Im Gespräch mit Didi Stahlschmidt: Der Nordmarkt ist für ihn sein zweites Wohnzimmer

Nordstadtblogger-SERIE: „Der Sommer" in Dortmund (5)

Didi Stahlschmidt und Echt Nordstadt
Didi Stahlschmidt in seinem zweiten Wohnzimmer – auf dem Nordmarkt vor dem Logo von „Echt Nordstadt“. Helmut Sommer für Nordstadtblogger

Von Helmut Sommer

Begonnen habe ich die Serie über Dortmund im Sommer. Als Gelegenheit, in der ruhigen Zeit Dortmund aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wir führen die Serie fort, Dortmund durch die Menschen zu erzählen, die hier leben. Und durch die Orte, die ihnen für ihr Dortmund wichtig sind.

Heute treffe ich Didi Stahlschmidt auf dem Nordmarkt. Schon von weitem leuchtet sein roter Bart und mit seiner Kappe, seiner markanten Brille, den vielen Ringen an beiden Händen fällt er sofort auf. Auf dem Weg zu mir trifft er Bekannte, grüßt und wird gegrüßt.

Buntes Treiben auf dem Wochenmarkt

Es ist Wochenmarkt, es herrscht reges Treiben rund um den Nordmarkt. Die Stände sind außen auf den Wegen aufgebaut und sie sind gut besucht. Der Grüne Salon ist noch wegen Bauarbeiten geschlossen.

Bild zeigt:Didi Stahlschmidt im Treiben des Nordmarktes
Didi Stahlschmidt im Treiben des Nordmarktes Helmut Sommer für Nordstadtblogger

Ein hoher Bauzaun umschließt ihn und den dazugehörenden Biergarten. Einige Handwerker sind beschäftigt und kündigen eine baldige Wiedereröffnung an.

Wir setzen uns auf eine Bank in unmittelbarer Nähe des Kulturcafes und ich tauche ein in Didis Dortmund. Doch zuerst besucht uns Nico. Er begrüßt Didi freundlich, die beiden unterhalten sich einen Moment und dann geht es los. „Was ist Dortmund für dich?“ überfalle ich ihn gleich mit der ersten Frage.

„Dortmund ist bis heute meine Stadt – ich wollte nie weg“

„Ich komme aus Hörde, bin Urdortmunder. Gelandet bin ich im Ergebnis in der Nordstadt, ich wohne hier direkt in der Nähe“, erzählt Didi. Damit hat auch seine Diplomarbeit zu tun, aber nicht nur. Didi hat Raumplanung studiert, in seiner Diplomarbeit ging es um Migration und Stadtentwicklung am Beispiel der Nordstadt.

„Das war vor über 30 Jahren und in der Öffentlichkeit noch überhaupt kein Thema. Aber mich hat das gepackt. In der Südstadt habe ich mich oft wie in einer behüteten Blase gefühlt, vor der Umwelt geschützt. Ich mag das Leben hier. Du hast die ganze Welt in einem Stadtbezirk, den türkischen Supermarkt, den marokkanischen Fleischer, die Restaurants vieler Nationen.“

Vom Cafe Killefitt bis zum Grünen Salon

„Nach meinem Studium war ich lange selbständig, als Musikjournalist, Autor, Kultur- und Musikmanager.  In der Zeit ist der Biergarten hier und der Nordmarkt zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden.

Bild zeigt Didi Stahlschmidt, mit seinen Piercings und Ringen fällt er auf
Mit seinen Piercings und Ringen fällt er auf. Helmut Sommer für Nordstadtblogger

Viele berufliche Termine, Interviews und Beratungen haben hier stattgefunden. Angefangen im Cafe Killefitt, wie das Kulturcafe umgangssprachlich genannt wurde, bis zum Grünen Salon“, berichtet Didi.

Obwohl Markttag ist, ist es auf dem eigentlichen Nordmarkt ruhig. Einige wenige Menschen queren den Park, die meisten bewegen sich an den Ständen des Wochenmarktes außen entlang, kaufen ein oder betrachten die feilgebotenen Waren.

Didi Stahlschmidt: Wenn ich die Augen schließe, ist es wie im Urlaub
„Wenn ich die Augen schließe, ist es wie im Urlaub.“ Helmut Sommer für Nordstadtblogger

Etwas melancholisch ergänzt Didi: „Ich sitze gerne hier. Auch mit einem Buch unter den Bäumen oder im Biergarten. Wenn ich die Augen schließe, fühle ich mich wie im Urlaub“, so Stahlschmidt.

„Dann höre ich sieben oder acht unterschiedliche Sprachen. Ich höre Kinder spielen, mit ihren Fahrrädern fahren, das Lachen der Frauen. Ich bin mitten im Leben, im realen Leben, auch mit seinen prekären Facetten.“

„Ich wünsche mir für Dortmund mehr Zufriedenheit, mehr Zusammenleben“

Neben Raumplanung hat Didi Geografie und Geschichte auf Lehramt studiert. Ein wenig kommt das in seiner Antwort durch, als ich ihn frage, ob er sich etwas für Dortmund wünscht.

Bild zeigt Dietmar Stahlschmidt auf seinem Nordmarkt
Dietmar Stahlschmidt auf seinem Nordmarkt Helmut Sommer für Nordstadtblogger

„Ich wünsche mir für Dortmund mehr Zufriedenheit, mehr Zusammenleben. Das Dortmund, das wir heute als Großstadt kennen, ist durch Industrialisierung und  Zuwanderung entstanden. Das Ankommen von Menschen hat Dortmund schon lange geprägt.“

Ein Wunsch, der auch zu seiner früheren Tätigkeit als Quartiersmanager in der Nordstadt passt. Auch wenn der Nordmarkt sein Wohnzimmer ist, dienstlich war er für den Hafen zuständig. Dann führte ihn sein Weg weiter nordwärts – zunächst als städtischer Kämmerer für Eving und dann als Teamleiter für „Nordwärts“.

Unser Treffen beendet er mit einer kleinen Geschichte am Rande: „Ich war oft freitags abends hier. Allein. An einem anderen Tisch oder an der Theke saß immer freitags ein anderer Mann, auch allein. Irgendwann kamen wir ins Gespräch, saßen dann zusammen an einem Tisch.

Bild zeigt Didi und Freitagsklaus
Die Freitagsrunde soll weiterhin tagen. Helmut Sommer

Später kamen Alex (Völkel), Susanne (Schulte), der „Foto-Klaus“ (Hartmann) und weitere hinzu. Manchmal waren es bis zu 15 in der Freitags-Runde. Der Kumpel von damals hat daher noch heute den Spitznamen „Der Freitags-Klaus“. Unter seinem richtigen Namen Klaus Winter schreibt er die „Nordstadt-Geschichte(n)“ für die Nordstadtblogger.

Die Runde tag – in wechselnder Besetzung – noch heute. Bald hoffentlich auch wieder im Grünen Salon. Dann ist Didi Stahlschmidt auch freitags wieder zurück in seinem zweiten Wohnzimmer…


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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