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Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 22. Juni – 80 Jahre nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Das Mahnmal für die Kriegsgefangenen im Stalag IV D steht vor den Westfalenhallen. Fotos: Alex Völkel

Das Mahnmal für die Kriegsgefangenen im Stalag IV D steht vor den Westfalenhallen. Foto: Alex Völkel

Vor 80 Jahren – am 22. Juni 1941 –  überfiel die deutsche Wehrmacht heimtückisch die Sowjetunion. So folgte nach dem Überfall auf Polen 1939 der erweiterte Angriffs- und Vernichtungskrieg Deutschlands – nun gegen die Sowjetunion. 27 Millionen sowjetische Bürger*innen, davon 14 Millionen Zivilisten*innen, verloren in diesem Krieg ihr Leben. Daran erinnern am Dienstag, 22. Juni 2021, Vereine und Verbände am Mahnmal vor der Westfalenhalle.

Zu den Opfern des Vernichtungskrieges gehören auch Kriegsgefangene und verschleppte Zivilarbeiter*innen

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Der als Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg geplante Feldzug führte zu einer beispiellosen Brutalität in der Kriegsführung und der Besatzungspolitik. Foto: bpk / Voller Ernst – Fotoagentur / Jewgeni Chaldej / Bild 50109148

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Foto: bpk / Voller Ernst – Fotoagentur / Jewgeni Chaldej / Bild 50109148

Von den 5,7 Millionen sowjetischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, starben 3,3 Millionen. Diese Menschen starben an fehlender Versorgung, Hunger, Krankheiten und rassistischer Verfolgung. Sie wurden zu hunderttausenden zur Zwangsarbeit verschleppt.

Das Sterben dieser Menschen wurde bewusst in Kauf genommen. Es war Teil des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion, der mit der rassistischen Ideologie der Nazis begründet wurde. Zu den Opfern dieses Vernichtungskrieges gehören auch die Kriegsgefangenen und nach Deutschland verschleppten Zivilarbeiter*innen, die in Dortmund durch Zwangsarbeit gelitten haben und ums Leben gebracht wurden.

An sie, an ihr Leiden und Tod, wollen die Organisatoren am Dienstag erinnern. In Dortmund ist der Gedenkstein an der Westfalenhalle, der an das Stalag VI D und an das Leiden und Sterben der Kriegsgefangenen in diesem Lager erinnert. es ist ein Gedenkort ebenso wie der Internationale Friedhof am Rennweg oder das neue Mahnmal am Phoenixsee.

Die Mahn- und Gedenkveranstaltung findet am Dienstag, 22. Juni 2021, um 17 Uhr am Gedenkstein am Zugang zum Messezentrum an der Westfalenhalle – Eingang Nord (an der Fußgängerbrücke) – statt. Dort wollen der Förderverein Gedenkstätte Steinwache – Internationales Rombergpark-Komitee e.V., die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes  (VVN/BdA), das Dortmunder Friedensforum und der Historische Verein Ar.kod.M e.V (Altrussische Kriegsopferdaten-Memorial e.V.) erinnern.

Dringender Appell: „Wir brauchen Lernorte für Völkerverständigung und Humanität!“

Das Mahnmal für die Kriegsgefangenen im Stalag IV D steht vor den Westfalenhallen. Fotos: Alex Völkel

Das Mahnmal für die Kriegsgefangenen im Stalag IV D steht vor den Westfalenhallen. Foto: Alex Völkel

Sie begrüßen die Initiativen, „den Toten einen Namen geben“ von Bürger*innen Dortmunds genauso wie das Projekt der Stadt Dortmund auf dem Internationalen Friedhof 58 Stelen mit den bisher bekannten Namen der sowjetischen Kriegsopfer zu errichten. „Damit entstehen neue Chancen, sich mit den Verbrechen an den sowjetischen Kriegsgefangenen und den Verbrechen in der NS-Zeit, wie auch den Versäumnissen und der Ignoranz der Nachkriegszeit auseinander zu setzen“, heißt es in der Einladung zur Gedenkveranstaltung.

„Wir brauchen Lernorte für Völkerverständigung und Humanität! Wir fragen: Warum wurde ein friedliches und partnerschaftliches Verhältnis mit allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion für Deutschland keine Staatsdoktrin, wie sie es auch für Israel ist“, fragen sie in Richtung Bundespolitik.

Bedauerlicherweise sei das Gegenteil der Fall: Deutsche Soldaten stünden im Rahmen der NATO an der russischen Westgrenze und der Rüstungsetat Deutschlands wurde erneut erhöht sowie die Waffenexporte ausgeweitet, kritisieren die Organisatoren. „Sowohl die Bundesregierung als auch die EU beschließen immer neue Sanktionen gegen Russland. Aber wir wissen: Ohne Russland gibt es keinen dauerhaften Frieden in Europa! Von deutschem Boden muss Frieden ausgehen und nicht Krieg“, betonen die Friedensaktivist*innen anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls auf die Sowjetunion.

 

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4 Gedanken über “Mahn- und Gedenkveranstaltung zum 22. Juni – 80 Jahre nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

  1. Zum 80. Jahrestag des Überfalls der faschistischen deutschen Armee auf die UdSSR: DKP Dortmund sendet internationalistische Grüße an unsere Partnerstadt Rostow am Don (PM) Beitrags Autor

    Zum 80. Jahrestag des Überfalls der faschistischen deutschen Armee auf die UdSSR:
    DKP Dortmund sendet internationalistische Grüße an unsere Partnerstadt Rostow am Don

    Bekanntlich ist die russische Stadt Rostow am Don mit Dortmund durch eine Städtepartnerschaft verbunden. Als Kommunisten möchten wir dazu beitragen, dass diese Partnerschaft im Sinne einer Friedenspolitik und der Freundschaft mit Russland gestaltet wird. Den 80. Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die UdSSR am 19. Juni 1941 nahmen wir deshalb zum Anlass für einen internationalistischen Gruß nach Rostow am Don, den wir an die Genossinnen und Genossen unserer Bruderpartei richteten, der Kommunistische Partei der Russischen Föderation . Im Folgenden der Wortlaut unseres Briefes:

    Liebe Genossinnen und Genossen,
    wir senden euch unsere herzlichen schwesterlichen und brüderlichen Grüße aus Dortmund, der Partnerstadt Rostows in Deutschland.

    Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel die Armee des faschistischen Deutschlands die Sowjetunion. Ziel des deutschen Imperialismus waren die Zerschlagung des Sozialismus und der Aufstieg zur Weltmacht unter anderem durch den Raub der Ressourcen der Sowjetunion. Am Ende des Zweiten Weltkriegs standen 55 Millionen Tote, Hunger, Not und Elend. Es waren vor allem die Völker der Sowjetunion und die Rote Armee, die über den deutschen Faschismus siegten und dafür die Hauptlast des Krieges trugen. 27 Millionen Tote auf dem Gebiet der UdSSR waren der Preis.

    Der 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion ist Anlass des Erinnerns und Gedenkens, aber auch Anlass, Danke zu sagen: Dank euch Sowjetsoldaten, für die Befreiung von Faschismus und Krieg!

    Sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten wurden ins Ruhrgebiet und auch nach Dortmund verschleppt und mussten auf Zechen, in Stahlwerken und Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit leisten. Viele von ihnen wurden ums Leben gebracht. In den meisten deutschen Städten befinden sich auf den Friedhöfen ihre Gräber. Wir werden sie nicht vergessen und erinnern an sie gemeinsam mit anderen Antifaschisten am 22. Juni bei einer Kundgebung an einem zu ihren Ehren errichteten Denkmal:

    Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Mit kommunistischen Grüßen!

    Für die DKP Dortmund Doris Borowski

  2. IBB Dortmund erinnert mit einem Zeitzeugen-Video an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren und die Folgen in Belarus (PM)

    IBB Dortmund erinnert mit einem Zeitzeugen-Video an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren und die Folgen in Belarus

    Morgen, am 22. Juni 2021, jährt sich der deutsche Überfall auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Belarus lag im Epizentrum des Krieges. „In Deutschland ist vielen Menschen immer noch nicht bewusst, wie unendlich viel Leid Krieg und Besatzung gerade in Belarus verursacht haben“, sagt IBB-Vorsitzender Rainer Schlief.

    Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH in Dortmund veröffentlicht deshalb zum Jahrestag zwei Zeitzeugeninterviews von Überlebenden von Krieg und Holocaust in russischer Sprache und deutscher Übersetzung.

    Das Video finden Sie auf dem Youtube -Kanal des IBB Dortmund: http://www.youtube.com

    Sie erinnern sich bis heute noch sehr gut an die Ereignisse jener Tage in ihrer Kindheit. Als die Deutschen ihr Heimatdorf überfielen, war Alexandra Borissowa gerade erst fünf Jahre alt. Als Jakob Krawtschinski mit seiner Mutter ins Minsker Ghetto gesperrt wurde, war er erst acht. Ihre Erinnerungen stehen im Mittelpunkt eines Videos, das das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH in Dortmund zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion veröffentlicht.

    Die beiden Überlebenden von Krieg und Holocaust berichten, wie sie als Kinder in Belarus von einer Minute zur anderen Opfer des Krieges wurden: Alexandra Borissowa erinnert sich noch deutlich, wie die Bewaffneten das Dorf im Gebiet Witebsk einnahmen, die Häuser in Brand steckten und nach und nach Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn ermordeten. Sie selbst wurde nach Auschwitz und Majdanek verschleppt, wo Menschen in weißen Kitteln ihr Spritzen verabreichten.

    Jakob Krawtschinski beobachtete mit Kinderaugen, wie Juden in Kolonnen durch Minsk getrieben wurden zu den verschiedenen Vernichtungsorten, über die im Ghetto hinter vorgehaltener Hand erzählt wurde. Er sah, wie die Besatzer Granaten in die Keller leerstehender Häuser warfen, „weil sich dort ja noch jemand aufhalten könnte“. Sein kleiner Bruder, im Ghetto geboren, starb während eines der grausamen Pogrome im Ghetto. Er wurde nur ein Jahr alt.

    Ihre Berichte stehen stellvertretend für die belarussische Erinnerung an den grausamen Vernichtungskrieg, der mit dem  Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann. Belarus lag im Epizentrum des von der NS-Führung so genannten Unternehmens Barbarossa. Nach drei Jahren Krieg und Besatzung war das Land nahezu vollständig zerstört. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hatte Belarus die höchsten Verluste unter den Unionsrepubliken zu beklagen. Jede Familie trauerte um Angehörige.

    Die Erinnerungen an den grauenvollen Krieg, an die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung und an zahllose Kriegsverbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung und den Kriegsgefangenen sind in der belarussischen Gesellschaft bis heute gegenwärtig. Die multiperspektivische Sicht auf die Vergangenheit und der internationale Austausch über die Lehren aus der Geschichte sind dem IBB seit seiner Gründung ein zentrales Anliegen.

    Der 50. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion war nicht von ungefähr zum symbolträchtigen Datum für die Grundsteinlegung für die Internationale Bildungs- und Begegnungstätte in Minsk gewählt worden. Über 400 Menschen fuhren damals aus Deutschland mit einem Sonderzug nach Minsk, wie sich der Mitbegründer des IBB e.V. und langjährige Geschäftsführer der IBB gGmbH Peter Junge-Wentrup erinnert.

    Am 22. Juni 1991, kurz nach der Öffnung des so genannten Eisernen Vorhangs, begann die Arbeit am ersten deutsch-belarussischen Gemeinschaftsunternehmen, das sich am Vorbild der Evangelischen Akademien in Deutschland orientierte und eine neue Phase der Versöhnung und Verständigung markieren sollte. Getragen wird sie vom IBB Dortmund und belarussischen Partnern gemeinsam. „Die IBB „Johannes Rau“ in Minsk ist heute ein Ort der Versöhnung, an dem die schrecklichen Wunden der jüngsten Vergangenheit heilen können“, hatte Matthias Tümpel, früherer Vorsitzender des IBB e.V., aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der IBB Minsk gesagt.

    In deutsch-belarussischer Kooperation konzipieren die IBB „Johannes Rau“ und das IBB Dortmund heute gemeinsam internationale Projekte zu einer europäischen Erinnerungskultur. Die digitale Plattform http://www.about-history.info erleichtert den Zugang zu Geschichtsinitiativen und innovativen historischen Projekten mit Osteuropa-Bezug.

    Das digitale Zeitzeugenarchiv der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk (http://zeitzeugenarchiv.gwminsk.com/de/) macht Lebensgeschichten von unterschiedlichen Opfergruppen auf Deutsch und Russisch zugänglich. Hierzu zählen belarussische Ghetto- und KZ-Häftlinge, Partisanen, Kriegsgefangene und Zwangsarbeitende, aber auch aus Deutschland, Österreich und Tschechien nach Minsk und Malyj Trostenez deportierte Juden. Zahlreiche Einzelschicksale sind zudem in den didaktischen Handreichungen der Geschichtswerkstatt für die pädagogische Arbeit aufgearbeitet.

    Konferenzen und Seminare bringen Geschichtsinteressierte, Historikerinnen und Historiker aus der Ukraine, Polen, Russland, Belarus und Deutschland zusammen. Denn: „Die Sicht der anderen auf die Geschichte zu kennen, wird zunehmend wichtig in Zeiten, da die Spannungen zwischen Ost und West wieder zunehmen und Geschichte für unterschiedliche Zwecke instrumentalisiert wird“, umreißt Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH den aktuellen Ansatz der IBB-Arbeit.

    Ursprünglich war zum 80. Jahrestag eine internationale, digitale Diskussionsveranstaltung geplant, die kurzfristig abgesagt werden musste. Weiter in Planung ist jedoch die Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Errichtung des Minsker Ghettos am 20. Juli. Zudem laufen die Vorarbeiten für die neue Dauerausstellung der Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ Minsk, in deren Kontext auch das Video mit den beiden Zeitzeugen entstanden ist.

    Das Schicksal eines weiteren Zeitzeugen der Geschichtswerkstatt, des inzwischen verstorbenen ehemaligen Kriegsgefangenen Boris Popow, stand im Mittelpunkt der Rede, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag im Museum Karlshorst hielt. Gemeinsam mit Alexandra Borissowa, Jakob Krawtschinski und vier weiteren Zeitzeugen war Popow im März 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Steinmeier war 2018 auch als erster Bundespräsident nach Belarus gereist, um an der Eröffnung der Gedenkanlage im Wald von Blagowschtschina am ehemaligen Vernichtungsort Malyj Trostenez teilzunehmen, für deren Errichtung sich das IBB Dortmund mit Partnern aus Belarus und Deutschland jahrelang engagiert hatte.

    Die Mitarbeitenden der IBB „Johannes Rau“ in Minsk und der Repräsentanz des IBB Dortmund in Minsk werden daher am 22. Juni auch den heutigen Erinnerungsort Trostenez besuchen und außerdem Blumen am Denkmal für die bei der Einnahme von Minsk durch die Wehrmacht gefallenen Rotarmisten, das in der Nähe des Bildungszentrums liegt, Blumen niederlegen.

    Auch wenn die Erinnerung an die Ereignisse vor 80 Jahren so schmerzvoll ist, wie das zum Jahrestag veröffentlichte Video vor Augen führt: Das Ziel bleibt ein Lernen aus der Geschichte für eine gemeinsame Zukunft in Europa.

  3. DIE LINKE Dortmund zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion (PM)

    DIE LINKE Dortmund zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

    Dieser Tage, am 22. Juni vor 80 Jahren, überfiel Hitlerdeutschland die Sowjetunion. Der Eroberungs- und Vernichtungskrieg kostete nach zurückhaltenden Schätzungen 27 Millionen Sowjetbürger das Leben. Der kleinere Teil davon waren Soldaten, die meisten Zivilist*innen: Ermordet, in Zwangsarbeit zu Tode geschunden, durch Kälte, Hunger zu Tode gebracht. Denn die faschistischen Eroberer mordeten, bemächtigten sich der Vorräte an Vieh und Nahrungsvorräten, warmer Kleidung, Brennmaterial, zündeten Dörfer an. Sie belagerten 300 Tage lang Leningrad in der Absicht, die Einwohner*innen verhungern zu lassen, was für eine Million unter ihnen auch so geschah.

    Kriege, so barbarisch sie per se sein mögen, kennen durchaus Grenzen des Erlaubten, das sogenannte Kriegsrecht. – Es verpflichtet, die Zivilbevölkerung zu schonen. Der faschistische Vernichtungsfeldzug gegen den sogenannten „slawischen Untermenschen“ hatte nicht vor, sich an Kriegsrecht zu halten.

    Die Gräuel des Krieges im Osten sind, anders als der Holocaust, nicht Teil einer deutschen Erinnerungskultur. Im Bewusstsein seiner Verbrechen fühlt sich Deutschland zu Recht dem Staat Israel verantwortlich. Von einer entsprechenden Verantwortung gegenüber Russland ist dagegen nicht die Rede. Russland wird fast täglich als potenzieller Aggressor dargestellt, obwohl es für diese Behauptung keinen Anlass gibt und es westlichen militärischen Bündnissen in absurdem Maße unterlegen ist. In diesen, russische Menschen kränkenden Zuschreibungen wird nie thematisiert, wer bisher Täter, wer Opfer war: Deutschland war Täter, Russ*innen waren Opfer. Die Erinnerungen daran sind in jeder russischen Familie präsent.

    Der Bundespräsident hat aus Anlass des Jahrestages eine Rede von erfreulicher Deutlichkeit gehalten. Möge sie dazu beitragen, dass die Dinge anders werden zwischen unseren Ländern. Möge es ein Ende haben mit der Dämonisierung Russlands, dem wir geschichtlich und kulturell eng verbunden sind. Eine europäische Friedensordnung unter Einschluss Russlands wäre ein Ziel, das die Bevölkerungen aller beteiligten Länder aufatmen lassen könnte: Durch Bannung der Kriegsgefahr und durch die Möglichkeit, in Kriegsvorbereitungen investierte Ressourcen frei zu machen für die Probleme, die wir wirklich haben: Eine bewohnbare, lebenswerte, gerechtere Welt in und auch jenseits von Europa.

  4. Mahnwache des Dortmunder Friedensforums am 30. Juni in der Dortmunder Innenstadt (PM) Beitrags Autor

    Mahnwache des Dortmunder Friedensforums am 30. Juni in der Dortmunder Innenstadt

    Das Dortmunder Friedensforum plant für Mittwoch, den 30. Juni, von 16 – 17 Uhr an der Ecke Kampstr/ Katharinenstr. eine Mahnwache. Thema ist der Überfall Nazi Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941, also vor 80 Jahren. 27 Millionen Menschen wuren Opfer dieses auf Vernichtung angelegten Kriegs. Unanständig, geschichtsvergessen und gefährlich ist es, Russland heute zum Feindbild zu erklären. Ohne Russland gibt es keinen dauerhaften Frieden. Von deutschem Boden muß Frieden ausgehen.Das wollen wir mit Redebeiträgen, Textschildern aber auch Musik vermitteln. Kontakt und Informatioen über http://www.dortmunder-friedensforum.de

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