
Dass die Dortmunder Nordstadt ein Bezirk mit viel Geschichte und Kultur ist, erfuhren am vergangenen Donnerstag die knapp 50 Gäste der Kreuz-und-quer-Bustour aus Hörde, die sich für diese Rundfahrt angemeldet hatte. Die Ausflüge, die die Stadt zum zweiten Mal anbot, führt Senior*innen aus einem Stadtbezirk in einen anderen und endet stets mit einem Imbiss in einer Begegnungsstätte.
Stahlbungalow ließ die die Besucher*innen staunen
Für die Teilnehmenden ist die Tour kostenlos. Das Besichtigungsprogramm in der Nordstadt hatten Birgit Worm-Nigmann, ehemalige Pfarrerin der Lydiagemeinde, und die Seniorenbeirätin Susanne Schulte ehrenamtlich geplant, organisiert und begleitet.

Das Hoeschmuseum, der Nordmarkt, der Mehmet-Kubasik-Platz und das Depot waren die Stationen der Nordstadtführung. Im Hoeschmuseum begrüßte die Leiterin Isolde Parussel die Gruppe.
Die Gäste machten sich anschließend neugierig auf zur Besichtigung des Stahlbungalows, der gleich hinter dem Museum steht. „Ich war schon häufiger hier im Museum“, sagte eine Frau. „Aber den Bungalow habe ich noch nie gesehen. Das ist wirklich interessant.“
Erinnerung an blutige Straßenkämpfe in den 1930er Jahren
Beim nächsten Stopp am Nordmarkt berichtete Birgit Worms-Nigmann über die Geschichte des Platzes, der seit mehr als 100 Jahre ein Treffpunkt für die Bevölkerung ist, wo gespielt und diskutiert, flaniert und musiziert wird.

Ein Mahnmal erinnert an die von den Nationalsozialisten verursachten blutigen Straßenkämpfe in der Nordstadt im Oktober 1932. Die Nordstadt war aufgrund ihres großen Anteils von KPD-Wähler*innen für die Nazis uneinnehmbar.
Als nationalsozialistische Trupps während des Wahlkampfs am 16. Oktober 1932 mit etwa 800 Leuten einen Propagandamarsch in die Nordstadt unternahmen, trafen sie in der Umgebung des Nordmarkts auf Widerstand. Es kam zum Schusswechsel zwischen Nazis, der Bevölkerung und der Polizei. Zwei unbeteiligte Anwohner starben, zahlreiche Personen wurden schwer verletzt.
Mahnmal für den von Nazis ermordeten Mehmet Kubasik
Vom Nordmarkt ging es dann zu Fuß 200 Meter weiter zum Mehmet-Kubasik-Platz. Auch dort erinnert ein Mahnmal an einen vor 20 Jahren von Nazis ermordeten Mann.

Mehmet Kubasik betrieb unweit des Platzes an der Mallinckrodtstraße 190 einen Kiosk und wurde am 4. April 2006 von den Mitgliedern des so genannten NSU, des Nationalsozialistischen Untergrunds, ermordet.
Bis die Ermittlungen aber zu dieser Erkenntnis führten, waren die Familie und der Ermordete selbst schweren Verdächtigungen ausgesetzt. Seit Jahren treffen sich stets mehrere hundert Menschen immer am Todestag von Kubasik vor dem ehemaligen Kiosk und ziehen von dort weiter zur Auslandsgesellschaft, wo eine Stele mit den Namen aller durch den NSU ermordeten Opfer steht.
Kulturort Depot mit Theater und Kino, Ausstellungen und Ateliers
Im Depot, der letzten Station vor der Einkehr in der AWO-Begegnungsstätte, begrüßten Alex Völkel, Depot-Vorstand und Redaktionsleiter der Nordstadtblogger, sowie Laura Güldenpfennig und Carmen Körner, Mitarbeiterinnen dieses Kulturortes, die Gäste.

Sie führten die Besucher*innen ins Theater, ins Kino und durch einen Teil der Ausstellung World Press Foto. So sah die Gruppe schon vor der Eröffnung der Ausstellung bewegenden Bilder, die Fotojournalist*innen aus aller Welt für diesen seit mehr als 70 Jahren existierenden Wettbewerb einreichten.
Die ganzen Eindrücke konnten die Hörder*innen dann nach drei Stunden Besichtigungstour zusammen mit der Kürbissuppe in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt an der Schumannstraße verdauen, bevor der Busfahrer sie alle wieder an den Zustiegsorten in Hörde absetzte.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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