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„Mit relativ wenig Aufwand und wenigen Strichen arbeiten“: Holga Rosen gewinnt 2. Platz beim Deutschen Cartoonpreis

Mit diesem Cartoon zur Corona-Pandemie konnte der Dortmunder Zeichner Holga Rosen – im zehnten (!) Anlauf – die Herzen der Jury des Deutschen Cartoonpreises gewinnen und den zweiten Platz erreichen.

Holga Rosen, so nennt er sich seit über 20 Jahren, ist nicht nur der Mitbesitzer des Dortmunder Roxy-Kinos, sondern auch ein begnadeter Cartoonist. Das unterstreicht der jüngste Preis, den Rosen eingefahren hat: Er hat nun den zweiten Platz beim Deutschen Cartoonpreis gewonnen. Bewerben konnten sich dafür alle Cartoonisten aus Deutschland. Als Cartoonist arbeitet Rosen unter anderem für den Westfalenspiegel und die RuhrNachrichten. Nika Layeghi hat mit ihm über seine Karriere als Cartoonist und über die Rolle von Cartoons in seinem Leben gesprochen.

Holga, Du hast den 2. Platz beim Deutschen Cartoonpreis gewonnen. Wie zufrieden bist Du mit Dir?

Holga Rosen sitzt vor seinem Tablet und erarbeitet sich neue Cartoons. Foto: privat

Holga Rosen: Ich bin sehr glücklich, dass es endlich geklappt hat und bin sehr froh, weil der Gewinn vielleicht ein Türöffner ist. Ich habe mindestens die letzten zehn Jahre meine Cartoons bei der Jury des Deutschen Cartoonpreis eingereicht. Meine Cartoons sind zwar in den Büchern veröffentlicht worden, aber einen Preis habe ich dort nie gewonnen. Dieses Mal habe ich 20 meiner Arbeiten aus dem ganzen Jahr eingereicht und jetzt sind drei Bilder dabei. Es war zwar nicht mein Ziel zu gewinnen, aber ich finde es jetzt gut. Ich habe Hoffnung darauf, dass das was für die Zukunft bringt und ich dadurch auch motivierter arbeite.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Cartoons zu zeichnen?

Ich war nie wirklich ein großer Zeichner oder Maler. In der Schule war ich ein lausiger Schüler und habe viel nebenbei gezeichnet. Mit 18 Jahren habe ich dann meine erste Comic-Serie in den RuhrNachrichten veröffentlichen können. Seit März 1998 habe ich bei diesen eine eigene Serie, die regelmäßig erscheint.

Wie bist Du in finanzieller Hinsicht als Cartoonist zurechtgekommen? Hattest Du weitere Nebenbeschäftigungen?

Sascha Kirchhoff und Holga Rosen haben 2011 das Roxy übernommen.

Sascha Kirchhoff und Holga Rosen haben 2011 das Roxy übernommen. Foto: Alex Völkel

Da ich in der Schule angefangen hatte und zu dieser Zeit auch meine erste Serie veröffentlichte, fand ich es großartig, als Schüler ein Honorar zu kriegen. Nach der Schule fing ich mein Studium an. Erst studierte ich Grafikdesign, dann Kamera, Film und Fernsehen, weil ich sonst gerne Filmemacher geworden wäre. Weil das Studium nicht so gut lief, führte das im Jahr 2001 zu meiner Zwangsexmatrikulation. Um dann noch Geld zu verdienen, bin ich Taxi gefahren und arbeitete nur nebenbei als Cartoonist.

Du wolltest Filmemacher werden und arbeitest im Roxy Kino. Wieso hast Du Dich doch eher dafür entschieden, Cartoons zu zeichnen?

In Hinblick auf den Aufwand finde ich, kann man bei Cartoons mit relativ wenig Aufwand und wenigen Strichen arbeiten. Bei Filmen läge der Aufwand deutlich höher und Filme drehen würde viel länger dauern. Außerdem arbeitet man als Filmemacher mit vielen Menschen zusammen. Ich bin aber kein Teamplayer, sondern sitze lieber alleine in meinem Zimmer und zeichne. Dass ich das Roxy-Kino übernommen habe, lag daran, dass ich ein Innenstadtkino übernehmen wollte, was vom Kino-Sterben bedroht war. Erst arbeitete ich als Filmvorführer und habe dann 2009 das Kino mit meinem Kollegen Sascha Kirchhoff übernommen.

Liest Du Dir in Deiner Freizeit auch Cartoons anderer Personen durch?

Mit diesem Cartoon hat Rosen den 2. Platz beim Publikumspreis des CARTOONAIR AM MEER 2019 gewonnen.

Hiermit hat Rosen den 2. Platz beim Publikumspreis des CARTOONAIR AM MEER 2019 gewonnen.

Ja, zum Beispiel auf Facebook. Ich kenne einige Cartoonisten, die dann ihre Cartoons auf Facebook teilen. Explizit danach suchen, tue ich aber nicht. Trotzdem haben Cartoons und Comics eine wichtige Rolle für mich gespielt. In meiner Kindheit war mein Lieblingscomic „Clever und Smart“. Davon habe ich mir viel abgeguckt. Auch Disneys Lustige Taschenbücher habe ich verschlungen. Cartoons des amerikanischen Cartoonisten Gary Larson dienten mir als große Inspiration, weil es genau der Humor war, den ich wirklich gefeiert habe. Ich denke, dass ich manchmal auch Witze von ihm abgeguckt habe.

Worauf legst Du bei Deinen Cartoons Dein Haupt-Augenmerk?

Das kann ich gar nicht wirklich beurteilen. Ich finde meine Cartoons gelungen, wenn ich sie selbst witzig finde. Wenn das nicht der Fall ist, dann gucke ich mir die echt ungern an. Mein Anspruch an mich selbst ist, dass ich nicht direkt die naheliegendsten Pointen raushaue, sondern lieber noch zwei bis drei Schlenker drin habe, sodass der Leser etwas um die Ecke denken muss. Eigentlich möchte ich, dass es Stammtischwitze werden – nur auf eine intelligentere Art und ich denke, manchmal gelingt mir das. Früher habe ich oft Wortwitze eingebaut, aber jetzt gehört das dem Mainstream an und deswegen mache ich das nicht mehr gerne. Die Jury des Deutschen Cartoonpreises meinte mal zu mir, dass meine Cartoons sich nicht verkaufen lassen würden. Das fand ich zum einen zwar schade, sah es aber auch als Kompliment an, weil ich humorig betrachtet, nicht in das Buch vom LAPPAN Velag passte.

Wir haben das Jahr 2020 – ein digitales Zeitalter. Wie zeichnest Du Deine Cartoons?

Ganz typisch eigentlich, aber seit fünf Jahren digital mit dem Tablet. Ich habe mich für die digitale Arbeit entschieden, weil ich zum einen Neugierde daran hatte und mir der Look meiner Zeichnungen nicht gefiel und zum anderen macht es mir totalen Spaß, auf verschiedenen Ebenen zu zeichnen. Als ich mein Tablet kaufte, hatte ich so viel Spaß, dass ich direkt 30 bis 50 meiner alten Cartoons digitalisierte. Es ist unfassbar praktisch und man kann es überallhin mitnehmen. Mir ist es aber trotzdem wichtig, dass es handgezeichnet aussieht.

Würdest Du lieber ein Leben lang nur Cartoons von anderen lesen und dafür selbst aufs Cartoon-Zeichnen verzichten oder lieber selbst Cartoons zeichnen und im Gegenzug nie wieder andere Cartoons lesen?

Ich würde ganz klar lieber selbst welche zeichnen. Der Zwang, mich kreativ auszudrücken, ist viel zu groß, dafür, dass ich so was aufgeben würde. Dass ich diese Möglichkeit habe, macht mich sehr happy und das würde ich nicht eintauschen wollen.

ZUR PERSON:

  • Holga Rosen ist Mitbesitzer des Dortmunder Roxy Kino und Cartoonist
  • 1970 in Castrop-Rauxel geboren, ist mit sechs Jahren nach Dortmund gezogen

Mehr Informationen:

  • Deutscher Cartoonpreis 2020
  • Am 29. Oktober 2020, erscheint das Buch „Beste Bilder 11“ vom LAPPAN Verlag. Es ist erhältlich für 12 Euro und zeigt über 250 der besten Cartoons des Jahres. Die drei besten davon sind von den Preisträgern des Deutschen Cartoonpreises.

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