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Nach bald fünf Jahren immer noch nicht fertig? Tiefbauamt informierte über den Stand der Bauarbeiten am Hauptbahnhof

Blick in die zukünftige Verteilerebene der Stadtbahnhaltestelle Hauptbahnhof. Fotos: Karsten Wickern

Von Angelika Steger

Es ist ein riesiges Projekt, das den Nahverkehr in Dortmund erheblich verbessern soll: der Ausbau des Zugangs zur Stadtbahn am Hauptbahnhof. 2.000 Kubikmeter Stahlbeton mussten im Rohbau abgebrochen werden, 2.600 Kubikmeter Stahlbeton eingebaut werden. 90 Meter bergmännischen Vortrieb mit Spritzbetonsicherung hatte es gegeben, dazu einen Einzelquerschnitt von ca. 55 Quadratmetern. Der neue Eingang zur Stadtbahn wurde auf der Nordseite mit Naturstein ausgekleidet, das sind insgesamt 4.200 Quadratmeter an Fläche. Dazu kommen Wand- und Deckenverkleidungen von mehreren 1.000 Quadratmetern.

Verbesserung der Infrastruktur für die gesamte Verteilerebene der Station Hauptbahnhof

Die aktuell zugängliche Verteilerebene in Blickrichtung zum Gleis-Aufgang der DB.

Derzeit müssen noch zahlreiche Umwege in Kauf genommen werden, wenn man z. B. von der Haupthalle der DB zur Stadtbahn im Untergrund wechseln will. Von der Nordseite gibt es für einen Bahnsteig nur einen Zugang, bei dem man um die Ecke laufen muss, um zur Stadtbahn zu gelangen.

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Die Bahnsteige selbst sind bisher so schmal, dass es nicht nur beim Feierabendverkehr ungemütlich eng wird. Das alles soll sich mit dem Ausbau der Zugänge zu den Bahnsteigen ändern. Fast alles.

„Das Ziel ist die Erneuerung und Verbreiterung der Anlage“, sagt Olaf Schwenzfeier von der Bauleitung. Die Wände mit den Bildern, an denen die Fahrgäste momentan vorbeilaufen, verdecken die Sicht auf das Mehr an Raum in der „Verteilerebene“, also der Bauteil, durch den man zu den Gleisen kommt.

Neuer Aufzug ermöglicht bequemeres Ein- und Ausfahren für Rollstuhlfahrer*innen

Der Aufzug in der neuen Verteilerebene ist schon eingebaut.

In dieser Woche konnten interessierte Bürger*innen einen Blick hinter diese Wand werfen. Noch sind hauptsächlich Betonwände zu sehen, doch beim Blick nach unten sieht man schon einen Teil der Wandverkleidung in weiß und jeweils einem farbigen Streifen in Rot und gelb.

Der Aufzug ist bereits auch an seinem Platz. „Die Aufzüge werden wesentlich größer sein: 16 Personen werden damit fahren können. Auch ein Fahrrad oder Rollstuhl finden darin Platz.

Außerdem ist es ein „Durchlader“, das heißt, er hat zwei Türen, so dass man mit dem Rollstuhl nicht rückwärts wieder aussteigen muss“, ergänzt Schwenzfeier. Bisher sind die Aufzüge jeweils am anderen Ende des Bahnsteigs, in diagonaler Richtung angebracht. Das verlängert die Umsteigezeiten enorm, weil die Wege länger sind. Auch das soll mit den neuen Aufzügen nicht mehr der Fall sein.

Fertigstellungstermin im Herbst 2019 kann nicht eingehalten werden – was sind die Gründe?

Olaf Schwenzfeier von der Bauleitung vor dem Infoplakat über den Stadtbahn-Neubau.

Die Verzögerung von zwei bis drei Jahren für die Fertigstellung ist schon seit längerem bekannt. „Die Architektur ist relativ kompliziert“, erläutert Olaf Schwenzfeier. Außerdem stehe sie in Konkurrenz zum Rohbau, passe oft nicht zusammen.

Bei Toleranzen bis zu zwei Zentimetern passen die einzelnen Teile nicht zusammen. Die ausführende Firma hätte diese Schwierigkeiten nicht durchschaut, obwohl sie schon früher für den Bau der Stadtbahn zuständig war. Ein weiteres Problem ist das Gefälle von Süd (Haupteingang des Hauptbahnhofs) nach Nord.

Jede Station der Stadtbahn im Untergrund hat einen Bogen als Decke im Raum. „Das ist in den 1970ern so gebaut worden, vom Architekten wurde das heute auch so berücksichtigt, aber der ausführenden Firma war nicht so genau klar, dass es so schwierig sein würde.“ Von beiden Seiten wird nach oben gebaut, oben muss es dann zusammenpassen, ähnlich wie bei der Papierfaltkunst Origami: für den Bascetta-Stern müssen zuerst einzelne Teile exakt nach Vorlage gefaltet werden.

Vermessungsfehler verzögern den Ausbau der aufwendigen Deckenkonstruktionen 

Die bogenförmigen Decken der Haltestellen erfordern exakte Millimeterarbeit.

Diese Einzelteile werden zusammengesteckt und ergeben einen Stern in 3D – wenn alle Teile bis zum Schluss zusammenpassen und damit auch der gesamte Stern zustande kommt. Es wurden Ausmaßfehler beim Vermessen gemacht, ein Bauleiterwechsel trug ebenfalls zur Bauverzögerung bei.

Die Baufirmen klagen außerdem regelmäßig über eine Auftragsflut, so dass sie ihre Verpflichtungen im Zeitplan nicht einhalten hätten können.

Bleche und andere Bauteile sind auch Spezialanfertigungen. Wenn ein Stück eingebaut ist, muss erneut ausgemessen werden, um das nächste, passende zu bestellen. Wenn dies dann doch nicht passt, kann es bis zu sechs Wochen dauern, bis das nächste kommt. „Oft waren bis zu zehn Monteure da, aber die Teile fehlten. Die Firma kommt mit der Fertigung oft nicht hinterher“, erklärt Olaf Schwenzfeier.

Zuständigkeitsbereiche verhindern oft die notwendigen oder besseren Lösungen für gute Verbindungswege

Hier am Nordausgang wird man direkt zur Verteilerebene in den Untergrund zur Stadtbahn gelangen.

Wenn der Neubau der Verteilerebene fertig ist, wird es einen direkten Zugang zur Stadtbahn rechts neben dem Nordeingang geben. Und ebenso einen Zugang zum Treppenhaus, von dem man heute schon zu den Gleisen der DB AG kommt. Die für Rollstuhfahrer*innen störenden Treppen aber werden bleiben.

Auch Räume für Geschäfte und eine Glaswand werden dort dann installiert werden. Aber das erfolgt erst zum Schluss der Baumaßnahmen. Die Schwierigkeit hierbei: manche Fläche muss erst von der Deutschen Bahn erworben werden; anderes liegt komplett in deren Zuständigkeitsbereich.

Deshalb kann das Tiefbauamt der Stadt Dortmund auch nicht für einen besseren Zugang von der derzeitigen Verteilerebene der Stadtbahn zur Haupthalle und den Gleisen der DB sorgen.

Zuständigkeitsbereiche der DB erschweren der Stadt den schnellen barrierefreien Umbau.

Momentan kommt man nur über eine Treppe und eine Rolltreppe dorthin: ein Unding für Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl oder Fahrrad. Eine weitere Barriere: die fehlende Direktverbindung zwischen Nordausgang und Hauptzugang des Hauptbahnhofs. Pressesprecher Christian Schön erwähnt noch den „Posttunnel“, der bereits zwischen der Nord- und Südseite existiert.

Doch der Zugang dafür befindet sich auf dem Betriebsgelände der Deutschen Post neben dem Hauptpostgebäude. Dieser Tunnel müsste allerdings vergrößert und für den Brandschutz ausgerüstet werden. „Hier in der Verteilerebene wäre auch Platz“, meint Olaf Schwenzfeier von der Bauleitung. Geplant sei aber dafür nichts. „Wir können bei diesen Dingen auch erst loslegen, wenn die DB ihr OK gibt.“ Die Fahrgäste der Dortmunder Stadtbahn werden sich also noch gedulden müssen. Es geht voran – aber langsam, in kleinen Schritten.

Weitere Informationen:

  • Zum Stadtbahn-Ausbau; hier:
Weitere Eindrücke:

 

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2 Gedanken über “Nach bald fünf Jahren immer noch nicht fertig? Tiefbauamt informierte über den Stand der Bauarbeiten am Hauptbahnhof

  1. Bernd

    Leider wird mit dem Ausbau nicht viel gewonnen. Da man weder in Nord-Süd-Richtung noch umgekehrt das zweite Gleis an den breiteren Bahnsteigen mit gebaut hat, können weiterhin nicht zwei Stadtbahnen gleichzeitig zum Fahrgastwechsel am Bahnsteig stehen. Somit bleibt der Rückstau im Tunnel erhalten. Dabei hätte das die Leistungsfähigkeit des Tunnels deutlich erhöht. Ein Stück weit enttäuschend, dass nach fünf Jahren somit in Wirklichkeit nichts zur Angebotsverbesserung im Stadtbahntunnel erreicht wird ….

  2. Stadt Dortmund (Pressemitteilung)

    Stadtbahnanlage Hauptbahnhof: Die erste Arbeitsschutzwand fällt

    „Noch im Dezember bestand für die Öffentlichkeit die Möglichkeit, auf der Stadtbahnbaustelle am Hauptbahnhof, einmal einen Blick hinter die Arbeitsschutzwand zu werfen. Nun sind die Arbeiten auf der westlichen Seite soweit fortgeschritten, dass wir voraussichtlich ab 8. Januar 2020 die erste Arbeitsschutzwand schon einmal auf der Verteilerebene zum größten Teil abreißen können“, so Sylvia Uehlendahl, Amtsleiterin des Tiefbauamtes. „Diese Arbeiten dienen als Vorbereitung für die Freigabe der neu gebauten mittigen Zugangsanlage mit dem neuen Aufzug.“

    Für die Abrissarbeiten ist es notwendig, die Verteilerebene halbseitig zu sperren. Die Sperrung und weitere Vorbereitungen dafür werden ab 6. Januar 2020 beginnen. Im Namen der Beteiligtenbitten wir um Verständnis für die nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen während der Arbeiten. Auch auf der Bahnsteigebene soll kurzfristig der Abriss der Arbeitsschutzwand erfolgen.

    Wenn die Arbeitsschutzwand entfernt ist, werden noch Restarbeiten ausgeführt. Nachdem wird die technische Abnahme und Übergabe an die Betreiberin DSW21 erfolgt ist, kann dann die neue Zugangsanlage in Betrieb genommen werden.

    Dies ist dann gleichzeitig der Startschuss für die Arbeiten an der südlichen Zugangsanlage auf der westlichen Seite die komplett umgebaut wird, damit hier den Fahrgästen zukünftig zwei Fahrtreppen zur Verfügung stehen. Weiterhin wird der alte Aufzug dort zurückgebaut.

    Etwa in zwei Monaten werden dann auf der östlichen Seite ebenfalls die Wände fallen und die neue Zugangsanlage mit dem neuen Aufzug in Betrieb genommen.

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