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Messe Dortmunder Herbst: Das Projekt „Bunte Vielfalt“ will neben dem Konsum auch zum Nachdenken anregen

Dortmunder Gruppen stellen beim „Dortmunder Herbst“ die bunte Vielfalt in den Mittelpunkt.

Dortmunder Gruppen stellen beim „Dortmunder Herbst“ die bunte Vielfalt in den Mittelpunkt. Foto: Berenice Becerril

Von Lisa König

Für das Projekt „Bunte Vielfalt“ haben sich verschiedene migrantische Organisationen zusammen geschlossen. Ziel ist es, eine vorbildliche Darstellung interkultureller Öffnung nach außen zu tragen. Zusammen mit der Stadt Dortmund, der Messegesellschaft der Westfalenhallen und der Stadtteilschule in der Nordstadt wird das Projekt nun zum siebten Mal Teil der Messe „Dortmunder Herbst“ sein.

Eine neue Sichtweise auf die Migration: zeigen, was man schon alles kann

Berenice Becerril Ortiz

Berenice Becerril Ortiz

„Die Bunte Vielfalt ist eines meines Kinder“, erzählt Berenice Becerril Ortiz. Sie ist die Koordinatorin des Projektes und hat es vor sieben Jahren mit gegründet. Während ihrer Arbeit in der Integrationsagentur war die Idee entstanden.

„Wir wollen nach der sehr einseitigen Darstellungen in den Medien ein anderes Bild von uns Migranten zeigen. Es soll nicht mehr nur darum gehen, was wir brauchen und wie man uns helfen kann. Wir sind bereits sehr stark und brauchen in vielen Dingen keine Hilfe mehr.“

Es sei wichtig, zu zeigen, was man bereits leiste. „Alle Mitglieder bei uns sind Ehrenamtler“, so Becerril Ortiz. „Sie nehmen sich zum Teil Urlaubstage, um bei der Messe mitarbeiten zu können. Das ist das beste Beispiel für Integration. Neben dem guten Job nehmen sie sich trotzdem die Zeit, anderen zu helfen.“

Am Projekt „Bunte Vielfalt“ sind 15 Gruppen und Vereine beteiligt

 Neben der amüsanten Kochwerkstatt lädt ein neuangelegter Marktplatz aber auch zur Bunten Vielfalt ein. Hier zeigen Kulturvereine Dortmunds wie farbenfroh die Stadt ist und präsentierten zudem leckere Spezialitäten aus ihren Ländern. Foto: Anja Cord

Der Marktplatz zur „Bunten Vielfalt“ will zeigen, wie farbenfroh Dortmund ist. Foto: Anja Cord

Es sei vor allem wichtig, mit Leuten in Kontakt zu kommen, die in ihrem Alltag keine Schnittstellen zu interkultureller Arbeit haben. Integration müsse nicht mühsam sein, in vielen Bereichen funktioniere sie schon sehr gut.

„Von den über 600.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in Dortmund sind etwa ein Drittel Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Wir wollen zeigen, dass die Vielfalt eine Bereicherung für die Gesellschaft ist und kein Nachteil“, macht Ortiz deutlich.

Insgesamt sind an dem Projekt „Bunte Vielfalt“ dieses Jahr 15 Gruppen und Vereine beteiligt. Innerhalb der Messe Küche und Genuss auf dem Dortmunder Herbst werden acht Gruppen kulinarische Spezialitäten aus ihrer Heimat anbieten.

„Die einzelnen Kulturen sind so vielseitig. Bei türkischem Essen denken zum Beispiel viele direkt an Dönerbuden. Mehr Möglichkeiten haben sie in ihrem Alltag auch oft nicht, die Kultur kennenzulernen. Dabei kommt der heutige Döner gar nicht aus der Türkei. Typisch für die türkische Kultur ist Lahmacun. Dann kommen manchmal Besucher ganz stolz im nächsten Jahr wieder und bestellen Lahmacun statt Döner.“

Das Ziel: Auf dem Dortmunder Herbst die halbe Welt bereisen

Dortmunder Gruppen stellen beim „Dortmunder Herbst“ die bunte Vielfalt in den Mittelpunkt.

Dortmunder Gruppen stellen beim „Dortmunder Herbst“ die bunte Vielfalt in den Mittelpunkt.

Neben den Essensständen gibt es noch ein vielfältiges Bühnenprogramm.  Tänze aus Kolumbien, Bolivien und Peru wechseln sich ab mit Modenschauen aus Afrika und Vietnam. Außerdem Hennamalerei, viel türkischer Tee und Flyer mit Rezepten zum Nachkochen.

„Die Menschen sollen möglichst viel miterleben. Man hat hier sozusagen die Möglichkeit, in ein paar Tagen die Welt zu bereisen. Hinter unserem Projekt steckt eine Community mit hunderten von Menschen“, so Berenice Becerril Ortiz.

„Voneinander lernen, miteinander leben und sich wertfrei begegnen sind unsere wichtigsten Mottos. Und diese Begegnungen bringen jedem einzelnen etwas.“ Für die Vereine würde die Zusammenarbeit vor allem Professionalisierung und einen Austausch von Know-how ermöglichen.

Ortiz: „Als Vertreter unserer Herkunftsländer sagen wir nein zu Plastik“

„Wir arbeiten unabhängig von der Messe das ganze Jahr über zusammen. Mittlerweile haben wir ein richtiges Bildungsnetzwerk aufgebaut. Dadurch haben wir eine ganz andere Außenwirkung als die einzelnen Vereine. Durch so eine große Messe wie der Dortmunder Herbst können wir viel Einfluss auf die Gemeinschaft nehmen.“

Und den wollen die MigrantInnen auch nutzen. Dabei stehen nicht nur die unterschiedlichen Traditionen und Kulturen im Vordergrund. Dieses Jahr spielt vor allem das Thema Umwelt eine große Rolle.

„In vielen der Länder, aus denen unsere Mitglieder kommen, gibt es noch große Probleme mit Plastikmüll. Wir wollen eine Botschaft senden. Als Vertreter unserer Herkunftsländer sagen wir nein zu Plastik. Deshalb besteht das Geschirr dieses Jahr auch aus Bananenblättern.“

Dabei sei es manchmal schwierig, auf einer Verbrauchermesse zu den Leuten durchzudringen. „Die Menschen in ihrem Konsumverhalten zu unterbrechen und sie zum Nachdenken zu bringen, ist nicht so einfach. Deshalb haben wir eine ganze Präsentation zu dem Thema vorbereitet.“

Becerril Ortiz erhofft sich von dem Projekt auch eine Art Dominoeffekt. Nicht nur das eigene Netzwerk soll wachsen, sondern auch Einfluss auf andere Vereine sei wichtig. „Wir müssen da zusammen arbeiten. Was bringt es uns, ständig neue Projekte für eine gute Sache zu gründen, wenn es davon schon so viele gibt? Vereint kann man viel mehr erreichen.“

Weitere Infos zur Messe Dortmunder Herbst:

  •  3. bis 7. Oktober täglich von zehn bis 18 Uhr
  • Das Projekt Bunte Vielfalt finden Sie in Halle 6
  • Vertreten sind in diesem Jahr: Amigos de Bolivia, Africa Positive e.V., Egikür e.V. – Frauenbildung und Kultur, Ethnia & Folklor, Iberoamerikakreis Dortmund, La Klave, Tamilische Kultur Dortmund, Tamilischer Kunstverein, Vietnamesischer Katholischer Verein, Spanische Katholische Gemeinde, der Verein Kamerunischer Ingenieure und Salay Bolivia.
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