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Kreativität gegen Lehrer*innenmangel: BIZ Dortmund wird aktiv beim Quereinstieg in den Lehrberuf

Es fehlt an Fachkräften – das Dortmund BIZ hat reagiert. Angesprochen sind insbesondere Menschen mit Studienabschlüssen und Studierende des MINT-Bereichs (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).

Der Lehrer*innenmangel in Deutschland nimmt weiter zu. Schulleitungen klagen über unbesetzte Stellen und unzureichend Bewerber*innen. Besonders gravierend ist der Mangel in der Sekundarstufe I, konkret in den Haupt-, Real- und Gesamtschulen – hier fehlen Nachwuchskräfte. Auch in den Berufskollegs könnte sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärfen. Das zeigt eine Prognose zum Lehrkräftearbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2018. Grund dafür ist das hohe Durchschnittsalter der Lehrkräfte an Berufskollegs. „Nur knapp jede sechste Lehrkraft ist höchstens 35 Jahre alt“, heißt es in dem Bericht. Große Teile der Belegschaft werden in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen.

Botschaft ist angekommen – BIZ Dortmund veranstaltet Info-Veranstaltungen zum Quereinstieg

Den Lehrermangel bestätigt auch Birgit Lohmann vom Berufsinformationszentrum (BIZ) in Dortmund. Sie veranstaltet regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Quereinstieg für Lehrer*innen. Die erste Veranstaltung fand bereits Anfang 2020 statt.

Neben dem Berufsinformationszentrum soll ein Zentrum für Qualifizierung aufgebaut werden.

Das Berufsinformationszentrum öffnet über Zoom

Damit reagiert das BIZ auf den hohen Einstellungsbedarf. Die Zahlen zeigen: Das Interesse am Quereinstieg ist da. Bereits 36 Quereinsteiger*innen haben 2020 den Weg an Dortmunder Schulen gefunden, gab die Bezirksverwaltung Arnsberg an.

Die Seiteneinsteiger*innen werden dringend benötigt, denn aktuell gibt es in Dortmund insgesamt 83 offene Stellen an Schulen. Besonders betroffen davon sind die Grundschulen (23 offene Stellen), Gesamtschulen (18 offene Stellen) und Realschulen (13 offene Stellen).

Nicht nur in Dortmund ist der Einstellungsbedarf hoch. Bei einer Forsa-Umfrage zum Thema Berufsunzufriedenheit von Schulleitungen aus dem Jahr 2020 gaben über die Hälfte (56 Prozent) an, konkret von dem Lehrer*innenmangel betroffen zu sein.

Land NRW versucht, Lösungen zu schaffen und ermöglicht auch Quereinsteiger*innen Weg in Lehrberuf

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat das Land Nordrhein-Westfalen den Schuldienst auch für Quereinsteiger*innen geöffnet. Damit ergibt sich für viele nun die Möglichkeit, auch ohne Lehramtsstudium Wissen und Verständnis an die nächste Generation zu vermitteln.

Wer über einen Quereinstieg in den Lehrberuf nachdenkt, sollte einige wichtige Dinge beachten. Ein abgeschlossenes Bachelorstudium (mindestens sieben Semester Regelstudienzeit), zwei Jahre Berufserfahrung und eine positive Prognose für die Ausbildungsfähigkeit in zwei Fächern sind die geforderten Voraussetzungen.

Übersichtsgrafik: Wege zum Quereinstieg in den Lehrberuf

Wer diese erfüllt, kann sich über das „OBAS Verfahren“ (Ordnung zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteiger*innen und Staatsprüfung) als Lehrer*in umschulen lassen. Nach einem zweijährigen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst und Bestehen der Staatsexamensprüfung erhält man seine Lehramtsbefähigung. Mit diesem Status ist man Lehramtsabsolvent*innen gleichgestellt und hat die Möglichkeit auf eine Verbeamtung. Aktuell machen in Dortmund 35 Personen von der OBAS-Ausbildung Gebrauch.

Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, für den besteht die Möglichkeit des Seiteneinstiegs über eine einjährige pädagogische Einführung. Am Ende erhält man eine Unterrichtserlaubnis, ist Lehramtsabsolvent*in und Lehramtsbefähigten damit aber nicht gleichgestellt. Die Unterrichtsbefähigung bezieht sich nur auf das konkrete Fach an der jeweiligen Schule.

„Die pädagogische Einführung ist so etwas wie Lehrer-Light“, beschreibt es Wolfgang Hoerning vom Landesprüfungsamt NRW. Die Einführung ist eine Einstiegsmöglichkeit für Fachhochschulabsolvent*innen mit einem Masterabschluss oder Universitätsstudierende mit weniger als sieben Semestern Regelstudienzeit. In Dortmund werden derzeit 13 Personen über diesen Weg auf den Lehrberuf vorbereitet.

Detaillierte Informationen zu den Einstiegsregularien sind auf der Website www.lehrer-werden.nrw nachzulesen oder in unserer eingefügten Übersichtsgrafik.

Augen auf bei der Fächerwahl – wo die Chancen für Quereinsteiger*innen am höchsten sind

Hohe Chancen auf einen Quereinstieg bestehen vor allem in den Mangelfächern an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (Sekundarstufe I). Dazu zählen die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch, aber auch Sport, Kunst und Musik sind von Nachwuchsproblemen betroffen. An Gymnasien und weiterführenden Schulen hält sich der Mangel in Grenzen, ein Quereinstieg sei hier fast unmöglich, sagt Wolfgang Hoerning. Einzige Ausnahme sei das Fach Technik, da dieses als Leistungskurs in der Oberstufe angeboten werde und der Wochenstundensatz damit höher ausfalle.

Bedarfsfächer Übersicht Sekundarstufe 2. Foto: Ministerium für Schule und Bildung NRW

Berufskollegs könnten in Zukunft besonders stark auf Quereinsteiger*innen angewiesen sein. Wolfgang Hoering schätzt die Chancen vor allem im technisch-gewerblichen Bereich und in der Sozialpädagogik besonders hoch ein. Der kaufmännische Zweig hingegen sei relativ gut mit Bewerber*innen aus dem Lehramt gedeckt.

Wer sich für einen Seiteneinstieg am Berufskollege entscheidet, profitiert besonders. Das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt die Finanzierung des berufsbegleitenden, dualen Masterstudiengangs. Wer im Bewerbungsprozess überzeugt, der kann sich auf volle Bezahlung, 13 Unterrichtsstunden an der Schule (pro Woche) und zwei Tage Universitätsbesuch freuen.

Genaue Informationen zum Quereinstieg erhält man über das Berufsinformationszentrum (BIZ) Dortmund oder dem Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ü40 ist beim Seiteneinstieg kein Ausschlusskriterium

Dass man auch mit über 40 Jahren den Seiteneinstieg in den Lehrberuf schaffen kann, macht Wolfgang Hoerning klar deutlich. Er möchte gerade auch die ältere Generation ermutigen: „Wer mit 45 Jahren den Quereinstieg beginnt, hat immer noch 17 Jahre zum Unterrichten vor sich“. Genug Zeit, um sein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.

Dadurch bieten sich neue Perspektiven für Menschen, die in ihrem Beruf keine Zukunftsperspektive mehr sehen oder einfach noch mal etwas Neues ausprobieren wollen. Dass der Seiteneinstieg gut angenommen wird, belegen die Zahlen vom Kultusministerium der Länder zur Einstellung von Lehrkräften 2019. Schon rund 9,7 Prozent aller eingestellten Bewerber*innen kamen über den Seiteneinstieg zum Lehrberuf.

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