Ute Mais: Vom Dortmunder Mädel zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin

Nordstadtblogger-SERIE: „Der Sommer“ in Dortmund (4)

Bild zeigt: Reinhold Hoffmann mit seiner Tochter, Bürgermeisterin Ute Mais
Reinhold Hoffmann mit seiner Tochter, Bürgermeisterin Ute Mais. H. Sommer für Nordstadtblogger

Eine Serie von Nordstadtblogger Helmut Sommer

In den Ferien ist es ruhiger in der Stadt, die Politik macht Pause, Sauregurkenzeit eben. Eine Gelegenheit, Dortmund aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wir wollen Menschen treffen, bekannte und weniger bekannte Menschen, und uns von ihnen ihr Dortmund zeigen lassen. Welche Orte bedeuten dir etwas? Was verbindest du mit der Stadt und mit den Menschen, die hier leben? Heute: Ute Mais.

Im Januar habe ich in einem Kommentar schon einmal geschrieben, wie klein die Community der Menschen in der Stadt ist, in der man sich als Journalist oder Fotojournalist bewegt. Ute Mais gehört dazu, zuletzt habe ich sie in der Kokerei Hansa bei einem Termin getroffen. Dort habe ich ihr von unserer Sommerserie erzählt, und sie hat sofort zugesagt, dabei mitzumachen. Vielleicht etwas überraschend führt sie mich nicht ins Rathaus, sondern in den Garten ihres Vaters.

Hier bin ich groß geworden, hier ist bis heute mein Kraftraum

Bild zeigt:
H. Sommer

Dort, Am Bertholdshof, treffen wir uns auf einen Kaffee. Ihr Vater Reinhold Hoffmann empfängt uns freundlich und fragt, ob wir einen Kaffee möchten. Doch den hat Ute schon mitgebracht, und wir gehen in den Garten. Die Sonne scheint, die Luft ist kühl und klar, eine Wohltat nach den doch sehr heißen Tagen.

Es ist immer leicht, mit Ute ins Gespräch zu kommen. Sie ist offen und interessiert und erzählt, dass ihre Funktion als Bürgermeisterin in ihrem Umfeld keine Rolle spielt. „Dort bin ich Ute, ich gehöre dazu, als Person und nicht als Funktion oder Amt.“

Einen Moment unterhalten wir uns über dies und das. Als ich sie dann frage, warum sie mir ausgerechnet diesen Ort zeigt, wird sie emotional.

Bild zeigt: Bürgermeisterin Ute Mais in ihrem Kraftort, dem Garten
Bürgermeisterin Ute Mais genießt die Brombeeren in ihrem Garten, Erinnerungen werden wach H. Sommer

„Dieser Ort berührt mich. Hier bin ich groß geworden, habe mit meiner Familie, mit Oma und Opa hier gelebt. Hier habe ich gelernt, dass es wichtig ist, Probleme zu lösen, aber auch gut miteinander umzugehen. Und so ist das hier bis heute mein Kraftraum, ein Stück heile Welt.“

Ihr Vater gesellt sich einen Moment zu uns. Er ist 94 Jahre alt und hört zu, als seine Tochter weitererzählt: „Natürlich gab und gibt es auch hier Veränderungen“, sagt Ute und zeigt in die Nachbarschaft. „Früher standen hier nur kleine Häuser. Heute stehen hier auch viele hohe Häuser. Wir haben lange überlegt, ob wir den Nachbarn direkt neben uns so hoch bauen lassen. Aber Wohnraum wird gebraucht, Veränderungen sind nötig, und klar, da haben wir zugestimmt.“

Eine Nachbarschaft, die funktioniert

„Bis heute ist es hier so, dass die Nachbarn aufeinander aufpassen. Früher hat meine Mama hier alles gemacht im Haushalt. Als sie gestorben ist, hat Papa alles gelernt, er kann heute gut kochen. Nur Spülen tut er nicht so gerne“, fügt sie schmunzelnd hinzu. „Der Nachbar gegenüber kocht schon mal zu viel, dann kommt er rüber, teilt und gibt was ab.“

Bild zeigt: Reinhold Hoffmann mit seiner Tochter, Bürgermeisterin Ute Mais, Papa hält alles hier zusammen
Reinhold Hoffmann mit seiner Tochter, Bürgermeisterin Ute Mais, Papa hält alles hier zusammen H. Sommer

Wir lassen das einen Moment so stehen. „Du hast dich als Dortmunder Mädel bezeichnet, was ist Dortmund für dich?“, frage ich sie. Ute überlegt einen Moment.

„Ich bin in Brakel geboren, hier aufgewachsen und 1986 der Liebe wegen nach Sölde gezogen. Dortmund ist ein Dorf, auch wenn es groß ist. Man kennt sich, man trifft sich immer wieder in der Blase, in der man sich bewegt. Ich bin Übungsleiterin, das kommt dazu, Sport ist wichtig, es gibt so viele Vereine in dieser Stadt. Dort lernt man, Verantwortung zu übernehmen.“

Ab in den Sessel oder Arsch in der Hose

„Heute bist du Bürgermeisterin, was hat dich in die Politik gebracht?“, frage ich sie. Ute erzählt, dass sie völlig unpolitisch war. Ihr Engagement galt der Gemeinde, dem Sport, der Nachbarschaft. Ihr Mann ist in die CDU gegangen, irgendwann ist sie mitgegangen.

Bild zeigt: Bürgermeisterin Ute Mais in ihrem Kraftort, dem Garten
Bürgermeisterin Ute Mais in ihrem Kraftort, dem Garten H. Sommer

Dann verstarb ein Bekannter, der Ratsmitglied war, und es kam die Frage auf, wer denn jetzt in den Rat geht. „Alle sahen mich an, ich war etwas überrascht. Aber letztlich habe ich mich gefragt, will ich nur reden und mich dann in den Sessel setzen, oder habe ich den Arsch in der Hose, das zu tun.“

„Ich glaube, dass ich den Ruf habe, mich zu kümmern. Seit 2021 bin ich auch Bürgermeisterin, da bin ich schon stolz drauf. Und darauf, in meinem Wahlbezirk fünf Mal das Direktmandat geholt zu haben.“

Ute erzählt, wie schön es für sie ist, in der Kommunalpolitik hinter die Kulissen gucken zu können. Und wie sehr ihr dabei bewusst wird, wie viele engagierte Menschen es in dieser Stadt gibt.

„Vieles ist großartig hier“

Dieses Engagement fürs Ehrenamt feiert sie. Bei vielen Terminen habe ich erlebt, wie sie das schätzt und diese Menschen achtet. „Was wären wir ohne euch?“, ruft sie laut bei der Grundsteinlegung zur Weihnachtsstadt.

Bild zeigt: Das Fotoalbum zeigt die Erinnerungen an die Kindheit in diesem Garten
Das Fotoalbum zeigt die Erinnerungen an die Kindheit in diesem Garten H. Sommer

Und zum Thema Dortmunder Mädel ergänzt sie mit der Klarheit des Ruhrgebietes: „Vieles ist großartig hier. Und wer mault, dass hier und da Müll herumliegt, kann sich bücken und ihn aufheben.“

Ich frage sie noch, was Dortmund verlieren würde, wenn es diese Menschen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement nicht geben würde. Sie überlegt nur kurz: „Dann wäre Dortmund nur eine Hülle, diese Menschen lassen Dortmund pulsieren, sie sind das Herz von Dortmund.“


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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