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BERUF: „Man darf keine Angst vor Dreck haben“ – Veit Nordhaus ist in Dortmund Schornsteinfeger mit Leib und Seele

Seit 30 Jahren arbeitet Veit Nordhaus als Schornsteinfeger und hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Neben der vielschichtigen Arbeit schätzt er vor allem den Kundenkontakt in seinem Beruf. Fotos: HWK Dortmund

Auf Dächer klettern, in Kamine steigen und rußbedeckte Wangen – das hat man als erstes vor Augen, wenn man an Schornsteinfeger denkt. Veit Nordhaus ist zwar auch auf Dächern unterwegs, aber dass er Schornsteinfeger ist, erkennt man höchstens an seinem Rucksack, aus dem der Kaminbesen ragt. Und an dem Emblem auf seinem Pullover. Der 48-Jährige ist seit knapp 30 Jahren in diesem Beruf unterwegs. Er hat eine Lehre absolviert, den Meister gemacht und sich dann selbstständig gemacht. Seit 2011 führt er seinen eigenen Betrieb, hat einen Angestellten und einen Azubi. 

30 Jahre Berufserfahrung: vom Lehrling über den Meister zur Selbstständigkeit

Reinigung eines Abgasrohres mit dem Kaminbesen.

Auf die Idee, Schornsteinfeger zu werden, kam er durch Zufall. Schreiner oder Koch waren die zwei Berufe, die ihn ursprünglich interessiert hatten. Doch als er sich damals dazu informieren wollte, stieß er auf den Beruf des Schornsteinfegers. „Ich habe dann ein Praktikum gemacht und der Berufswunsch hat sich gefestigt.“ 

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Jetzt zieht Veit Nordhaus mit seinem Rucksack samt Werkzeug durch die westliche Innenstadt Dortmunds. Sein Kehrbezirk umfasst überwiegend Mehrfamilienhäuser. Rund 850. „Dabei komme ich natürlich mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Man baut eine gewisse Bindung zu den Kunden auf“, erklärt er. Wenn er in der Wohnung ist, schaut er sich als erstes nach Rauchmeldern um. 

„Die müssen in jedem Schlaf- und Kinderzimmer, sowie auf den Fluchtwegen, zum Beispiel dem Flur, installiert sein.“ Danach sieht er sich die Therme an. Sein magnetisches Messgerät heftet er daran, öffnet eine Art Ventil im Abgasrohr, steckt einen Messstab hinein und dann kann er die Werte ablesen. Überprüft werden unter anderem die Luftdichte, der Kohlenmonoxid- und Sauerstoffgehalt. „Mithilfe meiner speziellen Endoskop-Kamera werfe ich noch einen Blick in die Therme. Damit kann ich sehen, ob etwas kaputt ist.“

Kontrolle, Wartung, Reinigung – die vielschichtige Arbeit wird durch den Kundenkontakt bereichert

Am Ende kommt der klassische Kaminbesen zum Einsatz und das Abgasrohr wird gereinigt. So geht Nordhaus Wohnung für Wohnung vor. Zuletzt geht es für ihn auf den Dachboden der Häuser. „Hier oben stelle ich sicher, dass die Klappen zum Kamin ordnungsgemäß angebracht sind und sich schließen lassen. Und natürlich mache ich auch hier sauber.“ 

Nordhaus‘ Kehrbezirk in der westlichen Innenstadt.

Während seiner Arbeit stößt der 48-Jährige immer wieder auf Kuriositäten. „Manche Hausbewohner verstecken Alkohol oder Zigaretten im Kamin. Ich habe auch schon eine verirrte Eule entdeckt oder andere Vogelarten, die von Greifvögeln in den Kamin geworfen wurden.“ In den Wohnungen sollte man ebenfalls auf alles vorbereitet sein.

„Es kam schon vor, dass ich in eine Messie-Wohnung musste.“ Bei seinen Kunden ist der Schornsteinfeger sehr geschätzt. „Viele erzählen mir aus ihrem Privatleben, sei es über Krankheiten oder ihre Sammel- Leidenschaft für Quietsche-Enten.“ Dadurch, dass er viel mit Menschen zu tun habe, werde der Beruf nie langweilig. 

Wer sich für das Schornsteinfegerhandwerk interessiert, müsse auf jeden Fall schwindelfrei sein. „Auch vor Dreck darf man keine Angst haben. Mitunter kann es ziemlich staubig werden“, so der Handwerker. Zum Benimm-Knigge eines Schornsteinfegers gehört es, den gemachten Dreck wieder aufzufegen. So habe Nordhaus es schon während seiner Ausbildung gelernt. „Abends weiß man auf jeden Fall, was man den Tag über gemacht hat.“ 

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