahlen von gestern aus.

    Angesichts des hohen Inzidenz-Wertes arbeitet die Stadt an einer neuen Allgemeinverfügung, die neue Maßnahmen und Regeln vorsieht.

    Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
     Bei privaten Festen außerhalb der eigenen Wohnung sind nur noch maximal 25 Personen erlaubt (zuvor 50).
     Beim Ordnungsamt angemeldet werden müssen Feierlichkeiten außerhalb der eigenen Wohnung, wenn mehr als 10 Personen (zuvor 25) eingeladen sind.
     Im öffentlichen Raum sind Gruppen-Ansammlungen nur noch mit maximal 5 Personen als Gruppe zulässig.
     Die Besucherzahl bei Veranstaltungen wird weiter beschränkt auf 20 Prozent der normalen Kapazität.
     Zwischen 23:00 und 6:00 Uhr wird eine Sperrstunde in der Gastronomie eingeführt. Im gleichen Zeitfenster greift ein Alkoholverkaufsverbot.
     Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum wird ausgedehnt. Neben Westen- und Ostenhellweg kommen im Innenstadtbereich auch Brückstraße, Münsterstraße und Nordmarkt mit hinzu. Auch in den
    Einkaufsstraßen in den Stadtbezirkszentren (z.B. Hörde, Hombruch) wird die Maskenpflicht eingeführt – hier nur zwischen 9:30 und 18:30 Uhr.

    Die Maßnahmen gelten direkt nach der Veröffentlichung der Allgemeinverfügung in den amtlichen „Dortmunder Bekanntmachungen“ – voraussichtlich ab Freitagmorgen. Das Ziel der Maßnahmen ist es möglichst schnell wieder unter Inzidenz-Wert von 50 und im Anschluss auch unter 35 zu kommen.
    Zurzeit werden in Dortmund 32 Corona-Patient*innen stationär behandelt, darunter sechs intensivmedizinisch, davon wiederum zwei mit Beatmung.

    In Dortmund gibt es bislang 14 Todesfälle im ursächlichen Zusammenhang mit Covid-19. Weitere sieben mit SARS-CoV-2 infizierte Patient*innen verstarben aufgrund anderer Ursachen.

    Schilder verweisen auf die Maskenpflicht in der Fußgängerzone

    Rund 1.000 Schilder für 500 Standorte hat die Verwaltung bestellt. Sie werden nach und nach an den Zugängen zu den Fußgängerzonen aufgestellt, um auf die Pflicht hinweisen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die ersten Exemplare werden bereits am Freitag aufgestellt. Die Pflicht, sich mit dem Mund-Nasen-Schutz zu bedecken, gilt allerdings auch ohne, dass Schilder extra auf sie aufmerksam machen.

    Absage mehrerer Märkte und verkaufsoffener Sonntage am 8. November

    Am Mittwoch ist in Hombruch entschieden worden, dass der Martini- und Bauernmarkt am 8. November 2020 unter dem Eindruck der aktuellen Situation nicht stattfinden kann. Damit kann auch der geplante verkaufsoffene Sonntag im Stadtbezirk nicht stattfinden, denn die Sonntagsöffnung muss in direkter Verbindung mit einem Volksfest bzw. einer Traditionsveranstaltung stehen.

    Eine gleichlautende Entscheidung wurde bereits am Montag, den 12. Oktober in Mengede für den Martinstag (auch am 8. November) und in Lütgendortmund am Freitag, 9. Oktober für den Martinsmarkt (ebenfalls für den 8. November angesetzt) getroffen. Auch dort müssen die verkaufsoffenen Sonntage daher ersatzlos entfallen.
    Der Hansemarkt am 8. November 2020 steht jedoch nach wie vor auf dem Veranstaltungsplan.

    Weitere Absagen von Veranstaltungen in den kommenden Tagen und Wochen sind nicht auszuschließen.

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